Seit Jahresbeginn gilt in Österreich das Einwegpfand – ein Schritt, der die Mülllandschaft im Land deutlich verändert hat. Wer in Parks oder auf Spielplätzen unterwegs ist, sieht schnell, was sich seither abspielt: Flaschen und Dosen werden nicht brav im Supermarkt zurückgegeben, sondern landen achtlos im Mistkübel oder gleich daneben.
Die neue Währung im Müll zieht Pfandsammler an, die sich auf die Suche nach Dosen und PET-Flaschen machen – oft auf Kosten der Sauberkeit. Mülltonnen werden durchwühlt, Gelbe Säcke aufgerissen, ganze Grünflächen vermüllt.
Rund 255 Millionen Gebinde wurden im ersten Quartal im Umlauf gebracht, etwa 36 Millionen Flaschen und Dosen davon zurückgegeben. Städte wie Linz und Innsbruck haben die Zeichen der Zeit erkannt und sogenannte Pfandringe eingeführt – Halterungen an öffentlichen Mülltonnen, in denen Flaschen abgestellt werden können, ohne den Inhalt des Kübels durchforsten zu müssen.
Graz prüft derzeit ähnliche Modelle. Die Idee: eine schnelle, praktische Lösung für alle Beteiligten – und ein Versuch, das Pfand-Chaos zu ordnen.
Wien will keine Pfandringe an Mistkübeln anbringen – aus Angst vor Müllbergen und Wespenplagen ("Heute" hat berichtet).
Doch während auf städtischer Ebene an kleinen Schrauben gedreht wird, offenbaren sich weiter unten im System tiefere Brüche.
Denn mit dem Pfandgut verschwinden wertvolle Flaschen und Dosen aus dem Gelben Sack – zurückbleibt vor allem Verpackungsmüll, der sich deutlich schwerer recyceln lässt. Die Folge: steigende Entsorgungskosten und wachsende Belastung für ein ohnehin angespanntes Sammelsystem.
Erst hier fällt ein Satz, der die Sache auf den Punkt bringt: "Pfandflaschen sind kein Müll, sondern eine Ressource – doch sie landen viel zu oft dort, wo sie nicht hingehören", sagt Florian Weins, Geschäftsführer von fritz-kola, zur "Krone". Er sieht nicht nur wirtschaftlichen Schaden, sondern auch eine verlorene Chance für mehr Nachhaltigkeit.
Die Altstoff Recycling Austria (ARA) verliert durch das Pfand jährlich etwa 55.000 Tonnen an leichtem Verpackungsmaterial. Das schlägt sich mit etwa 45 Millionen Euro zu Buche. ARA-Geschäftsführer Harald Hauke: "Wir verlieren nicht nur Umsatz, sondern auch hochwertiges Rezyklat, das für die Industrie immer wichtiger wird. Das Recyclingziel schaffen wir aber."