Kalte Luft im Freien, trockene Heizungsluft zu Hause – eine Kombination, die unseren Augen im Winter besonders zusetzt. Sie brennen, jucken oder fühlen sich einfach müde an. Im "Heute"-Interview verrät ein Augenoptikermeister, wie man seine Augen auch in der eisigen Jahreszeit schützt und worauf man besonders achten muss.
Der Winter kann für die Augen zu einer kleinen Belastungsprobe werden: "Trockene Heizungsluft senkt die Luftfeuchtigkeit in Innenräumen stark ab – die Tränenflüssigkeit verdunstet schneller, das Auge wird trocken, gereizt oder fühlt sich 'sandig' an, erläutert David Vogelhuber, Augenoptikermeister des Optiker Vogelhuber, gegenüber "Heute". Zudem reizt der kalte Wind im Freien die Augen, weil der Tränenfilm durch die Kälte instabiler wird.
"Weniger Lichteinfall und lange Bildschirmzeiten in der dunklen Jahreszeit führen oft zu digitalem Sehstress: Wir blinzeln seltener und die Augenmuskeln sind dauerhaft angespannt", fügt Vogelhuber hinzu. Die Folge: Brennende, müde, tränende oder lichtempfindliche Augen – oft noch verbunden mit Kopfschmerzen und einer Konzentrationsschwäche.
Wer mit gereizten und trockenen Augen generell zu kämpfen hat, könnte beginnen, an seinem Lidschlag zu arbeiten: "Gerade am Bildschirm blinzeln wir bis zu 60 Prozent weniger, deshalb sollte man bewusst öfter zwinkern." Wer also bewusst blinzelt oder sogar gähnt, kann dafür sorgen, dass der Tränenfilm sich in den Augen verteilt.
Warme Kompressen, die man sich abends für fünf bis zehn Minuten auf die Augenlider legt, könnten verstopfte Meibom-Drüsen lösen und die Fettkomponente der Tränenflüssigkeit verbessern. Vogelhuber empfiehlt auch ausreichend trinken: "Wasserzufuhr wirkt sich auch auf die Augenoberfläche aus!"
Auch wenn die Sonne nicht so lange im Winter scheinen mag, ist ein UV-Schutz für die Augen notwendig: "Der weitverbreitete Irrtum, dass nämlich die UV-Strahlung im Winter harmlos ist, herrscht leider noch immer", so Vogelhuber. Auch bei niedrigen Temperaturen ist sie vorhanden und durch Schnee, Eis oder Wasser wird diese sogar bis zu 80 Prozent reflektiert.
Werden die Augen nicht davon geschützt, könnten diese beginnen, besonders stark zu leiden "Bei starker Strahlung könnten Hornhaut- oder Bindehautentzündungen, wie zum Beispiel durch die 'Schneeblindheit', hervorgerufen werden. Treten solche Erkrankungen öfters auf, erhöht sich auch das Risiko für Linsentrübungen und Makulaschäden", warnt der Augenoptikermeister. Eine gute Sonnenbrille mit UV400-Filter schützt davor zuverlässig. "Bei Schneesport oder Bergtouren sollte man mit rundum geschlossene Brillen oder Gletscherbrillen mit Seitenschutz zurückgreifen", empfiehlt er. Wer viel vor dem Bildschirm sitzt, kann Blaulichtfilter-Gläser probieren – diese können besonders abends entspannend wirken.
Auch Augen profitieren von regelmäßiger "Gymnastik": "Alle 20 Minuten für 20 Sekunden auf ein Objekt in 20 Fuß, also sechs Metern, Entfernung schauen. Das alleine entspannt die Ziliarmuskulatur", gibt Vogelhuber als Tipp mit. Obwohl das Augenrollen meist als unhöflich gilt, kann das die Beweglichkeit und die Durchblutung ankurbeln.
Den Augenfokus sollte man auch regelmäßig wechseln: "Einmal den Daumen (circa 30 cm vor dem Gesicht) fixieren, dann den Blick auf ein weit entferntes Objekt lenken. Das dann 10 Mal wiederholen. Diese kleinen Übungen fördern die Flexibilität der Augenmuskeln und beugen digitalem Sehstress vor", so der Augenoptikermeister.
Wer ständig vor dem Bildschirm sitzen muss, sollte bewusst kurze Pausen einbauen: Jede Stunde sollte der Blick für zwei bis drei Minuten komplett weg schweifen. "Lichtverhältnisse sollten auch geprüft werden: Ist der Kontrast zwischen Bildschirm und Umgebung zu stark, kann das die Augenmuskulatur strapazieren", so Vogelhuber. Wird ein Bildschirmfilter aktiviert oder der Nachtmodus eingeschaltet, werden Blaulichtanteile reduziert und die Blendempfindlichkeit verringert.
"Als Abendritual empfehle ich Augenmassagen, Blinzelübungen und bewusstes Schließen der Augen für ganze zwei Minuten – das wirkt Wunder", verrät er schließlich.