"Moment der Wahrheit"

Neue Wende um brisantes Sobieski-Denkmal in Wien

Ein versprochenes Denkmal für Jan Sobieski ist wegen "islamfeindlichen Ressentiments" nie gekommen. Die ÖVP fordert die Stadt Wien zum Handeln auf.
Nicolas Kubrak
15.02.2026, 05:30
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Das Tauziehen um das Sobieski-Denkmal in Wien geht weiter. Zur Erinnerung: Die Stadt Wien hatte Polen eine Statue für König Jan III. Sobieski – den "Retter Wiens" – zugesagt. Damit sollte sein historischer Einsatz bei der zweiten Türkenbelagerung ein sichtbares Zeichen im Stadtbild erhalten.

Jan III. Sobieski (1624–1696)

Am 12. September 1683 führte Sobieski sein Einsatzheer bei der zweiten Türkenbelagerung durch das osmanische Reich an und siegte bei der Schlacht am Kahlenberg. Sobieski ist einer der bedeutensten Könige in der polnischen Geschichte und gilt für viele als der "Retter Wiens".

Plötzlicher Rückzieher

Umso größer war der Schock, als bekannt wurde, dass die Stadt Wien das geplante Denkmal für Jan III. Sobieski Ende 2024 abgesagt hat. Man wolle in Wien "keine Bühne errichten, die für ausländerfeindliche Hetze sowie islamfeindliche oder antitürkische Ressentiments instrumentalisiert werden kann", argumentierte Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) damals.

Der polnische Botschafter in Wien, Zenon Kosiniak-Kamysz, pochte im "Heute"-Talk darauf, dass das – bereits fertige – Denkmal seinen Platz am Kahlenberg betont. "Sobieski hat es sich verdient, in Wien verewigt zu werden."

Zenon Kosiniak-Kamysz, polnischer Botschafter in Österreich: "Sobieski hat es sich verdient, in Wien verewigt zu werden."
zVg

ÖVP bringt Sobieski-Antrag im Gemeinderat ein

Nun ist die Debatte um das Sobieski-Denkmal zum Politikum geworden. Mit dem bevorstehenden Gemeinderat am Mittwoch sieht die Wiener ÖVP den entscheidenden Zeitpunkt gekommen, das Denkmal endlich umzusetzen. Die Gemeinderäte Caroline Hungerländer, Judith Edelmann und Hannes Taborsky haben einen entsprechenden Antrag eingereicht.

Stadträtin Kasia Greco stellt im Gespräch mit "Heute" klar: "Jan III. Sobieski ist als Retter Wiens untrennbar mit der Geschichte dieser Stadt verbunden. Dass am Kahlenberg bis heute lediglich ein leerer Sockel steht, obwohl ein Denkmal längst zugesagt wurde, ist weder historisch noch diplomatisch nachvollziehbar."

VP-Stadträtin Greco: "SPÖ und NEOS sind es Wien und der polnischen Community schuldig, dieses Versprechen einzulösen und ein würdiges Zeichen zu setzen."
zVg

"Sind es polnischer Community schuldig"

Für Greco ist der eingebrachte Antrag ein Bekenntnis zu historischer Verantwortung: "SPÖ und NEOS stehen jetzt erneut vor einem Moment der Wahrheit. Sie sind es Wien und der polnischen Community schuldig, dieses Versprechen einzulösen und ein würdiges Zeichen europäischer Erinnerungskultur zu setzen."

Unterstützung erhält der Vorstoß auch von offizieller polnischer Seite. "Ein Denkmal am Kahlenberg wäre nicht nur eine Würdigung der historischen Rolle Jan III. Sobieskis, sondern auch ein starkes Zeichen der gemeinsamen europäischen Verantwortung und der Verbundenheit zwischen Wien und Polen“, betont Kosiniak-Kamysz. Die polnische Seite stehe bereit, die Umsetzung konstruktiv zu begleiten und die kulturelle Zusammenarbeit weiter zu vertiefen.

Denkmal + "Sobieski-Promenade"

Für Greco ist unverständlich, dass Wien Gewaltherrschern wie Stalin oder Che Guevara Gedenkzeichen widmet, während einem historischen Verteidiger Wiens die angemessene Würdigung verwehrt bleibt.

Neben der Errichtung des Denkmals schlägt die Wiener Volkspartei daher auch die Umbenennung des Wanderwegs 1a, wo 1683 der entscheidende Entsatzangriff stattfand, in eine "Sobieski-Promenade" als Wissensweg vor. "Jetzt geht es nicht mehr um Ausreden oder Expertengremien. Es geht um Haltung, Verlässlichkeit und Respekt gegenüber unserer Geschichte. Der Gemeinderat hat die Chance, hier ein klares Zeichen zu setzen", so die VP-Stadträtin.

{title && {title} } nico, {title && {title} } Akt. 15.02.2026, 15:32, 15.02.2026, 05:30
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