Der österreichische Arbeitsmarkt ist weiterhin stark zwischen typischen Frauen- und Männerberufen aufgeteilt. Das zeigt eine aktuelle Auswertung des Arbeitsklima-Index der Arbeiterkammer Oberösterreich. Die Unterschiede beginnen bereits bei der Ausbildung und ziehen sich später durch Einkommen, Karriere und Arbeitsbedingungen.
Besonders hoch ist der Frauenanteil im Gesundheits- und Sozialwesen. Dort sind 76 Prozent der Beschäftigten weiblich. In der öffentlichen Verwaltung liegt der Anteil mittlerweile bei 63 Prozent, in Erziehung und Unterricht bei 60 Prozent.
Ganz anders sieht es in klassischen Männerbranchen aus. Am Bau sind 87 Prozent der Beschäftigten Männer. Auch im Bergbau, in der Wasserversorgung und Abfallwirtschaft sowie im Verkehr liegt der Männeranteil deutlich über 75 Prozent.
Auch bei Lehrlingen zeigt sich die Trennung. Von rund 101.000 Lehrlingen in Ausbildungsbetrieben waren 2024 nur rund 33.000 weiblich. Im Maschinenbau und in der Metallverarbeitung beträgt der Frauenanteil lediglich zwölf Prozent, im Bau acht Prozent und im Energiesektor sechs Prozent.
Besonders deutlich wird der Unterschied bei Führungspositionen. Während 19 Prozent der männlichen Beschäftigten eine leitende Funktion haben, sind es bei Frauen nur elf Prozent.
Selbst in Branchen mit einem besonders hohen Frauenanteil bleibt die Führungsebene häufiger männlich. Im Gesundheits- und Sozialwesen haben 16 Prozent der Männer eine Leitungsfunktion, bei den Frauen sind es neun Prozent.
Auch beim Geld zeigt sich eine klare Lücke. Insgesamt geben 58 Prozent der Männer an, mit ihrem Einkommen gut auszukommen. Bei Frauen sind es nur 48 Prozent.
Neun Prozent der Frauen sagen sogar, dass ihr Einkommen nicht zum Leben reicht. Bei Männern trifft das auf fünf Prozent zu.
Besonders angespannt ist die Lage im Handel. Dort kommen nur 38 Prozent der weiblichen Beschäftigten gut mit ihrem Einkommen aus, 13 Prozent kommen damit nicht aus. Auch bei der allgemeinen Zufriedenheit mit dem Einkommen liegen Frauen zurück: 56 Prozent sind zufrieden, bei Männern sind es 62 Prozent.
Eine wichtige Rolle spielt laut Arbeitsklima-Index die Arbeitszeit. Wer weniger als 20 Stunden pro Woche arbeitet, hat deutlich häufiger finanzielle Probleme. Bei Frauen in dieser Gruppe kommen 24 Prozent mit ihrem Einkommen nicht aus.
Frauen arbeiten weiterhin häufiger in Teilzeit. Als Grund nennt die AK unter anderem die stärkere Belastung durch Hausarbeit und Kinderbetreuung. Die Folgen reichen laut Auswertung von einem niedrigeren laufenden Einkommen bis zu Nachteilen bei der späteren Pension.
Auch die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben belastet Frauen mit Kindern stärker. 28 Prozent berichten von Schwierigkeiten, bei Männern mit Kindern sind es 24 Prozent.
Noch deutlicher ist der Unterschied bei Berufsunterbrechungen. Fast die Hälfte der Frauen, die ihre Erwerbstätigkeit unterbrochen haben, nennt Elternkarenz oder Kinderbetreuung als Grund. Bei Männern sind es lediglich vier Prozent.
Auch gesundheitlich zeigen sich Unterschiede. Bei weiblichen Pflegekräften berichten 50 Prozent von Kopfschmerzen, bei männlichen Pflegekräften sind es 38 Prozent. Rückenbeschwerden nennen 69 Prozent der Frauen und 55 Prozent der Männer.
Beim hohen Blutdruck dreht sich das Bild um: In der Pflege sind 43 Prozent der Männer betroffen, bei Frauen 23 Prozent.
Ähnliche Unterschiede gibt es in der Metallverarbeitung. Dort berichten 57 Prozent der Frauen von Kopfschmerzen oder Migräne, aber nur 30 Prozent der Männer.
Die Arbeiterkammer Oberösterreich fordert unter anderem eine umfassende Umsetzung der EU-Lohntransparenzrichtlinie, ein Recht auf Stundenaufstockung für Teilzeitkräfte mit regelmäßiger Mehrarbeit und mehr Förderung für Frauen in technischen Berufen.
Dazu kommen Forderungen nach gleichem Einkommen für gleichwertige Arbeit, einem Rechtsanspruch auf einen Kinderbildungs- und Betreuungsplatz ab dem zweiten Lebensjahr sowie einem besseren Schutz vor Benachteiligung wegen Geschlecht, Schwangerschaft oder Elternschaft.
Schlusspunkt: Der Arbeitsklima-Index wird seit fast 30 Jahren erhoben. Jährlich werden dafür mehr als 4.000 Beschäftigte in ganz Österreich befragt.