"Nicht der richtige Weg"

Neue Allianz: Ludwig und Doskozil kämpfen nun gemeinsam

Der Parteigruß "Freundschaft" könnte bei zwei langjährigen SPÖ-Widersachern ein Revival feiern: Ludwig und Doskozil schlagen in dieselbe Kerbe.
12.10.2026, 18:45
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Die politische Großwetterlage bleibt für die SPÖ turbulent. Während die Bundespartei noch bis Dienstag bei einer Klausur im bekannten Seminarhotel Schloss Seggau (Stmk.) um einen neuen Kurs ringt, kündigt sich Tauwetter zwischen ziemlich besten Parteifreunden an!

Kopf: "Mathematik schlägt Ideologie"

Schon nach dem Treffen der roten Länderchefs in Sachen Parteispitze sprachen Teilnehmer von einer Annäherung zwischen Wiens Bürgermeister Michael Ludwig und Burgenland-Chef Hans Peter Doskozil. "Es herrschte bestes Klima zwischen den beiden", so ein Insider gegenüber "Heute". Nun schlagen die beiden roten Granden auch politisch in dieselbe Kerbe.

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Anlass: ein Vorstoß von AMS-Chef Johannes Kopf, das gesetzliche Pensionsantrittsalter anzuheben. Die demografische Entwicklung mache diesen Schritt langfristig notwendig, meinte Kopf in der Fernseh-Pressestunde. "Irgendwann schlägt Mathematik Ideologie", so Kopf.

Ludwig: "Absolut nicht der richtige Weg"

Für Ludwig "absolut nicht der richtige Weg". Der Bürgermeister: "Das faktische Pensionsantrittsalter ist in den letzten 25 Jahren stärker gestiegen als die Lebenserwartung. Die Menschen sind also im Schnitt nicht länger, sondern kürzer in Pension."

Doskozil: "Natürlich müssen wir die Finanzierung unseres Pensionssystems langfristig absichern. Aber die Antwort kann nicht sein, den Menschen einfach ein paar Arbeitsjahre zusätzlich umzuhängen."

Beide verweisen auf die schwierige Situation älterer Arbeitnehmer. "Wer das Pensionssystem sichern will, muss dafür sorgen, dass Menschen gesund bis zur Pension in Beschäftigung bleiben. Da ist vor allem das AMS gefordert", so Stadtchef Ludwig.

Ludwig: "Das verlängert Arbeitslosigkeit"

Das Problem verortet der Bürgermeister im Arbeitsmarkt: "Ein Drittel der Unternehmen ab 20 Beschäftigten hat keine einzige Person über 60 angestellt, und die Arbeitslosigkeit der über 60-Jährigen hat sich verdreifacht. Solange ältere Menschen keine Jobs finden, verlängert ein höheres Antrittsalter nur die Arbeitslosigkeit."

Babler vereinigt Ludwig und Doskozil

Per se hätte es kaum Nachrichtenwert, wenn zwei Partei-Genossen in dieselbe Richtung ziehen. Anders ist das bei der SPÖ. Das Verhältnis von Ludwig und Doskozil galt seit Jahren als zerrüttet. Eine massive Bruchlinie ging in der Corona-Politik durch die persönliche Beziehung der beiden Landeschefs. Ludwig trat für einen vorsichtigeren Kurs ein, stand auch bis zuletzt loyal hinter der Wienerin Pamela Rendi-Wagner, die wiederum Doskozil 2023 ablösen wollte. Ludwig machte vor dem Parteitag in Linz hinter den Kulissen massiv gegen Doskozil mobil.

Für Polit-Beobachter hat es jetzt den Anschein, als hätte Babler die beiden wechselseitig in die Arme des anderen getrieben. Wie berichtet, waren bei der roten Krisensitzung im Hotel Steigenberger alle neun Landeschefs, die Gewerkschaft und die Frauenorganisation unisono für eine Ablöse von Andreas Babler als Bundesparteichef.

Gut möglich, dass zwischen Ludwig und Doskozil demnächst das nächste Kapitel aufgeschlagen wird. Zu tun gäbe es – Stichwort Gastpatienten – bekanntlich einiges ...

coi, Akt. 12.10.2026, 19:37, 12.10.2026, 18:45