Zehn Tage im Spital, danach zurück ins Gefängnis: Die zum Tode verurteilte US-Amerikanerin Christa Gail Pike hat einen gescheiterten Hinrichtungsversuch überlebt. Nun berichten ihre Anwälte von gesundheitlichen Fortschritten, aber auch von anhaltenden Problemen.
Am 30. September 2026 sollte Pike im US-Bundesstaat Tennessee durch eine Giftspritze hingerichtet werden. Doch die Hinrichtung scheiterte – die 50-Jährige überlebte. Nach dem Vorfall musste Pike zehn Tage im Krankenhaus verbringen. Seit dem 10. Oktober befindet sie sich wieder im Gefängnis, wo sie weiterhin medizinisch betreut wird.
Wie ihre Anwälte gegenüber dem US-Portal "TMZ" erklärten, hat sich ihr körperlicher Zustand inzwischen deutlich verbessert. Pike könne wieder in vollständigen Sätzen sprechen und sich ohne fremde Hilfe freier bewegen.
Trotz der Fortschritte sind die Folgen des gescheiterten Hinrichtungsversuchs noch nicht vollständig absehbar. Nach Angaben ihrer Verteidiger hat Pike weiterhin "Probleme mit der Konzentration und dem Gedächtnis".
Ärzte untersuchen derzeit, welche körperlichen und psychischen Schäden sie davongetragen hat. Bis ein genaueres Bild ihres Gesundheitszustands vorliegt, könnte noch ein Monat oder mehr vergehen. Ihr Anwalt Stephen Ferrell erklärte gegenüber "ABC News": "Es gibt viele psychische Traumata, die sie aktuell durchmacht und unter denen sie immer noch leidet."
Bereits vor dem Hinrichtungstermin hatten Pikes Anwälte Bedenken gegen die Verabreichung der Giftspritze geäußert. Sie verwiesen darauf, dass die Verurteilte kleine und geschädigte Venen habe. Nach dem gescheiterten Versuch wurde auch von medizinischen Experten Kritik laut.
Jonathan Groner, emeritierter Professor für klinische Chirurgie an der Ohio State University, sagte dem "Guardian": "Was man Christa Pike angetan hat, wäre in einem klinischen Umfeld ein Behandlungsfehler gewesen. Niemand würde ein Mittel wie Pentobarbital infundieren, das bekanntermaßen Verbrennungen verursacht, wenn er sich nicht sicher wäre, dass der Zugang tatsächlich richtig liegt".
Groner verwies außerdem auf einen Warnhinweis des verwendeten Mittels Pentobarbital. Demnach müsse die Infusion sofort gestoppt werden, wenn ein Patient Schmerzen äußert. Laut einer Schilderung ihres Anwalts Randy Spivey hatte Pike während des Hinrichtungsversuchs wiederholt das Gesicht verzogen und erklärt, ihr Arm brenne "wirklich stark".
Der gescheiterte Versuch hat inzwischen auch politische Konsequenzen. Tennessees Gouverneur Bill Lee setzte sämtliche weiteren Hinrichtungen für das Jahr 2026 aus. Gleichzeitig ordnete er eine unabhängige Untersuchung der Vorgänge an.
Pikes Verteidiger wollen nun erreichen, dass die Todesstrafe gegen ihre Mandantin nicht erneut vollstreckt wird. Sie haben beim Gouverneur ein formelles Begnadigungsgesuch eingereicht. Darin beantragen sie, die Todesstrafe in eine lebenslange Haftstrafe umzuwandeln.
Pikes Unterstützer argumentieren, dass die Verurteilte durch den gescheiterten Hinrichtungsversuch und ihre rund 30 Jahre dauernde Haft bereits außergewöhnlich schwer bestraft worden sei. Eine Entscheidung über das neue Gesuch gibt es laut US-Medien bislang nicht.
Bereits vor der missglückten Hinrichtung hatten ihre Anwälte um eine Begnadigung gebeten. Dieser Antrag war abgelehnt worden.