Wer in Österreich einen Spritzer bestellt, soll künftig ausschließlich heimischen Wein ins Glas bekommen. Führende Vertreter der Weinwirtschaft wollen das im neuen Weingesetz verankern und bereiten bereits rechtliche Schritte vor.
Der Spritzer gehört für viele Österreicher zum Alltag. Laut Schätzungen der heimischen Weinwirtschaft werden hierzulande jährlich rund 500 Millionen davon getrunken. Doch nicht in jedem Glas steckt auch österreichischer Wein. Teilweise wird das beliebte Mischgetränk mit importiertem Wein zubereitet.
Genau das wollen führende Vertreter der Branche künftig ändern. Rechtzeitig vor dem Nationalfeiertag am 26. Oktober fordern sie eine gesetzliche Regelung: Ein Getränk soll nur dann als "Spritzer" bezeichnet werden dürfen, wenn dafür Wein aus Österreich verwendet wird, berichtet die "Krone"
Hinter dem Vorstoß stehen Johannes Schmuckenschlager, Weinbaupräsident Österreichs und Europas, sowie Herbert Oschep, Chef von Wein Burgenland. Sie wollen ihre Forderung bei den Verhandlungen über das neue Weingesetz einbringen.
"Wenn man in einem Weinland wie Österreich einen Spritzer bestellt, erwartet man sich selbstverständlich Wein aus Österreich. Dieser Erwartung müssen wir nachkommen", sagt Schmuckenschlager.
Oschep unterstützt den Vorstoß ausdrücklich: "Wir sind patriotische Weintrinker und stehen zu 100 Prozent hinter der Forderung, dass der Spritzer immer mit österreichischem Wein gemacht wird. EU und Brüssel hin oder her. Das sind wir unseren Winzern schuldig, dafür gebe ich mein komplettes Herzblut. Das muss im neuen Weingesetz verankert werden."
Ob sich eine solche Herkunftsvorschrift rechtlich umsetzen lässt, wird derzeit geprüft. Schmuckenschlager und Oschep haben dafür den Anwalt Johannes Zink mit einem Gutachten beauftragt.
Dieser zeigt sich gegenüber der "Krone" zuversichtlich: "Das wird möglich sein. Wir werden alle rechtlichen Mittel ausschöpfen, um dieses Stück österreichisches Kulturgut abzusichern".
Gespräche mit der Bundesregierung sollen zeitnah aufgenommen werden. Beschlossen ist die neue Regelung bislang nicht. Aperol-Spritzer und vergleichbare Mischgetränke sollen von der geplanten Änderung vorerst ausgenommen bleiben.
Der Vorstoß kommt zu einer Zeit, in der Weinproduzenten weltweit mit schwierigen Bedingungen kämpfen. Höhere Kosten, wirtschaftliche Unsicherheit und ein rückläufiger Weinkonsum belasten die Betriebe. Auch Österreich bleibt davon nicht verschont.
Dabei hat die heimische Weinwirtschaft erhebliche wirtschaftliche Bedeutung: Rund 1,2 Milliarden Euro an Steuern und Abgaben fließen jährlich aus der Branche in öffentliche Kassen. Etwa drei Viertel davon kommen dem Bund und den Sozialversicherungen zugute, weitere 20 Prozent Ländern und Gemeinden.
Wein steht außerdem für 7,5 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Produktion Österreichs. Zwischen 20 und 25 Prozent der heimischen Weinproduktion werden exportiert. Mit der geforderten Spritzer-Regelung wollen die Branchenvertreter nun auch beim beliebten Mischgetränk die Verwendung österreichischen Weins absichern.