Alarmierende Studie

Notbremssysteme erkennen Kinder mit Warnwesten nicht

Notbremsassistenten moderner Autos erkennen Kinder mit reflektierender Warnkleidung oft zu spät oder gar nicht. Das zeigt ein ADAC-Test.
27.10.2026, 15:54
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Nachts leben Fußgänger gefährlich. Der Anteil der bei Nacht tödlich verunglückten Fußgänger ist laut ADAC besonders hoch. Sicherheitswesten sind deshalb sehr empfehlenswert, um nicht von einem Autofahrer übersehen zu werden. Sind Lenker dennoch einmal abgelenkt, sollen automatische Notbremsassistenten einen Zusammenstoß verhindern.

Grundsätzlich funktionieren diese Systeme auch nachts gut, so der ADAC. Allerdings habe man herausgefunden, dass sich diese Assistenten unter bestimmten Bedingungen schwer tun – etwa, wenn sie nachts auf Personen mit reflektierender statt normaler Kleidung treffen.

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In einer Studie mit sechs aktuellen Fahrzeugen wurde daher überprüft, wie gut Notbremsassistenten Personen mit reflektierender Kleidung erkennen können.

Systeme versagen bei bestimmter Kleidung

Für den Test untersuchte der ADAC die Reaktion der Technik auf einen Erwachsenen mit konventioneller Warnweste, eine Person mit genormter Einsatzkleidung und ein Schulkind mit Rucksack und Warnweste. Dabei zeigten sich gravierende Sicherheitslücken.

Zunächst die gute Nachricht: Einen erwachsenen Fußgänger mit handelsüblicher Warnweste erkannten sämtliche Autos und konnten einen Zusammenstoß verhindern. Die Warnweste hatte in diesem Fall keinen Einfluss auf die Reaktion der Notbremsassistenten.

Ganz anders fiel das Ergebnis bei genormter Arbeitsbekleidung aus, wie sie Bauarbeiter, Rettungsdienste, die Polizei oder die ADAC-Straßenwacht tragen. Fast alle Fahrzeuge erkannten die Testfigur entweder gar nicht oder viel zu spät und konnten nicht mehr rechtzeitig bremsen.

Erschreckendes Ergebnis bei Kindern

Ähnlich gravierende Probleme traten beim Versuch mit einem Schulkind auf. Solange die Kinder-Testfigur dunkle Kleidung trug, wurde sie von allen Fahrzeugen erkannt. Die Autos leiteten daraufhin eine Notbremsung ein.

Mit reflektierender Kleidung und Schultaschen versagte hingegen nahezu jedes System. Die Fahrzeuge bremsten entweder überhaupt nicht oder nicht mehr rechtzeitig.

Offenbar werden die Notbremsassistenten durch die tief sitzenden Reflektoren irritiert. Menschen mit bestimmter Warnkleidung werden dadurch nur unzureichend als solche erkannt, so der ADAC.

Mercedes CLA als einzige Ausnahme

Die Versuche zeigten allerdings auch, dass eine zuverlässige Erkennung grundsätzlich möglich ist. Der Mercedes-Benz CLA war das einzige der sechs getesteten Fahrzeuge, dessen Notbremsassistent sich von der reflektierenden Kinderkleidung nicht irritieren ließ.

Bei der Person mit genormter Einsatzkleidung hatte allerdings auch der Mercedes Probleme. Das System reagierte beeinträchtigt, warnte zu spät oder konnte einen Zusammenstoß trotz teilweiser Bremsung nicht vollständig verhindern.

Der ADAC fordert die Autohersteller deshalb auf, ihre Notbremsassistenten dringend nachzubessern. Das Problem liege offenbar weniger an den verbauten Sensoren als an der richtigen Erkennung und Einordnung der Verkehrsteilnehmer.

Verbesserungen könnten daher auch bei bereits zugelassenen Fahrzeugen durch Softwareupdates sein, so die Experten des Autofahrerclubs.

Auf keinen Fall auf Warnweste verzichten

Trotz der gravierenden Testergebnisse sollten Fußgänger und insbesondere Kinder in der dunklen Jahreszeit keinesfalls auf gut sichtbare Warnkleidung verzichten.

Denn mit einer Warnweste können Menschen von Autofahrern bei Dunkelheit erheblich besser erkannt werden. Der Sicherheitsgewinn sei deshalb deutlich größer als das Risiko eines Unfalls durch einen nicht oder zu spät reagierenden Notbremsassistenten, so der ADAC.

Auch Wetter irritiert die Systeme

Auf die automatischen Sicherheitssysteme könnten sich Autofahrer allerdings nicht hundertprozentig verlassen. Die seien zwar eine Unterstützung, könnten aber auch bei dichtem Nebel oder starkem Regen an ihre Grenzen stoßen. Das habe eine weitere Untersuchung des Autofahrerclubs zu Wettereinflüssen auf Assistenzsysteme gezeigt. Gefordert seien deshalb vor allem die Autohersteller, ihre Systeme entsprechend zu überarbeiten.

Diese sechs Autos wurden getestet

Für die Untersuchung wählte der ADAC bewusst unterschiedliche Fahrzeugmodelle aus, um den Einfluss reflektierender Kleidung auf die Sensorik verschiedener Fahrzeugklassen bei Nacht zu überprüfen. Zum Einsatz kamen der Mercedes-Benz CLA, Dacia Duster, Tesla Model Y, Hyundai Tucson, Opel Astra Sports Tourer und BYD Seal.

tmw, 27.10.2026, 15:54