Die Konkurrenz ist heuer wirklich nicht ohne, aber trotzdem dürften die Chancen eher gering sein. Emma Stone zeigt im Film "Bugonia" wieder einmal eine starke Leistung als Geschäftsfrau, die von Verschwörungstheoretikern gefangen genommen wird. Auch die Norwegerin Renate Reinsve überzeugt in "Sentimental Value" als Schauspielerin, die mit ihrer Familiengeschichte kämpft.
In Jahren mit weniger starker Konkurrenz hätten sich wohl auch Rose Byrne ("If I Had Legs I'd Kick You") und Kate Hudson ("Song Sung Blue") berechtigte Hoffnungen auf einen Oscar machen dürfen.
Lange Zeit galt Timothée Chalamet als großer Favorit in der Kategorie "Bester Hauptdarsteller". Doch zuletzt ist seine Erfolgsserie ein wenig ins Stocken geraten. Im Film "Marty Supreme" von Josh Safdie spielt er einen ehrgeizigen Tischtennisspieler, der davon überzeugt ist, der Beste der Welt zu sein. Auf seinem Weg dorthin zerbricht er so einiges – Beziehungen und auch die Hoffnungen anderer. Für diese Rolle hat der 30-Jährige schon einen Golden Globe und einen Critics Choice Award bekommen. Auf einen Oscar wartet er trotz drei Nominierungen aber immer noch. Sollte er diesmal gewinnen, wäre er der zweitjüngste Hauptdarsteller, der je einen Oscar bekommen hat. Den Rekord hält weiterhin Adrien Brody ("The Pianist").
Vielleicht muss sich Chalamet aber noch etwas länger gedulden. Viele Beobachter sind sich zwar einig, dass er Leonardo DiCaprio, der im satirischen Politthriller "One Battle After Another" einen linksradikalen, chaotischen Vater spielt, wohl hinter sich lassen wird.
Die härteste Konkurrenz kommt aber von Michael B. Jordan. Der 39-Jährige hat für seine Leistung im 16-fach nominierten Film "Blood & Sinners" erst kürzlich den "Screen Actors Guild Award" gewonnen. Auch "Variety" rechnet mittlerweile mit einem Oscar für ihn. Im musikalischen Vampir-Horrorfilm spielt Jordan gleich zwei Rollen: die Zwillinge Smoke und Stack, die in Mississippi ein Juke Joint eröffnen und es bald mit Vampiren und dem Ku-Klux-Klan zu tun bekommen.
Die weiteren Nominierungen gehen an Ethan Hawke für "Blue Moon" und Wagner Moura für "The Secret Agent". Obwohl Hawke (55) schon öfter für einen Oscar nominiert war gilt er als Außenseiter. "Variety" hatte ihn sogar zeitweise als Favoriten gehandelt, bevor das Branchenportal dann doch auf Jordan umschwenkte. Moura aus Brasilien wurde bereits mit einem Golden Globe als bester Hauptdarsteller in einem Drama und als bester Darsteller in Cannes ausgezeichnet.
In den Nebendarsteller-Kategorien steht noch alles in den Sternen . Bei den Männern wurden die Preise in der bisherigen Saison ziemlich breit verteilt. Stellan Skarsgård ist zum ersten Mal für einen Oscar nominiert. In "Sentimental Value" spielt er einen Regisseur, der mit seiner Tochter arbeiten will, aber eine schwierige Beziehung zu ihr hat. Bei den Golden Globes hat er schon gewonnen und steht auch bei den Prognosen von "The Hollywood Reporter" und "IndieWire" ganz oben. Sean Penn, der in "One Battle After Another" einen rassistischen Polizisten gibt, ist aber ein starker Gegner. Penn hat sich schon die Preise bei den BAFTAs und den Screen Actors Guild Awards geholt.
Benicio del Toro ("One Battle After Another") und Jacob Elordi werden heuer wohl leer ausgehen, auch wenn Elordi für seine Rolle als Frankensteins Monster in "Frankenstein" bei den Critics Choice Awards ausgezeichnet wurde. Die beiden Österreicher Christoph Waltz und Felix Kammerer waren im selben Film von Guillermo del Toro zu sehen, haben aber keine Oscar-Nominierung bekommen. Delory Lindo ist ebenfalls nominiert, für seinen Auftritt als alter Blues-Musiker in "Blood & Sinners". "Variety" glaubt an den Hype rund um den Film und setzt in den Prognosen auf Lindo.
Auch bei den Nebendarstellerinnen ist es spannend. Vor allem Amy Madigan für ihre Rolle als böse Hexe mit oranger Perücke im Horrorfilm "Weapons" und Teyana Taylor als entschlossenes Mitglied einer linksextremen Terrorgruppe in "One Battle After Another" dürfen sich Hoffnungen machen. Wunmi Mosaku ("Blood & Sinners") wurde heuer auch schon ausgezeichnet. Außenseiterchancen haben Elle Fanning und Inga Ibsdotter Lilleaas, beide in "Sentimental Value" zu sehen.
Damit ist klar: Das norwegische Drama hat mit vier Schauspielern und Schauspielerinnen zumindest zahlenmäßig die Nase vorn bei den Oscar-Nominierungen. Warum "Sentimental Value" aber bei der erstmals vergebenen Auszeichnung für das beste Casting leer ausgegangen ist, bleibt ein Rätsel. In dieser Kategorie sind fast nur Frauen nominiert: Francine Maisler ("Blood & Sinners"), Cassandra Kulukundis ("One Battle After Another"), Jennifer Venditti ("Marty Supreme") und Nina Gold ("Hamnet"). Einzige Ausnahme ist Gabriel Domingues ("The Secret Agent").
Das Academy-Voting läuft noch bis Donnerstag, 5. März. Wer am Ende wirklich einen Oscar in Händen halten darf, wird bei uns in den frühen Morgenstunden des 16. März verraten. Der ORF überträgt die Preisverleihung wie gewohnt. Am Sonntag, 15. März, geht es um 22.55 Uhr auf ORF 1 und ORF ON los. Zuerst werden die Favoriten vorgestellt, ab 23.30 Uhr gibt es die ersten Interviews vom Roten Teppich. Um 0 Uhr startet dann die eigentliche Show.