Dramatischer Appell

Tiefkühl-Krieg in NÖ: Jetzt Aufruf an alle Österreicher

240 Jobs und Hunderte Bauern sind vom drohenden Ardo-Aus betroffen. Jetzt bittet der Betriebsrat Österreich um Hilfe – mit einer besonderen Aktion.
13.10.2026, 16:00
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Der Kampf um das Tiefkühlgemüse-Werk in Groß-Enzersdorf (Bezirk Gänserndorf) geht in die nächste Runde. Obwohl der belgische Ardo-Konzern staatliche Finanzhilfen bereits abgelehnt hat und an der geplanten Schließung im kommenden Jahr festhält, gibt der Betriebsrat nicht auf. Jetzt wendet sich Arbeitnehmervertreter Dietmar Breiner mit einem eindringlichen Appell an die gesamte österreichische Bevölkerung.

Mit einer ungewöhnlichen Aktion in den sozialen Netzwerken hofft er, doch noch eine Rettung des Standorts zu erreichen. Denn es geht nicht nur um 240 Arbeitsplätze, sondern auch um die Zukunft zahlreicher Marchfeld-Bauern und die heimische Gemüseversorgung.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

In einem Video ruft er alle Menschen dazu auf, sich für die österreichische Gemüseproduktion einzusetzen. Seine Idee: Unterstützer sollen Botschaften wie "Gemüse aus Österreich muss bleiben!" oder "Regional statt international!" auf ein Blatt Papier schreiben, sich damit fotografieren und die Bilder anschließend in sozialen Netzwerken veröffentlichen.

Auch das Video des Betriebsrats soll möglichst häufig geteilt werden. "Ich möchte, dass wir gemeinsam für unser österreichisches Gemüse kämpfen", appelliert Breiner. Mit der Aktion will er öffentlichen Druck aufbauen und die Verantwortlichen bei Ardo Austria Frost möglicherweise doch noch zum Umdenken bewegen.

240 Mitarbeiter und Hunderte Bauern betroffen

Die geplante Werksschließung hätte weitreichende Folgen. Am Standort Groß-Enzersdorf verarbeitet Ardo Gemüse aus dem Marchfeld, das unter anderem für Produkte der Marke Iglo sowie für Tiefkühl-Eigenmarken großer Supermarktketten verwendet wird.

Rund 240 Mitarbeiter wären unmittelbar vom Aus betroffen. Dazu kommen Hunderte Landwirte, die das Werk beliefern, sowie Arbeitsplätze bei kooperierenden Unternehmen. Breiner warnt außerdem vor den Folgen einer stärkeren Abhängigkeit von Gemüseimporten.

Wenn extreme Wetterereignisse wie Dürren oder Überschwemmungen in anderen Anbauregionen zu Lieferengpässen führen, könne Österreich nicht automatisch davon ausgehen, bei der Versorgung bevorzugt zu werden. Gerade deshalb sei es entscheidend, die heimische Verarbeitung von Gemüse zu erhalten.

Ardo lehnt Rettungspaket der Regierung ab

Die Chancen auf eine Rettung des bestehenden Werks sind zuletzt allerdings deutlich gesunken. Die Bundesregierung hatte versucht, den belgischen Konzern mit einem Unterstützungs- und Subventionspaket zum Weiterbetrieb zu bewegen. Doch Ardo erteilte diesen Bemühungen in einem Antwortschreiben eine Absage.

Das Unternehmen begründet seine Schließungspläne mit der mangelnden Wirtschaftlichkeit des Standorts. Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) erklärte am Montag in Luxemburg, nun eine Perspektive für die Betroffenen schaffen zu wollen – von den Bauern bis zu den Konsumenten. Die Suche nach alternativen Lösungen läuft.

Iglo und Billa suchen nach Alternativen

Auch die großen Abnehmer des Marchfeld-Gemüses beschäftigen sich bereits mit der Zukunft der regionalen Produktion. Iglo erklärte, aktiv nach Möglichkeiten zu suchen, um die Verarbeitung des Gemüses möglichst in der Region zu erhalten. Erste Gespräche hätten bereits stattgefunden.

Die Billa-Mutter Rewe betonte unterdessen, dass die Versorgung der Kunden mit österreichischem Tiefkühlgemüse derzeit gesichert sei. Gleichzeitig prüfe das Unternehmen weitere Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit alternativen Lieferanten aus Österreich, um auch langfristig heimische Produkte anbieten zu können.

Für die Belegschaft in Groß-Enzersdorf ist das allerdings noch keine Lösung. Solange keine Alternative für den Standort gefunden wird, bleibt die geplante Schließung bestehen. Betriebsrat Breiner setzt deshalb nun auf die Unterstützung der Bevölkerung. Ob der öffentliche Druck den belgischen Konzern doch noch zum Einlenken bewegen kann, ist offen.

red, 13.10.2026, 16:00