Das Bahn-Chaos auf der österreichischen Südstrecke nimmt kein Ende. Nachdem in der Nacht auf Montag (12. Oktober) zwei Güterwagen bei Wiener Neustadt entgleist sind und die Oberleitung schwer beschädigt haben, müssen Tausende Fahrgäste mit Einschränkungen rechnen.
Die ÖBB haben einen Schienenersatzverkehr eingerichtet, um Reisende trotz der unterbrochenen Verbindungen an ihr Ziel zu bringen. Doch dabei tauchen weitere Probleme auf.
"Österreichische Bundesbahnen (ÖBB) – ist das euer Ernst, diesen Bus als Schienenersatz zu führen?! Nach über einer Stunde Wartezeit ohne jegliche Info?", ärgert sich der ehemalige steirische Landtagsabgeordnete Alexander Pinter (Grüne) auf Facebook. Auf seinem Foto ist ein Postbus mit massiv beschädigter Frontscheibe zu sehen.
Besonders angespannt ist die Situation am Bahnhof Mürzzuschlag in der Steiermark. Dort schilderte ein "Heute"-Leser am Montagvormittag chaotische Zustände. Seit 7.40 Uhr warte er auf eine Weiterfahrt, während immer neue Züge eintreffen und sich die Reisenden am Bahnhof sammeln. "Es herrscht absolutes Chaos", berichtet der Fahrgast.
Etwa alle 30 Minuten würden weitere voll besetzte Railjets eintreffen. Zwar seien bereits acht bis neun Ersatzbusse von Regionallinien und zusätzliche Fahrzeuge privater Unternehmen abgefahren, doch deren Kapazitäten würden bei Weitem nicht ausreichen.
Auch die Bäckerei am Bahnhof sei zwischenzeitlich leer gekauft gewesen.
Nach Einschätzung des Betroffenen warteten Hunderte Menschen auf eine Möglichkeit, ihre Reise fortzusetzen. Auch eine 15-jähriger Schülerin war dort auf ihrem Weg nach Wieselburg (NÖ) gestrandet – weil sie zwar ein Topticket, aber keine Sitzplatzreservierung hat, wurde sie von den Ersatzbussen einfach stehen gelassen.
Die ÖBB versuchen, die Auswirkungen der Entgleisung durch zusätzliche Busverbindungen abzufedern. Im Fernverkehr wurde ein Schienenersatzverkehr zwischen Wiener Neustadt Hauptbahnhof und Mürzzuschlag eingerichtet.
Im Nahverkehr kommen Busse unter anderem zwischen Wiener Neustadt und Neunkirchen beziehungsweise Lanzenkirchen zum Einsatz. Die Organisation ist angesichts der zahlreichen betroffenen Reisenden eine Herausforderung. Neben den benötigten Fahrzeugen müssen auch genügend Lenker verfügbar sein.
Zusätzlich sind die gesetzlich vorgeschriebenen Ruhezeiten der Fahrer einzuhalten. Diese führten laut dem betroffenen Fahrgast in Mürzzuschlag zu weiteren Wartezeiten.
Ausgelöst wurde das Verkehrschaos durch einen Zwischenfall in der Nacht auf Montag. Gegen 1 Uhr gerieten beim Ausfahrtsbahnhof Wiener Neustadt zwei Güterwagen ins Rollen und entgleisten. Dabei wurde die Oberleitung erheblich beschädigt. Verletzt wurde bei dem Vorfall niemand. Die genaue Ursache der Entgleisung war zunächst unklar.
Die Auswirkungen reichen über den Bahnhof Wiener Neustadt hinaus. Neben der Südstrecke sind auch die Aspangbahn sowie die Puchberger- und Gutensteiner-Strecke betroffen. Besonders im Fernverkehr zwischen Wien Hauptbahnhof und Mürzzuschlag müssen Reisende mit Zugausfällen und erheblichen Verzögerungen rechnen.
Die ÖBB arbeiten nach eigenen Angaben mit Hochdruck an der Behebung der Schäden. Auf der Nordseite des Bahnhofs Wiener Neustadt sind Zugfahrten von der Südstrecke und der Pottendorfer Linie aus möglich. In südlicher Richtung nach Neunkirchen und Lanzenkirchen war der reguläre Bahnverkehr hingegen zunächst nicht möglich.
Fahrgäste werden deshalb aufgefordert, sich vor Reiseantritt über ihre Verbindung zu informieren. Nach dem zuletzt veröffentlichten Stand sollen die Einschränkungen voraussichtlich bis Montag um 23.59 Uhr andauern. Ob sich die Situation bereits früher entspannt und in welchem Umfang die beschädigten Ersatzbusse eingesetzt werden können, bleibt vorerst offen. Für die zahlreichen gestrandeten Reisenden ist jedenfalls weiterhin Geduld gefragt.