Schönheits-OP im Trend

XXL-Brüste sind out – nun wollen alle "Ballerina Boobs"

Groß, prall und möglichst auffällig war einmal. Der neueste Beauty-Hype setzt auf das genaue Gegenteil – und trägt einen überraschend grazilen Namen.
Artiola  Zhabota
05.10.2026, 22:50
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Groß, größer, möglichst auffällig? Dieses Schönheitsideal scheint zumindest in Teilen der Beauty-Welt an Bedeutung zu verlieren. Auf TikTok dreht sich derzeit alles um Brüste, bei denen man den Eingriff im besten Fall gar nicht erkennen soll: klein, rund, zierlich und möglichst natürlich. Der Name dafür klingt beinahe so elegant wie das gewünschte Ergebnis: "Ballerina Boobs".

Was in sozialen Medien wie die neueste Beauty-OP verkauft wird, ist medizinisch allerdings weit weniger revolutionär. Der Wiener plastische Chirurg Albert Fuchs ordnet den Hype im Gespräch mit "Heute" ein.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Hinter dem neuen Namen steckt eine bekannte Idee

"'Ballerina Boobs' ist in erster Linie ein Marketingbegriff, den die Industrie und die sozialen Medien derzeit sehr gezielt nutzen", erklärt Fuchs. Dahinter stehe eine Brustharmonisierung mit einem vergleichsweise kleinen Implantat. Statt möglichst viel Oberweite zu schaffen, soll die vorhandene Brust etwas runder und harmonischer wirken: "Es geht nicht um Volumen, sondern um Form und Proportion", bringt es der Chirurg auf den Punkt.

Ganz neu ist dieser Wunsch ohnehin nicht: Fuchs beobachtet bereits seit Jahren, dass Patientinnen in seiner Praxis häufiger kleinere Implantate und dezente Ergebnisse wählen. Vor allem in Mitteleuropa gelte zunehmend "weniger ist mehr". Gleichzeitig warnt er davor, einen TikTok-Hype mit einem grundlegenden Wandel gleichzusetzen: "Sie ist keine Revolution, die erst mit einem TikTok-Begriff begonnen hat."

So entsteht der "Ballerina"-Look

Typischerweise werde ein kleines, relativ weiches Implantat verwendet, das die Brust sanft runder formt. Dieses werde vor dem Brustmuskel eingesetzt, wodurch laut Fuchs auch die Ausfallszeit vergleichsweise kurz ausfallen könne.

So simpel, wie es in kurzen Social-Media-Clips aussieht, ist der Eingriff allerdings nicht: Denn für den typischen Look müsse die Ausgangssituation passen. Laut Fuchs eignet er sich vor allem für jüngere, zierliche Frauen, deren Brust bereits eine harmonische Form besitzt und die lediglich etwas mehr Volumen und Rundung wünschen.

Bei einer erschlafften Brust, deutlichen Asymmetrien oder einer tubulären Brustform könne ein kleines Implantat allein dagegen nicht das gewünschte Ergebnis liefern. Je nach Ausgangslage können beispielsweise eine Straffung, Eigenfett oder weitere operative Techniken notwendig sein.

TikTok zeigt nur die halbe Wahrheit

Vorher-Nachher-Clips können zudem einen entscheidenden Teil der Geschichte ausblenden: "Ein Foto zeigt das Ergebnis, aber nicht die Voraussetzungen", betont Fuchs im "Heute"-Interview. Ob der Eingriff überhaupt zur eigenen Anatomie und zum gewünschten Ergebnis passt, lasse sich anhand eines Social-Media-Videos nicht beurteilen.

Und auch wenn das Implantat klein ist, bleibt es eine Operation. Zu den möglichen Komplikationen zählen laut dem plastischen Chirurgen unter anderem Nachblutungen, Infektionen und Wundheilungsstörungen. Auch Asymmetrien, sicht- oder tastbare Implantatränder sowie Veränderungen des Gefühls an der Brustwarze seien möglich. Hinzu kommt: Brustimplantate sind nicht zwingend eine Entscheidung fürs ganze Leben, spätere Folgeeingriffe können notwendig werden.

Wiener Schönheitschirurg Albert Fuchs erlebt in seiner Ordination zunehmend, wie digitale Beauty-Ideale die Wünsche seiner Patientinnen und Patienten beeinflussen.
Social Secrets

Eine ausführliche Beratung durch eine Fachärztin oder einen Facharzt für Plastische Chirurgie hält Fuchs deshalb für "unumgänglich und extrem wichtig".

Wenn es nicht um einen Beauty-Trend geht

Passend dazu rückt der "Breast Cancer Awareness"-Monat im Oktober die Brustgesundheit und damit auch die Zeit nach einer Brustkrebserkrankung stärker in den Fokus. Denn nach einer notwendigen Operation kann für viele Frauen die Frage wichtig werden, wie sie sich wieder in ihrem Körper zuhause fühlen können.

Hier setzt die rekonstruktive Brustchirurgie an: Je nach Ausgangssituation können etwa Eigenfett, Implantate oder körpereigenes Gewebe eingesetzt werden, um die Brust wiederherzustellen. "Die Wiederherstellung der Brust ist ein Teil der Behandlung und sollte auch als solcher gesehen werden", betont Fuchs abschließend. Umso wichtiger sei es, betroffene Frauen frühzeitig über ihre individuellen Möglichkeiten zu informieren.

AZ,05.10.2026, 22:50