Am Morgen scheint noch die Sonne, am Nachmittag zieht plötzlich eine Front auf – und noch bevor der erste Regentropfen fällt, beginnt der Kopf zu pochen. Andere spüren ihre Knie, eine alte Narbe meldet sich oder sie fühlen sich auf einmal müde und schlapp. "Das Wetter ändert sich", lautet dann schnell die Erklärung. Doch kann unser Körper einen Wetterumschwung tatsächlich spüren?
Ein entscheidendes Problem: Es gibt nicht die eine Reaktion auf das Wetter. Während der eine bei fallendem Luftdruck über Kopfschmerzen klagt, merkt die andere überhaupt nichts. Dazu kommen Schlaf, Stress, Bewegung, Erkrankungen und viele weitere Faktoren, die unser Wohlbefinden beeinflussen können.
Entsprechend widersprüchlich fallen Studien aus. Besonders gut untersucht ist inzwischen Migräne. Eine 2025 veröffentlichte Meta-Analyse von 31 Studien fand Zusammenhänge zwischen Migräneattacken und Wetterveränderungen. Unter anderem spielten Temperatur und Luftdruck eine Rolle. Das bedeutet allerdings nicht, dass schlechtes Wetter automatisch Migräne verursacht – und schon gar nicht bei jedem Menschen.
Auch frühere Untersuchungen legen nahe, dass es tatsächlich eine Gruppe von Migränepatienten gibt, die empfindlicher auf bestimmte Wetterbedingungen reagiert als andere.
Besonders hartnäckig hält sich die Vorstellung, schmerzende Gelenke könnten einen Wetterwechsel ankündigen. Auch hier lautet die wissenschaftliche Antwort: möglicherweise bei manchen Menschen – aber längst nicht so eindeutig, wie oft behauptet wird.
Eine Meta-Analyse zu Arthrose fand etwa Zusammenhänge zwischen Schmerzen und Faktoren wie Luftdruck, Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Eine andere große Auswertung kam dagegen zu dem Ergebnis, dass Luftdruck, Regen, Temperatur oder Luftfeuchtigkeit das Risiko für Schmerzschübe bei Knie-, Hüft- oder Rückenschmerzen nicht erhöhten
Oft wird der Luftdruck als Schuldiger genannt. Die Idee klingt zunächst logisch: Zieht ein Tief heran, verändert sich der atmosphärische Druck – und möglicherweise reagieren empfindliche Menschen darauf.
Bei Migräne gibt es tatsächlich Hinweise auf einen Zusammenhang: Wie genau Luftdruckschwankungen im Körper eine Attacke auslösen könnten, ist jedoch nicht abschließend geklärt. Ein aktueller Forschungsüberblick beschreibt die Ergebnisse als uneinheitlich und weist auf erhebliche Unterschiede zwischen den bisherigen Studien hin.
Uneindeutige Forschung bedeutet nicht, dass Kopfschmerzen, Gelenkbeschwerden oder Müdigkeit eingebildet sind. Vielmehr scheint die individuelle Reaktion eine große Rolle zu spielen. Was bei einer Person Beschwerden begleitet oder verstärkt, muss bei der nächsten keinerlei Wirkung zeigen. Gerade bei chronischen Schmerzen zeigen Forschungsarbeiten, wie unterschiedlich Menschen auf Wetterfaktoren reagieren können.
Wer herausfinden möchte, ob tatsächlich ein Muster dahintersteckt, kann deshalb über mehrere Wochen ein Beschwerdetagebuch führen und Zeitpunkt, Schlaf, Stress, Bewegung und Wetter notieren. Bei starken, neuen oder wiederkehrenden Beschwerden sollte man sie allerdings nicht vorschnell aufs Wetter schieben, sondern medizinisch abklären lassen.