Sozial- und Familienleistungen

Experten warnen: Sparbudget trifft Frauen viel härter

Das Doppelbudget 2027/28 verteilt die Lasten der Budgetsanierung ungleich zwischen Männern und Frauen. Das zeigt ein Report des Momentum Instituts.
Heute Politik
02.09.2026, 06:45
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Wie wirken sich die Sparmaßnahmen im Budget 2027/28 auf Männer und Frauen aus? Das haben sich die Wirtschaftsexperten des gewerkschaftsnahen Momentum Instituts genauer angesehen. Und sie kommen zu spannenden Ergebnissen.

Frauen verlieren 0,86 Prozent des Einkommen, Männer 0,70 Prozent

So verfügen Frauen über rund 40 Prozent der Einkommen, tragen über die Jahre 2027 bis 2031 aber gleich 46 Prozent der Netto-Budgetsanierung. Gemessen am verfügbaren Einkommen verlieren Frauen durch die Budgetmaßnahmen im Durchschnitt der Jahre 2027 bis 2031 rund 0,86 Prozent ihres Einkommens, bei Männern sind es "nur" 0,70 Prozent.

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Männer haben mehr von Steuersenkungen

Die Kürzungen wiederum treffen Frauen mit 1,58 Prozent ihres Einkommens stärker als Männer mit 1,43 Prozent. Von zusätzlichen Ausgaben und Steuersenkungen profitieren Männer gleichzeitig etwas stärker. "Frauen haben deutlich weniger Einkommen zur Verfügung und schultern trotzdem einen überproportionalen Teil der Budgetsanierung. Wer bei Sozialleistungen kürzt, kürzt deshalb nicht geschlechtsneutral. Die bestehenden Einkommensunterschiede werden durch dieses Budget eher größer als kleiner", analysiert Nicolas Prinz, Ökonom und Mitautor des Reports am Momentum Institut.

Der Grund liegt auch darin, wo die Bundesregierung spart. Die fünf größeren Einsparungsmaßnahmen, die Frauen gemessen an ihrem Einkommen am stärksten belasten, kommen allesamt aus dem Sozialbereich. Dazu zählen höhere Arbeitslosenversicherungsbeiträge für Geringverdiener, das Aussetzen der Inflationsanpassung von Familienleistungen und Kinderabsetzbetrag, Kürzungen bei Kurleistungen und Änderungen beim Altersteilzeitgeld.

„Die bestehenden Einkommensunterschiede werden durch dieses Budget eher größer als kleiner.“
Nicolas PrinzÖkonom, Momentum Institut

Bei Männern liegen die stärksten Belastungen dagegen häufiger bei höheren Einkommen. Dazu zählen die höhere Höchstbeitragsgrundlage, die Besteuerung von Sachbezügen für E-Autos, die höhere Alkoholsteuer, die Vorwegbesteuerung von Pensionskassen und höhere Beiträge auf Luxuspensionen.

"Bei Frauen spart die Regierung besonders häufig bei sozialen Leistungen und niedrigen Einkommen. Männer werden stärker über Maßnahmen belastet, die hohe Einkommen treffen. Das ist ein entscheidender Unterschied für die Verteilungswirkung des Budget", sagt Prinz.

441 Millionen Euro Verlust

Besonders deutlich zeigt sich die Schieflage bei den Arbeitslosenversicherungsbeiträgen für Geringverdiener. Rund 1,5 Millionen Menschen sind von der Änderung betroffen. 68 Prozent davon sind Frauen, das entspricht rund einer Million Frauen. Im Vollausbau zahlen Frauen dadurch jährlich rund 441 Millionen Euro zusätzlich, Männer weniger als 200 Millionen Euro.

Auch relativ zum Einkommen ist die Belastung für Frauen höher. Die zusätzlichen Beiträge entsprechen bei den betroffenen Frauen 1,92 Prozent ihres verfügbaren Einkommens, bei Männern 1,54 Prozent.

Fehlende Inflationsanpassung bei Familienleistungen kostet Frauen 88 Millionen Euro

Bei den Familienleistungen setzt sich das Muster fort. Durch die ausgesetzte Inflationsanpassung werden Frauen ab 2028 mit rund 88 Millionen Euro jährlich belastet, Männer mit rund 76 Millionen Euro.

"Die Aufteilung des Sparpakets zwischen Frauen und Männern zu gleichen Teilen ist nicht automatisch fair. Entscheidend ist nicht, wie viele Euro Frauen und Männer beitragen, sondern die wirtschaftliche Ausgangslage", betont Prinz.

Experten empfehlen Nachschärfungen beim Budget

Das Momentum Institut empfiehlt, die Gender-Budgeting-Analyse bereits zu Beginn der Budgetverhandlungen vorzulegen und jede Budgetmaßnahme systematisch auf direkte und indirekte Auswirkungen auf Frauen und Männer zu überprüfen und das Budget anhand der Analyse geschlechtergerecht nachzujustieren.

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