Von Wien nach Paris – und direkt auf den Laufsteg: Die österreichische Malerin Martha Jungwirth lieferte die farbliche Inspiration für die neue Akris-Kollektion. Designer Albert Kriemler verwandelt ihre expressive Bildsprache in fließende Kleider, luftige Tuniken und elegante Hosen.
Im Rahmen der Fashion Week Paris zeigte das Schweizer Modehaus Akris im Palais de Tokyo seine Frühjahr/Sommer-Kollektion 2027. Auffällig: So farbenprächtig präsentierte sich die Marke selten.
Auf hellen Stoffen leuchten kräftige Pink- und Violetttöne, rote Pinselspuren ziehen sich über fließende Silhouetten. Dazu kommen Gelb und Grün – Farben, die den Entwürfen eine beinahe malerische Wirkung verleihen.
Kunst ist für Albert Kriemler seit Jahren eine wichtige Inspirationsquelle. Der Akris-Designer überträgt Fotografien, Gemälde und andere künstlerische Arbeiten immer wieder auf Stoffe.
Jungwirths Arbeiten entdeckte Kriemler vor einigen Jahren in der Pariser Galerie Thaddaeus Ropac. Besonders die ungewöhnliche Farbpalette und die scheinbar spontan gesetzten Linien blieben ihm im Gedächtnis. Später kam es zum persönlichen Treffen: Kriemler besuchte die Künstlerin in ihrem Wiener Atelier.
Jungwirth, 1940 in Wien geboren, zählt zu den bedeutenden Vertreterinnen der österreichischen Nachkriegskunst. Ihre Bilder bewegen sich zwischen Abstraktion und Figuration. Die Künstlerin beschreibt ihre Malerei als eine Art visuelles Tagebuch, in dem Eindrücke und Erinnerungen festgehalten werden.
Ihre Farben sind dabei keineswegs zufällig gewählt. Jungwirth spricht von ihren "Gefühlsfarben" – Tönen, zu denen sie intuitiv greift und die für sie bestimmte Bedeutungen tragen.
Grün steht etwa für die Natur, Gelb für das Licht. Rot, Rosa und Violett ergänzen die Palette, die nun vom Papier und der Leinwand auf die Kleidung gewandert ist.
Kriemler übersetzte diese charakteristischen Farbtöne in tragbare Mode. Mal erscheinen sie als komplette Looks, mal nur als gezielte Akzente oder einzelne Farbfelder. Damit bleibt die Verbindung zur Malerei sichtbar, ohne dass die Kleidungsstücke wie bloße Kopien der Kunstwerke wirken.