Es gibt Modetrends, von denen man sich ziemlich sicher war, dass sie für immer in alten Facebook-Fotos bleiben würden. Der hochgeklappte Polokragen gehört definitiv dazu: In den 2000ern stand er gefühlt an jedem zweiten Hals nach oben, später wurde er zum modischen Warnsignal. Nun erlebt der Stehkragen ein Revival – und das nicht nur bei Poloshirts, sondern auch bei Hemden und Mänteln.
Dass ausgerechnet ein derart umstrittenes Relikt der Nullerjahre wieder interessant wird, hat auch mit Demna zu tun. Für die Frühjahr-/Sommerkollektion 2027 von Gucci holt der Designer den hochgestellten Kragen prominent zurück. Die "Vogue" spricht bereits vom Comeback des "umstrittenen Y2K-Stylings".
Dazu passt der "Preppy"-Look, der sich durch die Kollektion zieht: Poloshirts, Hemden und Loafer erinnern an den klassischen College-Stil, der traditionell ein bisserl brav, elitär und sehr ordentlich daherkommt. Nur hält sich Demna nicht unbedingt an den letzten Punkt: Die Kragen stehen hoch, wirken aber nicht immer akkurat zurechtgezupft.
Wer bei dem Look sofort Flashbacks in die 2000er bekommt, liegt völlig richtig. Damals gehörte der hochgestellte Polokragen zu jenen modischen Details, an denen kaum jemand vorbeikam. Einer seiner berühmtesten Fans: Kanye West.
Zu Zeiten seines Debütalbums "The College Dropout" kombinierte der Rapper bunte Poloshirts, Blazer und College-Looks ganz selbstverständlich mit hochgeklapptem Kragen – und machte ihn damit zu einem Teil seines damaligen typischen Styles.
Ganz verschwunden ist der Look seither offenbar nie. Im Frühjahr 2025 wurde etwa Harry Styles in London mit rosafarbenem Polo und demonstrativ hochgestelltem Kragen gesichtet. Was früher schnell nach Golfplatz, College-Boy und Nullerjahre-Übermut aussah, wird heute allerdings wesentlich lässiger getragen.
Damals sollte der Kragen möglichst perfekt nach oben stehen. Heute darf er aussehen, als hättest du ihm beim Anziehen kaum Beachtung geschenkt. Ein bisschen schief? Gut. Eine Seite klappt wieder nach unten? Kann bleiben. Leicht zerknittert? Umso besser. Statt steifer Perfektion geht es um jene kalkulierte Lässigkeit, für die die Mode bekanntlich besonders viel Aufwand betreiben kann.
Wer noch ein altes Polo im Kasten hat, muss also nicht gleich shoppen gehen: Bei festeren Stoffen reicht es oft schon, den Kragen hochzuklappen und locker mit den Fingern in Form zu bringen.