In Österreich stammen 90 Prozent des Stromverbrauchs aus erneuerbarer Energie. Trotzdem zahlten die heimischen Haushalte Ende 2025 mehr als 30 Cent pro Kilowattstunde und damit deutlich mehr als im EU-Schnitt. Für die Industrie sieht es nur wenig besser aus.
Was kann man tun, um diesen hohen Preisen den Kampf anzusagen? Das haben sich die Experten der wirtschaftsliberalen Agenda Austria angesehen. Und sie haben viereinhalb (!) Schrauben gefunden, an denen man drehen müsste.
Bei Privatkunden macht der reine Energiepreis rund 40 Prozent der Stromrechnung aus, der Netztarif 34 Prozent, dazu kommen Steuern und Abgaben (22 Prozent), der Rest entfällt auf die Erneuerbaren-Förderung. Und all diese Bereiche haben Potenzial, wenn es darum geht, den Strompreis zu drücken.
Erstens müsste man bei den Netzentgelten ansetzen, so die Agenda Austria. Unter den Netzbetreibern gebe es keinen Wettbewerb, sie seien – wie Bahn- oder Telefonnetzbetreiber – Monopolbetriebe, die Preise daher Monopolpreise. Das bedeutet: Sie sind systematisch zu hoch. Hier müsste die E-Control als Regulierungsbehörde eingreifen und dem Gewinnstreben der Monopolisten Einhalt gebieten.
Der zweite Punkt: die Energieversorger. Bei diesen wäre Wettbewerb sehr wohl möglich. Sie sind aber fest in staatlicher Hand. Was laut Agenda Austria noch schlimmer sei: die wechselseitigen Beteiligungen, die die Versorger untereinander halten. Das stünde dem Wettbewerb entgegen. Daher sei Privatisierung ein "Gebot der Stunde". Das heißt: Die Energieversorger sollten wenigstens bis auf eine Sperrminorität von 25 Prozent plus eine Aktie verkauft werden. Vor dieser Privatisierung müssten aber jedenfalls auch die Verflechtungen zwischen den Versorgern aufgelöst werden.
„Eine Privatisierung der Energieversorger ist natürlich eine politische Entscheidung.“Jan KlugeÖkonom, Agenda Austria
"Eine solche Privatisierung ist natürlich eine politische Entscheidung. Sie wäre aber ein wichtiges Signal, um zu zeigen: Wo Wettbewerb möglich ist, machen wir ihn auch möglich", sagt Agenda-Ökonom Jan Kluge, einer der beiden Autoren der Studie, im Gespräch mit "Heute". Der Staat habe immer noch die Netze. "Und das reicht aus, um Energiepolitik zu machen", so Kluge. Dènes Kucsera, der zweite Studienautor, ergänzt: "Der Staat würde zwar die operative Kontrolle weitestgehend abgeben, die strategische Kontrolle aber nicht."
Punkt drei auf der Liste der Agenda Austria: die Steuern und Abgaben. Diese müssten runter. Der sinnvollste Schritt dorthin: eine dauerhafte Senkung der Elektrizitätsabgabe. Hier müsse man aber befürchten, dass das Finanzministerium auf die Idee komme, voraussichtlich wegfallende Einnahmen aus der Besteuerung fossiler Energieträger durch eine stärkere Abgabenlast auf Strom zu kompensieren. Daher formuliert es die Agenda vorsichtig: "Es wäre schon viel gewonnen, wenn die Steuern nicht mehr werden. Der Staat sollte einer solchen Versuchung widerstehen."
Die vierte Forderung der Experten polarisiert sicher: Sie wollen die Erneuerbaren-Förderung auslaufen lassen. Diese sei nicht mehr notwendig, weil sich die Technologien mittlerweile rechnen würden. Zudem sei der Preisverfall bei Photovoltaik-Modulen "schwindelerregend". Würde die Förderung in der derzeitigen Form wegfallen, würde sich ein durchschnittlicher dreiköpfiger Haushalt rund 50 Euro pro Jahr ersparen. Bei Unternehmen sei die Ersparnis natürlich noch sehr viel größer.
Und was ist der "viereinhalbte Punkt"? Ein Mentalitätswechsel. Die Österreicher würden nämlich ihren Stromanbieter zu selten wechseln. Daher sollten sie öfter die Preise vergleichen. Ein Tarifvergleich und auch -wechsel sei heutzutage so schnell und einfach wie noch nie. Derzeit lassen sich damit vier Cent pro Kilowattstunde sparen. "Wenn das keine ausreichende Motivation ist, dann haben die Leute vielleicht einfach zu viel Geld", so Kluge und Kucsera.