Ein brisanter Brief von Österreichs Ex-Außenministerin Karin Kneissl an den Machtapparat des russischen Präsidenten Wladimir Putin lässt tief blicken und verleitet einige Quellen zu heftigen Spekulationen.
Die Ex-Politikerin, die von 2017 bis zum Ibiza-Skandal 2019 als von der FPÖ nominierte Außenministerin tätig war, übersiedelte nach ihrer Amtszeit nach Frankreich, dann in den Libanon und von dort aus nach Russland. Der Brief, der dem Monatsmagazin "DATUM" von westlichen Geheimdiensten zugespielt wurde, zeigt, wie ihr Umzug nach St. Petersburg im Herbst 2023 abgelaufen war.
Das Schreiben geht auf Anfang 2024 zurück und war an den Chef von Putins Präsidialverwaltung, Anton Wajno, gerichtet. Die ehemalige Politikerin bedankte sich darin aufrichtig für die Hilfe der russischen Regierung. Man habe sie und ihre Tiere "wie enge Verwandte aufgenommen" und ihr ermöglicht, ihre Arbeit fortzusetzen.
Des Weiteren sei auch von vorangegangenen Schreiben an das russische Außenministerium die Rede, in denen Kneissl nicht mit Kritik an Österreich und der EU sparte. Demnach habe sie ihr Heimatland im September 2020 verlassen müssen und sei dann 2022 auch aus der EU geworfen worden, da sie Russland nicht verurteilt habe.
Im Libanon habe sich Kneissl an die russische Botschaft gewandt, die sie bei den nötigen Dokumenten für einen Umzug nach St. Petersburg unterstützt hätte. Für die Ex-Politikerin und ihre Tiere ging es dann weiter nach Syrien. Von der dortigen russischen Luftwaffenbasis in Hmeimim ging es dann weiter nach Russland.
An dieser "Operation" hätten sich neben Wajno auch das russische Verteidigungsministerium, die Führung der Luftwaffenbasis, ein russischer Vizebotschafter und der Leiter eines russisch-libanesischen Freundschaftsvereins beteiligt. Diese brisante Liste gibt durchaus Raum für Spekulationen.
Der im Exil lebende Geheimdienstexperte Andrej Soldatow vermutet, dass Kneissls Leben in Russland von Kreml-Chef Putin höchstpersönlich organisiert werde. Eine anonyme Vertreterin eines westlichen Geheimdienstes glaubt eher, dass keine zentrale Koordinationsstelle für die Ex-Politikerin, die laut geleakten Dokumenten nun mehr verdient als zu ihrer Zeit als Ministerin, nötig sei. Gegenüber "DATUM" gab sie an, dass seit Kneissls Tanz mit Putin auf ihrer Hochzeit im Jahr 2018 jeder wisse, dass sie unter dem persönlichen Schutz des russischen Machthabers stehe.
Auch in ihrer alten Heimat sorgt Kneissl nach wie vor für Aufregung. Ihr wird vorgeworfen, ein Teil der russischen Propagandamaschinerie zu sein. Vor allem die Neos stoßen sich an den Aussagen der ehemaligen Außenministerin. Daher wollen sie Kneissl auch die österreichische Staatsbürgerschaft entziehen.