Ein Alkohol-Unfall auf dem Weg zum Kirtag beschäftigt jetzt das Gericht in der Obersteiermark – und vor allem die Frage: Wer saß wirklich am Steuer? Mutter und Tochter krachten in einen Gartenzaun, danach gab es gegenüber der Polizei widersprüchliche Aussagen.
Der Vorfall ereignete sich im Oktober des Vorjahres an einem Samstagabend. Die 25-jährige Tochter war gemeinsam mit ihrer Mutter unterwegs, beide hatten zuvor im Laufe des Tages Alkohol getrunken. Während die Mutter 1,8 Promille hatte, wurden bei der Tochter 1,5 Promille festgestellt.
Als eine zufällig vorbeikommende Polizeistreife dazukam, behaupteten die beiden zunächst, die Tochter sei gefahren. Bei der Einvernahme auf der Wache zeigte sich dann jedoch ein anderes Bild: Dort sei die Mutter am Steuer gesessen. Die Tochter erklärte: "Ich bin nicht gefahren, ich wollte nur meine Mutter in Schutz nehmen, weil sie auf das Auto angewiesen ist".
Wie die "Kleine Zeitung" berichtet, bleibt die 25-Jährige vor Bezirksrichter Michael Auracher bei dieser Darstellung. "Haben Sie Ihrer Mutter nicht gesagt, dass sie zu viel getrunken hat?" will der Richter wissen. "Sie hat gemeint, dass es ihr zu Fuß zu weit wäre", antwortet die Tochter, die zudem angibt, anfangs gar nicht mitfahren zu wollen.
"Und warum setzen Sie sich dann zu ihr ins Auto", hakt Auracher nach. "Ich wollte sie nicht alleine fahren lassen, weil ich dachte, dass etwas passieren könnte", erwidert die 25-Jährige – sie habe ihre Mutter im Pyjama ins Auto begleitet.
Genau dieses Detail macht den Richter stutzig: "War es nicht so, dass Ihre Mutter Sie gefragt hat, ob Sie sie schnell hinunterführen, wenn Sie schon im Pyjama sind?" Die Tochter verneint. Die Mutter sagt im Zeugenstand dazu: "Da ist ja nichts dabei, wenn sie im Pyjama mitfährt". Auracher entgegnet: "Das ist schon ungewöhnlich", woraufhin die Frau mit "Finde ich nicht, es war ja am Abend", antwortet.
Die Mutter betont, sie sei selbst gefahren, die Tochter habe sie nur schützen wollen. Gleichzeitig kommt es bei Details immer wieder zu Widersprüchen – auch bei ihren eigenen Angaben. "Es ist doch egal, wer wann aussteigt", meint sie an einer Stelle. Der Richter kontert: "Was egal ist, entscheide noch immer ich".
Unklar bleibt auch, wo sich die Mutter beim Eintreffen der Polizisten befand. Zunächst verortet sie sich im Heckbereich außerhalb des Autos. Als Auracher darauf hinweist, dass die Tochter gesagt habe, das Auto sei noch weitergerollt, sagt die Mutter: "Ja, dann erinner’ ich mich offenbar nicht mehr." Der Richter wird daraufhin deutlich: "Jetzt sind Sie bald wegen Falschaussage in Leoben [Anm. am Landesgericht]!" und fordert: "Sagen Sie mir jetzt die Wahrheit und woran Sie sich erinnern können."
Am Ende steht für beide Frauen fest: Die Mutter saß am Steuer, die Tochter habe die Verantwortung nur aus Sorge um den Führerschein der Mutter auf sich nehmen wollen. "Wenn ich gewusst hätte, welche Auswirkungen das hat, hätte ich es gleich anders gemacht", seufzt die 25-Jährige.
Weil Widersprüche offen blieben und der Sachverhalt endgültig geklärt werden soll, vertagte der Richter die Verhandlung. Bei der nächsten Verhandlung sollen auch die beiden Polizisten geladen werden.