Für Meta beginnt in den USA ein Prozess mit gewaltiger Tragweite. Vor dem Bundesgericht in Oakland, Kalifornien, hat eben die Auswahl der Geschworenen begonnen, die Eröffnungsplädoyers sind für 18. August angesetzt. Das Verfahren soll sieben Wochen dauern.
Konkret beschuldigen die Bundesstaaten Kalifornien, Colorado, Kentucky und New Jersey Meta, Facebook und Instagram gezielt so gestaltet zu haben, dass Kinder und Jugendliche möglichst lange auf den Plattformen bleiben.
Im Mittelpunkt stehen Funktionen wie endloses Scrollen, Benachrichtigungen, "Gefällt mir"-Zähler oder Filter, die das Aussehen verändern. Nach Ansicht der Kläger seien solche Elemente gezielt darauf ausgerichtet, junge Nutzer immer wieder zurückzuholen.
Gleichzeitig klagen 29 Bundesstaaten wegen des Vorwurfs, Meta habe persönliche Daten von Kindern unter 13 Jahren ohne Zustimmung der Eltern gesammelt und genutzt.
"Meta weiß, dass seine Plattformen Kindern und Jugendlichen schaden, sorgt aber weiterhin dafür, dass diese süchtig bleiben", wirft Jennifer Davenport, Generalstaatsanwältin von New Jersey, dem Konzern vor. Kinder seien keine Datenpunkte, die zu Geld gemacht werden dürfen.
Meta-Chef Mark Zuckerberg und Instagram-Chef Adam Mosseri werden als Zeugen erwartet. Die Kläger wollen auch interne Unterlagen des Konzerns vorlegen.
Meta weist die Anschuldigungen zurück. Der Konzern erklärt, seit Jahren Schutzmaßnahmen für Jugendliche auszubauen und dabei mit Eltern, Experten und Behörden zusammenzuarbeiten. Die Klagen würden ein falsches Bild zeichnen.
Kurz vor Prozessbeginn hatte Meta noch versucht, das Verfahren vorerst zu stoppen. Ein Berufungsgericht lehnte den Antrag jedoch ab.
Wie teuer der Prozess für Meta werden könnte, ist offen. Die Generalstaatsanwälte haben bisher keinen konkreten Gesamtbetrag genannt. Meta selbst hat allerdings vorgerechnet, dass sich die möglichen Sanktionen nach der Berechnungsmethode der Kläger im Extremfall auf bis zu 1,4 Billionen Dollar summieren könnten.
Neben Geld geht es auch um mögliche Änderungen bei Facebook und Instagram. Die Kläger verlangen unter anderem strengere Schutzmaßnahmen für Minderjährige und wollen bestimmte Funktionen beschränken.
Der Konzern hält dagegen und verweist auf eigene Teenager-Konten mit strengeren Einstellungen, Alterskontrollen und weitere Schutzmaßnahmen. Meta argumentiert außerdem, dass "Social-Media-Sucht" nicht als eigene psychiatrische Erkrankung im maßgeblichen Diagnosehandbuch anerkannt sei. Die Kläger wiederum sehen in internen Unterlagen Hinweise darauf, dass sich der Konzern der Risiken intensiver Nutzung bewusst gewesen sei.
Der Mammutprozess beginnt für Meta nach einer empfindlichen Niederlage in einem anderen Verfahren. In New Mexico summieren sich die gegen Meta verhängten Zahlungen inzwischen auf fast eine Milliarde Dollar. Nach einem ersten Urteil über 375 Millionen Dollar kamen Anfang August weitere 567 Millionen Dollar hinzu.
Auch in Kalifornien und anderen Bundesstaaten laufen zahlreiche weitere Verfahren gegen Meta und andere Plattformen. Tausende Klagen von Familien, Schulen und Behörden beschäftigen sich mit möglichen Schäden durch soziale Netzwerke.