Start 2027

Stockers Geld-Depot für Kinder: So funktioniert es

Kanzler Stocker lüftete neuen Geldplan für Familien. Die Koalition ist dazu grundsätzlich einig. "Heute" hat Details & Beispiele zum Steuerfrei-Sparen
Angela Sellner
02.09.2026, 05:30
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Im Schnitt 531.000 Zuschauer sahen das ORF-Sommergespräch mit Bundeskanzler Christian Stocker am Montagabend (die bisher meisten der Interviewreihe heuer).

Der ÖVP-Chef ließ dort seine Idee eines "Zukunftsdepots" zum Vermögensaufbau für die nächste Generation vom Stapel. Bis zu 5.000 Euro jährlich soll man für jedes Kind unter 18 auf das Depot bei einer teilnehmenden Bank einzahlen können. Ab dem 18. Geburtstag kann der Nachwuchs die durch Veranlagung vermehrte Summe steuerfrei entnehmen. Und sich so die Kapitalertragssteuer (KESt) von 27,5 Prozent sparen.

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Stocker will damit langfristiges Vorsorgen am Kapitalmarkt attraktiver machen – Österreich hinkt hier stark hinterher. "Aus monatlich relativ kleinen Beträgen können über die Jahre große Chancen werden", erklärt der Kanzler. Mit dem Zukunftsdepot könnten Eltern ihren Kindern "einen finanziellen Grundstock mitgeben – für eine Ausbildung, die Gründung eines Unternehmens oder die Anzahlung für das erste Eigenheim", so Stocker.

Alle Koalitionsparteien dafür

In der Regierungskoalition herrscht über das Zukunftsdepot laut "Heute"-Informationen bereits grundsätzliche Einigkeit. Die Neos sehen eine langjährige pinke Forderung bestärkt – Parteichefin Beate Meinl-Reisinger habe bereits 2024 "ein Chancenkonto gefordert, das im Wesentlichen dem Zukunftsdepot entspricht, das Christian Stocker nun will", so Neos-Generalsekretär Douglas Hoyos.

Aus der SPÖ heißt es, dass zu dem Thema in der Regierung laufend Gespräche stattfinden. Ein genaues Modell und die Umsetzung würden gerade besprochen, wobei Details noch offen seien.

So soll es funktionieren

Die Eckpunkte des Zukunftsdepots dürften schon recht deutlich vorliegen. Ab 2027 soll man für alle Kinder unter 18 (egal wie alt) ansparen können. Und zwar bis zum 18. Geburtstag – für ein fünfjähriges Kind beispielsweise blieben bei Start 2027 noch 13 Jahre.

Die Höhe der Einzahlung ist frei wählbar und kann monatlich variieren. Höchstgrenze sind 5.000 Euro pro Jahr.

Die Eltern entscheiden, wie das Geld angelegt wird – möglich sind etwa Aktien oder Wertpapierfonds (ETFs). Hochrisiko-Produkte wie Derivate sind ausgeschlossen.

Mit 18 kann das Kind entscheiden, ob es das Geld steuerfrei entnimmt oder weiter einzahlen möchte. Wird weiter eingezahlt, bezieht sich die Steuerbefreiung nur auf den bis zum 18. Geburtstag erwirtschafteten Teil.

BEISPIELE – So viel kann aus dem Geld am Zukunftsdepot werden

  • Wenn man von der Geburt des Kindes weg 50 Euro im Monat – also rund 600 Euro im Jahr – auf das Zukunftsdepot einzahlt, hat das Kind zum 18. Geburtstag bei einer durchschnittlichen Rendite rund 21.000 Euro auf dem Konto. Ersparnis durch Steuerbefreiung bei Entnahme des Geldes: rund 2.800 Euro.
  • Wenn man von der Geburt des Kindes weg 150 Euro im Monat – also rund 1.800 Euro im Jahr – auf das Zukunftsdepot einzahlt, hat das Kind zum 18. Geburtstag bei einer durchschnittlichen Rendite rund 63.000 Euro auf dem Konto. Ersparnis durch Steuerbefreiung bei Entnahme des Geldes: rund 8.500 Euro.
  • Zukunftsdepot statt Bausparer: Viele Eltern legen für ihre Kinder jeden Monat Geld auf ein Bausparkonto. Wer diese, beispielsweise 100 Euro, künftig stattdessen ins Zukunftsdepot investiert, hat nach zehn Jahren 12.000 Euro eingezahlt. Bei durchschnittlich 7 Prozent Rendite wären daraus rund 17.300 Euro geworden.
  • Wenn Eltern von der Familienbeihilfe in Höhe von 200 Euro jeden Monat 50 Euro ins Zukunftsdepot ihres Kindes legen, sind bis zum 18. Geburtstag so 10.800 Euro eingezahlt. Bei durchschnittlich 7 Prozent Rendite könnten daraus rund 21.500 Euro werden.

"Kein Nachzügler bleiben"

VP-Finanzstaatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl erklärt gegenüber "Heute": "Mit dem Zukunftsdepot wollen wir unseren Kindern bessere Startchancen geben und gleichzeitig bei ihren Eltern das Bewusstsein für die Chancen des Kapitalmarkts und langfristiges Vorsorgen stärken."

Andere Länder würden bereits entsprechende Steueranreize bieten – "Österreich darf kein Nachzügler bleiben", spricht Eibinger-Miedl Klartext.

"Wer über viele Jahre für die Zukunft seiner Kinder spart, soll dabei nicht vom Staat zur Kasse gebeten werden", betont Familienministerin Claudia Bauer (ÖVP) den Vorteil der Steuerbefreiung beim Zukunftsdepot.

„Wichtig wäre, dass diese Veranlagungs-Möglichkeit nicht nur für Kinder, sondern für alle möglich wird – vor allem im Hinblick auf die Pensionen.“
Dénes KucseraÖkonom Agenda Austria

Lob für den Vorstoß gibt es von Agenda-Austria-Ökonom Dénes Kucsera: "Die Maßnahme ist sinnvoll. Vor allem in einem Land der Bausparer und Sparbuch-Besitzer ist das eine gute Idee", sagt er gegenüber "Heute".

Der Experte würde aber noch weiter gehen: "Wichtig wäre zudem, dass diese Veranlagungs-Möglichkeit nicht nur für Kinder, sondern für alle möglich wird – vor allem im Hinblick auf die Pensionen. Denn die dritte Säule ist immer noch sehr wenig ausgebaut", so Kucsera.

Kritik der Grünen

Wenig abgewinnen können Stockers Zukunftsdepot die Grünen: "Dass sich der Kanzler Gedanken über die finanzielle Zukunft unserer Kinder macht, wäre grundsätzlich begrüßenswert. Was er präsentiert, ist aber ein Sparmodell, von dem vor allem jene profitieren, die ohnehin genug Geld haben", so Sigi Maurer, Klub-Vizechefin der Grünen.

Ihre Kritik richtet sich vor allem gegen mögliche Steuer- und Gebührenvorteile für jene, die größere Summen ansparen können. "Wer jeden Monat schauen muss, wie sich Miete, Lebensmittel und Schulsachen ausgehen, hat davon genau gar nichts", sagt Maurer.

{title && {title} } sea, {title && {title} } Akt. 02.09.2026, 07:22, 02.09.2026, 05:30