Für zahlreiche Bahnreisende beginnt die neue Woche mit einer Geduldsprobe. In der Nacht auf Montag (12. Oktober) sind bei Wiener Neustadt zwei Güterwagen entgleist. Dabei wurde die Oberleitung erheblich beschädigt. Die Folgen treffen Pendler, Reisende und auch Schüler, die auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind.
Besonders ärgerlich: Im Zuge der Probleme rund um den Schienenersatzverkehr blieb laut einem Bericht der "Kleinen Zeitung" auch eine Schülerin zurück. Die 15-Jährige aus Graz steckte stundenlang in Mürzzuschlag fest.
"Sie geht in Wieselburg in Niederösterreich zur Schule und hat ein Topticket. Weil sie aber keine Sitzplatzreservierung dazu hat, wird sie seit Stunden nicht vom Ersatzverkehr mitgenommen", klagt ihre Mutter.
Die Steirerin ist nun selbst ins Auto gestiegen, um ihr Kind aufzusammeln und ins hunderte Kilometer entfernte Wieselburg zu bringen. Auf die ÖBB ist sie stinksauer: "Es kann doch nicht sein, dass eine 15-Jährige einfach stehengelassen wird"
Auch ein "Heute"-Leser berichtete bereits am Vormittag von Zuständen am Bahnhof Mürzzuschlag. Seit 7.40 Uhr warte er auf eine Möglichkeit, seine Reise fortzusetzen. Während immer neue Railjets eintreffen, würden die Menschenmengen am Bahnhof zunehmend größer. "Es herrscht absolutes Chaos", schilderte der Fahrgast.
Nach seinen Beobachtungen trafen etwa alle 30 Minuten weitere voll besetzte Züge ein. Zwar seien bereits zahlreiche Ersatzbusse abgefahren, doch die verfügbaren Sitzplätze hätten bei Weitem nicht ausgereicht. "Gefühlt geht gar nichts, hier sind sicher hunderte Personen gestrandet", so der Betroffene.
Die ÖBB haben nach der Entgleisung einen umfangreichen Schienenersatzverkehr eingerichtet. Unter anderem verkehren Busse zwischen Wiener Neustadt Hauptbahnhof und Mürzzuschlag. Auch im Nahverkehr sind Ersatzverbindungen notwendig. Betroffen sind unter anderem Fahrten in Richtung Neunkirchen und Lanzenkirchen.
Doch die große Zahl der gestrandeten Reisenden macht die Situation schwierig. Hinzu kommen die gesetzlich vorgeschriebenen Ruhezeiten der Buslenker, die laut dem betroffenen Fahrgast zusätzliche Wartezeiten verursachen. Gerade für Menschen, die zu einer bestimmten Uhrzeit in der Schule oder am Arbeitsplatz sein müssen, können solche Verzögerungen erhebliche Folgen haben.
Ausgelöst wurde die Störung durch einen Zwischenfall gegen 1 Uhr in der Nacht. Im Bereich des Ausfahrtsbahnhofs Wiener Neustadt gerieten zwei Güterwagen ins Rollen und entgleisten. Bei dem Vorfall wurde niemand verletzt. Die genaue Ursache war zunächst unbekannt.
Durch die beschädigte Oberleitung ist der Zugverkehr massiv eingeschränkt. Neben der Südstrecke sind auch die Aspangbahn sowie die Puchberger- und Gutensteiner-Strecke betroffen. Die ÖBB arbeiten an der Behebung der Schäden und empfehlen Reisenden, vor Fahrtantritt die aktuellen Verbindungen zu überprüfen und deutlich mehr Zeit einzuplanen.