Interpol hat bei einer großangelegten Aktion gegen illegale Arzneimittel weltweit 6,42 Millionen Dosen nicht zugelassener und gefälschter Medikamente beschlagnahmt. Der Wert der sichergestellten Ware liegt bei 15,5 Millionen US-Dollar, umgerechnet 13,2 Millionen Euro. An der Operation "Pangea XVIII" waren 90 Länder und Gebiete beteiligt, darunter auch Österreich. Die Aktion lief von 10. bis 23. März 2026.
Laut internationaler Polizeibehörde gab es 269 Festnahmen, 66 kriminelle Gruppen wurden zerschlagen. Ermittler starteten 392 Untersuchungen und führten 158 Hausdurchsuchungen durch. Zusätzlich wurden rund 5.700 Webseiten, Social-Media-Seiten, Kanäle und automatisierte Bots gestoppt, über die illegale Medikamente angeboten wurden.
Besonders häufig stellten die Behörden Potenzmittel, Beruhigungs- und Schlafmittel, Schmerzmittel, Antibiotika und Anti-Rauch-Produkte sicher. In der Top-10-Liste der beschlagnahmten Mittel liegen Potenzmittel mit 682.317 Dosen an der Spitze, gefolgt von Schlaf- und Beruhigungsmitteln mit 620.949 Dosen sowie Schmerzmitteln mit 502.611 Dosen.
Interpol warnt eindringlich: Gefälschte Medikamente seien nicht nur Betrug, sondern könnten Menschenleben gefährden. Kriminelle würden Online-Marktplätze und informelle Lieferketten nutzen, um Menschen auszunutzen, die rasche oder billige Behandlungen suchen. Die Folgen könnten schwerwiegend, im schlimmsten Fall sogar tödlich sein.
Ein Schwerpunkt der Aktion lag auf Präparaten, die im Netz als angebliche Wundermittel beworben werden. Interpol berichtet von einem starken Anstieg bei Antiparasitika – also Mitteln gegen Parasiten. Besonders häufig tauchten Ivermectin und Fenbendazol auf. Fenbendazol ist eigentlich nur für Tiere zugelassen.
Im Internet werden solche Stoffe dennoch als angebliche alternative Krebsbehandlung beworben. Gesundheitsbehörden warnen laut Interpol seit Längerem davor, dass solche Behauptungen wissenschaftlich nicht belegt sind.
Die Ermittler fanden solche Produkte oft falsch gekennzeichnet als Nahrungsergänzungsmittel. Teilweise wurden sie als "Krebs-Behandlungssets" verkauft. Auffällige Sicherstellungen meldeten unter anderem Australien, Neuseeland, Singapur, die USA und Großbritannien.
Auch der Fitness- und Lifestyle-Bereich bleibt ein riesiger Markt für illegale Arznei. Anabole Steroide waren erneut eine der wichtigsten Kategorien. Laut Interpol wird die Nachfrage vorwiegend von der Bodybuilding- und Fitness-Szene angeheizt. Produktionsstätten wurden unter anderem in Teilen Ost- und Südosteuropas festgestellt, dazu kommen etablierte Herstellungszentren in Indien, Großbritannien und den USA.
In Bulgarien hoben die Behörden eine geheime Produktionsstätte für anabole Steroide aus. Dabei wurden Millionen falsch gekennzeichneter Pillen, Ampullen und Injektionsmittel beschlagnahmt. Auch Peptide spielen eine immer größere Rolle. Sie werden im Netz als Mittel für Muskelaufbau, Fettabbau oder schnellere Regeneration beworben, oft getarnt als "Forschungschemikalien" oder "kosmetische Peptide".
Nicht minder brisant ist der Boom rund um Abnehmspritzen und ähnliche Präparate. GLP-1-Medikamente wurden ursprünglich zur Behandlung von Diabetes entwickelt, werden aber inzwischen stark mit Gewichtsverlust verbunden.
Diese massiv gestiegene Nachfrage nutzen kriminelle Netzwerke aus. Laut Interpol werden illegale Versionen oft in Asien hergestellt und online teils bereits um 10 US-Dollar verkauft. In manchen Fällen enthielten sie Sibutramin, einen Stoff, der in vielen Ländern wegen Risiken für Herzinfarkte und Schlaganfälle verboten ist.
In Thailand fanden Ermittler bei einer Razzia in einer Schönheitsklinik mehr als 300 Fläschchen Semaglutid und Tirzepatid. Die Produkte waren demnach für Kunden bestimmt, die über Online-Plattformen bestellt hatten. Auch in Malaysia kontrollierten die Behörden Flughäfen, Postzentren, Shops und Privatwohnungen.
In Afrika zeigte die Aktion ein anderes Bild. Dort wurden vor allem lebenswichtige Medikamente beschlagnahmt, darunter Schmerzmittel, Antibiotika und Malaria-Medikamente. Laut Interpol nutzen kriminelle Gruppen dort gezielt Menschen aus, die keinen oder kaum Zugang zu leistbare Gesundheitsversorgung haben. Viele Produkte waren minderwertig, gefälscht, abgelaufen, falsch gelagert oder ohne wichtige Sicherheitsinformationen.
Die größten Mengen wurden laut Interpol in Großbritannien sichergestellt: 2,12 Millionen Dosen. Dahinter folgen Kolumbien mit 1,47 Millionen Dosen, Australien mit 752.617 Dosen, Burkina Faso mit 430.360 Dosen und die Türkei mit 344.874 Dosen. Auch die USA, Kanada, Irland, Malaysia und Frankreich stehen in der Top-10-Liste.