Eine fremde Quallenart breitet sich in der Adria immer weiter aus. Vor allem in den Gewässern rund um die Lagune von Venedig mehren sich die Beobachtungen der Rippenqualle Mnemiopsis leidyi, die dort erhebliche ökologische und wirtschaftliche Probleme verursacht.
Biologen warnen: Die Qualle ernährt sich von Plankton sowie Fisch-, Muschel- und Krebstier-Larven, was fatale Folgen für die Nahrungsketten im Meer haben kann, warnen Biologen. Ein Problem gerade für das empfindliche Ökosystem des UNESCO-geschützten Gebietes in Venedig, das auf ein ausgewogenes Zusammenspiel von Arten angewiesen ist.
Abgesehen davon, dass es durch sie weniger Fisch und Meeresfrüchte gibt, ist die Quallenart für den Menschen ungefährlich. Die Berührung wird zwar oft als glitschig und unangenehm empfunden, führt aber nicht zu Hautreizungen, Juckreiz oder Rötungen.
Die kaum sichtbare Rippenqualle, auch "Meerwalnuss" genannt, stammt ursprünglich aus den Küstenregionen Nord- und Südamerikas. In der Adria hat sie sich in den vergangenen Jahren etabliert und vermehrt sich nun explosionsartig. Pro Tier können täglich bis zu 10.000 Eier produziert werden, da die Art hermaphroditisch ist und keinen Paarungspartner benötigt. Zudem fehlen ihr in den neuen Gewässern nahezu natürliche Feinde.
Für die regionale Fischereiwirtschaft ist das Auftreten der Meerwalnuss bereits spürbar: Fischer klagen, dass Quallenschwärme ihre Netze verstopfen und den Fang erheblich erschweren. Der starke Bestand der Rippenqualle könnte mittelfristig zu Rückgängen bei kommerziell wichtigen Fisch- und Muschelbeständen führen, warnen Forschende.
Das Phänomen erinnert an frühere ökologische Krisen: Im Schwarzen Meer der 1980er-Jahre führte ein ähnlicher Befall durch Mnemiopsis leidyi zu dramatischen Einbrüchen in Fischbeständen und einem massiven Ungleichgewicht im Ökosystem.
Auch politisch wird die Situation zunehmend diskutiert. Europaabgeordnete wie Anna Maria Cisint bezeichnen die Qualle als "neue Plage" und fordern von der EU rasche Maßnahmen sowie finanzielle Hilfen für betroffene Küstenregionen. In der nördlichen Adria habe es bereits starke Umsatzrückgänge in der Muschelfischerei gegeben, heißt es aus politischen Kreisen.
Die italienische Regierung hat in den vergangenen zwei Jahren bereits Millionen Euro bereitgestellt, um die Folgen invasiver Arten für Fischerei und Küstenökosysteme abzufedern. Beobachter sehen jedoch weiteren Handlungsbedarf, um das natürliche Gleichgewicht der Adria dauerhaft zu schützen.