Wartezeiten und Rückstufungen

Bis zu 74 Tage! Wien wartet am längsten auf Pflegegeld

Beim Pflegegeld kam es zuletzt häufig zu Rückstufungen. Gleichzeitig gibt es bei den Verfahren teils lange Wartezeiten. Kritik kommt von den Grünen.
Lara Heisinger
14.02.2026, 20:16
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Beim Pflegegeld gibt es in Österreich zuletzt mehr Rückstufungen – und teils lange Wartezeiten auf Entscheidungen. Das geht aus einer aktuellen Anfragebeantwortung von Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ) an die Grünen hervor.

Demnach ist die Rate der Rückstufungen – also die Zuerkennung einer niedrigeren Pflegestufe als zuvor – gestiegen. Während es 2019 noch 10,24 Rückstufungen pro 1.000 Beziehern gab, waren es 2025 bereits 12,77.

Wien wartet am längsten

Auch die Dauer der Verfahren unterscheidet sich, je nach Bundesland, stark. Am längsten müssen Betroffene in Wien warten: Dort beträgt die durchschnittliche Verfahrensdauer im Zeitraum 2019 bis 2025 rund 74,4 Tage. Am schnellsten geht es im Burgenland mit 45,6 Tagen.

Neben Wien liegen auch Oberösterreich (64,3 Tage) und Vorarlberg (62,4 Tage) über dem Schnitt. Dahinter folgen Niederösterreich (53 Tage), Salzburg (52,3), Tirol (51,6) sowie die Steiermark (47,3), Kärnten (47,1) und das Burgenland.

Österreichweit lag die durchschnittliche Verfahrensdauer 2019 bei 60 Tagen und blieb bis 2024 nahezu stabil. Erst 2025 sank sie auf im Schnitt 52 Tage.

Kritik von den Grünen

Kritik an den langen Verfahren und der steigenden Zahl an Rückstufungen kommt vom Grünen Gesundheitssprecher Ralph Schallmeiner. Oberösterreich und Wien würden "über die Jahre hinweg besonders lange Verfahrensdauern bei Pflegegeldbegutachtungen" zeigen, "hier besteht dringender Aufholbedarf", so der Nationalratsabgeordnete.

"Verfahrensdauern über zwei Monate sind schlicht zu lange, besonders in dieser vulnerablen Lebensphase, wo es eigentlich schnell Klarheit braucht", erklärte er.

Rückstufungen deutlich gestiegen

Laut Anfragebeantwortung nahm die Zahl der Rückstufungen in den vergangenen Jahren deutlich zu. 2019 gab es bei insgesamt 463.662 Anspruchsberechtigten 4.746 Rückstufungen. Bis 2021 sank die Zahl auf 4.138 Fälle (bei 465.814 Beziehern). Danach stieg sie wieder an: 2025 wurden 6.400 Rückstufungen bei 501.237 Pflegegeldbeziehern registriert.

Umgerechnet bedeutet das: 2021 gab es 8,88 Rückstufungen pro 1.000 Fälle, 2025 bereits 12,77 – ein Plus von rund 44 Prozent.

Ärzte stufen häufiger zurück

Auffällig ist laut den Zahlen auch, wer die Begutachtungen durchführt. Der Großteil der Verfahren – rund 1.020.000 – wurde von Ärzten durchgeführt, etwa 420.000 Begutachtungen kamen von Pflegekräften.

Bei ärztlichen Gutachten kam es in 34.600 Fällen zu Rückstufungen (3,4 Prozent). Bei Begutachtungen durch Pflegekräfte waren es nur 620 Fälle (0,4 Prozent).

Auch hier sieht Schallmeiner Handlungsbedarf: "Seit 2022 steigt die Zahl der Rückstufungen beim Pflegegeld deutlich schneller als die Zahl der Pflegegeldbezieher:innen insgesamt. Auffällig ist, dass Rückstufungen fast ausschließlich auf ärztliche Gutachten zurückgehen, während Begutachtungen von Expertinnen und Experten aus den Pflegeberufen nur in sehr geringem Ausmaß dazu führen", so Schallmeiner. Der Trend sei "besorgniserregend" und werfe die Frage auf, "was sich im System verändert hat".

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