Paris Fashion Week

Frei wie ein Vogel! Die neue Leichtigkeit von Chanel

Matthieu Blazy verpasst Chanel neue Leichtigkeit: Zwischen Tweed, Transparenz und fliegenden Vögeln wird Freiheit zum neuen Luxus.
Christine Scharfetter
06.10.2026, 10:13
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Wenn Chanel zur Modenschau lädt, wird der Pariser Grand Palais zur spektakulärsten Bühne der Fashion Week. Für die Frühjahrskollektion 2027 ließ Matthieu Blazy 95 überlebensgroße Vögel über den Gästen schweben. Die Botschaft war unübersehbar: Diese Chanel-Frau will nicht stillstehen – und frei sein.

Ein Jahr nach seinem Einstand beim französischen Modehaus zeigte Blazy seine bislang vielseitigste Kollektion. 83 Looks machten deutlich, wohin seine Reise mit Chanel gehen soll: Weg von einer einzigen Vorstellung der Chanel-Frau – hin zu vielen unterschiedlichen Facetten.

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Coco Chanel als Kompass

Inspiration fand der Designer bei Gabrielle Chanel selbst. Fotos der Gründerin begleiteten seinen kreativen Prozess und zeigten eine Frau, die sich immer wieder neu erfand. Vom strengen Stil der edwardianischen Ära über die Kleidung ihrer Liebhaber bis zum legendären Chanel-Tweedkostüm: Blazy interessierte vor allem die Entwicklung einer Frau, die sich nicht auf eine Rolle festlegen ließ.

Auch ihre weniger bekannte, verspielte Seite rückte ins Zentrum. Musik, Kostüme und Freude gehörten ebenso zu Chanel wie die berühmten Bouclé-Jacken.

Mehr Taille, mehr Überraschungen

Blazy reagierte dabei auch auf jene Stimmen, denen seine bisherigen kastigen Silhouetten zu streng erschienen. Diesmal wurde es deutlich körperbetonter. Eng anliegende, teilweise transparente Strickteile trafen auf ein perlenbesetztes Korsett und maskuline schwarze Hosen. Kurze, weite Jacken blieben Teil seiner Handschrift, erhielten aber Konkurrenz von taillierten Westen, Patchwork-Kreationen und Anzügen mit asymmetrischen Säumen.

Wer es zurückhaltender mag, bekam ein elfenbeinfarbenes Mantelkleid. Wer auffallen will, konnte zwischen wilden Mustermixen, Tutu-Silhouetten und Kleidern mit Wolken- oder Nachthimmelprints wählen.

Tweed trifft Sport

Besonders spannend wurde es beim Chanel-Kostüm der nächsten Generation. Blazy ließ ein neues Stretchmaterial entwickeln, das die Optik des klassischen Tweeds mit dem Komfort moderner Sportkleidung verbinden soll.

Damit schlägt der Designer eine Brücke zwischen Tradition und Gegenwart. Das Chanel-Kostüm bleibt erkennbar – soll sich aber künftig genauso selbstverständlich bewegen lassen wie Sportswear.

Ein Kreis schließt sich

Zum Auftakt und Finale trug Model Dyanira Hurbuscher dieselbe historische 2.55-Handtasche aus den Chanel-Archiven. Ein bewusst gesetzter Verweis auf die Vergangenheit, während Blazy gleichzeitig den nächsten Schritt vorbereitet.

Auch der Soundtrack spielte mit Chanel-Geschichte und Popkultur. Markenbotschafterin Nicole Kidman las Passagen aus Virginia Woolfs "Orlando" und "Zum Leuchtturm". Zum Abschluss dröhnte Britney Spears' "Gimme More" durch den Grand Palais.

Freiheit über den Dächern von Paris

Das Bühnenbild bezog Blazy aus einem persönlichen Ort: einem süditalienischen Dorf, in dem er seine Ferien verbringt. Ein Fluss dort dient Zugvögeln als Rastplatz – und wurde zum Ausgangspunkt für das zentrale Motiv der Kollektion.

Freiheit, Leichtigkeit und ein Stück Poesie sollten gegen die Schwere des Alltags gesetzt werden. Für Blazy ist Mode damit nicht bloß Kleidung, sondern auch ein Gegenentwurf zu einer Welt, in der schlechte Nachrichten zum täglichen Ritual geworden sind.

kiky,Akt. 06.10.2026, 10:25, 06.10.2026, 10:13