Es wird nicht ruhig um die ehemalige Außenministerin Karin Kneissl. Zuletzt fiel die nach Russland ausgewanderte Ex-Politikerin immer wieder mit abfälligen Aussagen über Österreich auf. So bezeichnete sie die Menschen in ihrer alten Heimat als "Hyänen" und sagte, dass es "kein Zufall" sei, "dass Hitler aus Österreich kam".
Zuletzt schlugen die Neos vor, ihr aufgrund der getätigten Aussagen die österreichische Staatsbürgerschaft zu entziehen. Jetzt kam ein Brief ans Licht, der dem Monatsmagazin "DATUM" von westlichen Geheimdiensten zugespielt wurde. Dieser zeigt, welch enge Verbindungen Kneissl zum russischen Machtapparat pflegt.
Zur Vorgeschichte: Nach ihrer Amtszeit als von der FPÖ nominierte Außenministerin im Jahr 2019 setzte sich die Ex-Politikerin nach Frankreich ab. Danach ging es in den Libanon und von dort aus weiter nach Russland. Kneissl sprach wiederholt davon, dass sie aus Österreich und der EU vertrieben worden sei.
Im Herbst 2023 folgte dann der Umzug nach St. Petersburg. Darin sollen hochrangige russische Vertreter involviert gewesen sein, wie aus dem geleakten Brief von 2024 hervorgeht. Gerichtet war das Schreiben an den Leiter der Präsidialverwaltung von Kreml-Chef Wladimir Putin, Anton Wajno.
"Für die umfassende Unterstützung bei der Organisation meines Umzugs nach St. Petersburg über die Luftwaffenbasis Hmeimim bin ich zutiefst dankbar", wird Kneissl von "DATUM" zitiert. Und weiter: "Meine Tiere und ich wurden dort wie enge Verwandte aufgenommen."
Besonders brisant ist die Art, wie Kneissl und ihre Tiere vom russischen Luftwaffenstützpunkt in Syrien nach Russland gelangten. Samt ihrer Ponys Sumsum und Daphne stieg die Ex-Politikerin in eine Militärmaschine vom Typ Iljuschin, die sonst Panzer und Soldaten transportiert.
Neben Wajno sollen auch das russische Verteidigungsministerium, die Führung der Luftwaffenbasis, ein russischer Vizebotschafter und der Leiter eines russisch-libanesischen Freundschaftsvereins beteiligt gewesen sein.
Zuvor habe man Kneissl auch bei den notwendigen Dokumenten für ihren Umzug geholfen, und die Annehmlichkeiten hörten in St. Petersburg nicht auf. Viele Leute hätten sich um die Ex-Außenministerin und ihre offenbar hohen Ansprüche gekümmert. Laut dem "DATUM"-Bericht hätte sie 20 Immobilien, die ihr angeboten wurden, abgelehnt.
Heute lebt Kneissl mit Pferden, Hunden und Katzen in dem kleinen Ort Giblitsy, 380 Kilometer von Moskau entfernt. Dort wohnt sie in einem grünen Holzhaus mit Veranda. Auf dem Grundstück befinden sich auch ein Stall und ein Gehege.
Finanziell sehe es für die Ex-Politikerin auch gut aus. Laut russischen Leaks soll sie gut 18.000 Euro im Monat verdienen. Des Weiteren wurde sie von Putin zur Amurtiger-Beauftragten ernannt. Doch warum investiert der Kreml so viel in Kneissl?
Laut dem im Exil lebenden Geheimdienstexperten Andrej Soldatow sei der Umgang mit ihr "etwas Besonderes". Normalerweise würde man gescheiterten, ausländischen Politikern, die sich nach Russland absetzen, nicht vertrauen. Ihr Leben sei deshalb eingeschränkt, bei Kneissl sehe dies anders aus.
Er hat die Vermutung, dass kein einzelner Geheimdienst Kneissls Leben in Russland organisiere. Soldatow denkt, dass Putin höchstpersönlich für sie zuständig ist. Auch eine Nachrichtendienstquelle sagte gegenüber "DATUM", dass die Ex-Politikerin unter dem Schutz Putins stehen würde.
Seit sie auf ihrer Hochzeit im Jahr 2018 mit dem russischen Machthaber getanzt habe, sei dies jedem bewusst, so die Vertreterin des westlichen Geheimdienstes. Ihren Mann hat Kneissl jedenfalls nicht mit nach Russland genommen – die Ehe ging zuvor in die Brüche.