Koffein-Schock

Ärzte warnen – Kinder trinken immer öfter Energydrinks

Früher Partydrink, heute Pausenbegleiter? Energydrinks sind längst dort angekommen, wo Experten sie besonders kritisch sehen.
Heute Life
30.09.2026, 13:19
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Die Dose zischt, bevor der Schultag überhaupt richtig begonnen hat. Süß, bunt und mit dem Versprechen auf einen schnellen Energiekick ausgestattet, gehören Energydrinks für manche Jugendliche längst zum Alltag. Was früher eher mit langen Partynächten verbunden wurde, landet nun auch am Schulweg, in der Pause oder beim Zocken auf dem Schreibtisch. Eine große deutsche Untersuchung zeigt nun: Vor allem Jugendliche greifen häufiger zu den koffeinhaltigen Getränken.

Dafür werteten Forschende des IFT-Nord in Kiel Daten aus dem "Präventionsradar" der Schuljahre 2020/21 bis 2025/26 aus. Berücksichtigt wurden Angaben von mehr als 107.000 Schülern unter 16 Jahren aus 15 deutschen Bundesländern.

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Viele Kinder haben Energydrinks probiert

Demnach haben bereits 46 Prozent der Neun- bis Zwölfjährigen zumindest einmal einen Energydrink getrunken. Bei den 13- bis 15-Jährigen sind es sogar 72 Prozent. Noch deutlicher wird die Entwicklung beim regelmäßigen Konsum: Unter den jüngeren Kindern stieg der Anteil jener, die mindestens einmal im Monat zugriffen, von knapp zehn auf 13 Prozent. Bei den Jugendlichen ging es im selben Zeitraum von 25 auf 33 Prozent nach oben. Mindestens einmal pro Woche trinken laut Auswertung sechs Prozent der Kinder und 19 Prozent der Jugendlichen Energydrinks. Rund zwei beziehungsweise sechs Prozent greifen sogar täglich zur Dose.

Allerdings haben die Daten Grenzen: Die Angaben stammen aus Fragebögen und beruhen damit auf Selbstauskünften. Die tatsächlich getrunkenen Mengen wurden nicht direkt gemessen.

Eine große Dose kann ordentlich Koffein liefern

"Energydrinks enthalten hohe Koffein- und Zuckerkonzentrationen, die in großen Mengen schädlich für unser Herz-Kreislauf-System sind", warnt Felix Oberhoffer vom Klinikum der Universität München. Regelmäßiger hoher Konsum könne langfristig unter anderem Bluthochdruck, Übergewicht und Störungen des Zuckerstoffwechsels begünstigen.

Schlaf & Psyche können darunter leiden

Viel Koffein kann gerade bei jungen Menschen unerwünschte Folgen haben. Das Autorenteam verweist unter anderem auf Schlafprobleme, Angstzustände und eine akute Belastung des Herz-Kreislauf-Systems. Bei zuckerreichen Varianten kommt hinzu, dass häufiger Konsum die Zähne belastet und eine übermäßige Kalorienzufuhr begünstigen kann.

Auffällig ist zudem, mit welchen anderen Verhaltensweisen häufiger Energydrink-Konsum in der Erhebung zusammenhing. Jugendliche, die im vergangenen Monat geraucht oder E-Zigaretten verwendet hatten, konsumierten 2,4-mal häufiger täglich Energydrinks als jene ohne Nikotinkonsum.

Wichtig dabei: Das beweist nicht, dass Energydrinks diese Verhaltensweisen verursachen. Es handelt sich um statistische Zusammenhänge, hinter denen gemeinsame soziale oder persönliche Faktoren stecken können.

Heikel wird die Mischung mit Alkohol

Vor einer Kombination warnt Katharina Rathmann von der Hochschule Fulda besonders: Energydrinks gemeinsam mit Alkohol zu trinken. Koffein könne alkoholbedingte Müdigkeit überdecken, während Reaktionsfähigkeit, Koordination und Urteilsvermögen trotzdem beeinträchtigt bleiben. Das kann tückisch werden: Man fühlt sich womöglich wacher und weniger betrunken, als man tatsächlich ist – und unterschätzt dadurch leichter die eigene Beeinträchtigung.

Forschende fordern strengere Regeln

Neben mehr Aufklärung sprechen sich die Autoren deshalb für strengere Regeln bei Verkauf und Werbung aus. Insbesondere Influencer und soziale Medien stehen dabei im Fokus: Energydrinks werden dort nicht nur beworben, manche Internetstars bringen inzwischen eigene Marken auf den Markt.

red,30.09.2026, 13:19