Geheime Strategie

Priester und Kampf-Camps: Putins Moldau-Plan enthüllt

Russland soll versucht haben, Moldaus Regierung zu schwächen. Eine Recherche berichtet von Trainingslagern, Stimmenkauf und bezahlten Priestern.
Lara Heisinger
14.08.2026, 21:49
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Bezahlte Priester, mutmaßlicher Stimmenkauf und Trainingslager für mögliche Unruhen: Russland soll enorme Mittel eingesetzt haben, um die prowestliche Regierung in Moldau zu schwächen. Eine Recherche der "New York Times" zeichnet das Bild einer breit angelegten Einflusskampagne, die nach Einschätzung westlicher Geheimdienstvertreter weit über klassische Desinformation hinausgeht.

Moldau hat nur rund drei Millionen Einwohner, besitzt für den Kreml aber große strategische Bedeutung. Das Land liegt zwischen der Ukraine und Rumänien und strebt unter Präsidentin Maia Sandu einen Beitritt zur Europäischen Union an.

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Trainingslager mit Sturmgewehren

Ein Teil der mutmaßlichen russischen Aktivitäten führte nach Serbien. In einem abgelegenen Ferienkomplex wurde im Sommer 2025 ein Trainingslager eingerichtet.

Teilnehmer trainierten dem Bericht zufolge unter anderem das Durchbrechen von Polizeiketten und das Anzünden von Gebäuden. Videos, die laut moldauischen Behörden von Mobiltelefonen der Teilnehmer stammen, sollen zudem Männer in Tarnkleidung und Schutzwesten beim Training mit Sturmgewehren zeigen.

Nach Angaben von Geheimdienstmitarbeitern aus drei Ländern sollen die Ausbilder Verbindungen zum russischen Militärgeheimdienst GRU gehabt haben. Ziel sei es gewesen, Gruppen auszubilden, die zur Beeinflussung von Wahlen eingesetzt werden könnten.

Die überwiegend aus Moldau stammenden Teilnehmer erhielten laut dem moldauischen Staatsanwalt Sergiu Zama 400 US-Dollar für einen drei- bis viertägigen Kurs.

Weitere Camps in Russland und Bosnien

Serbien soll nicht der einzige Ausbildungsort gewesen sein. Weitere Programme gab es dem Bericht zufolge in Bosnien und außerhalb Moskaus.

In Russland sollen mehr als 100 junge Moldauer unter anderem den "Herstellung und Einsatz von Brandvorrichtungen und selbstgebauten Sprengstoffen" sowie den Umgang mit Drohnen "mit speziellen Aufsätzen für Sprengstoff oder Brandstiftung" geübt haben. Zwei westliche Geheimdienstvertreter erklärten, die Ausbildung sei vom GRU überwacht worden.

Im Oktober 2024 wurden drei Teilnehmer bei ihrer Rückkehr nach Moldau festgenommen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hatten sie Drohnenteile bei sich, darunter Vorrichtungen zum Abwurf von Granaten. Außerdem sei ein Handbuch mit dem Titel "Russische Küche: Das ABC des hausgemachten Terrorismus" gefunden worden.

Millionen für Einfluss auf Wähler

Neben solchen Trainingsprogrammen soll ein weitreichendes Netzwerk zur politischen Einflussnahme aufgebaut worden sein. Eine zentrale Rolle spielt laut der Recherche der in Russland lebende israelisch-moldauische Oligarch Ilan Shor.

Dokumente aus dessen Umfeld sollen zeigen, dass mehr als 150.000 Moldauer für das Netzwerk angeworben wurden. Rekruten seien über soziale Medien dazu gebracht worden, politische Inhalte zu verbreiten und an organisierten Kundgebungen gegen Sandu, ihre Partei PAS und den EU-Kurs teilzunehmen.

Weitere durchgesickerte Unterlagen sollen für einen Zeitraum von vier Monaten vor dem EU-Referendum 2024 Zahlungen von insgesamt fast 20 Millionen Dollar an 38.000 Aktivisten dokumentieren. Shor reagierte laut Bericht nicht auf Anfragen nach einer Stellungnahme.

240 Chatbots zur Organisation

Zur Rekrutierung und Koordination sollen 240 verschiedene Telegram-Chatbots eingesetzt worden sein. Das System war dem Bericht zufolge hierarchisch aufgebaut.

Neue Mitglieder galten als "Sympathisanten", darüber standen rund 35.000 "Aktivisten" und schließlich etwa 1.200 lokale Manager. Fast 99.000 Menschen sollen von Personen angeworben worden sein, die bereits Teil des Netzwerks waren.

Über soziale Netzwerke wurden anschließend Tausende Botschaften gegen Sandu und Moldaus Annäherung an die EU verbreitet.

Orthodoxe Priester Teil der Kampagne

Die Einflusskampagne soll auch Teile der orthodoxen Kirche erreicht haben. Ab Sommer 2024 reisten Hunderte moldauische Priester nach Russland.

Vor ihrer Rückkehr sollen sie Verträge für Debitkarten einer russischen Bank abgeschlossen haben. Im Gegenzug für rund 1.000 Dollar sollten sie laut dem Bericht ihre Anhänger dazu bewegen, gegen Moldaus EU-Beitritt und prowestliche Politik aufzutreten. Moldauische Beamte erklärten, Hunderte hätten das Geld angenommen.

Der Erzpriester von Orhei, Iulian Rața, erklärte dagegen, weder er noch ihm unterstellte Geistliche hätten "einen direkten Wahlkampf geführt oder jemanden bei Wahlen unterstützt".

Putin-Ziel: Zusammenbruch der NATO und der EU

Die Recherche stellt die Vorgänge in einen größeren geopolitischen Zusammenhang. Laut Beamten aus zwei Ländern soll Putin bei einem nicht öffentlichen Treffen als Ziel für 2026 "der Zusammenbruch der NATO und der EU von innen heraus" genannt haben.

Westliche Geheimdienstmitarbeiter sehen Moldau dabei als besonders wichtig an. Auf der Prioritätenliste des Kremls stehe zunächst die Ukraine, anschließend die Kontrolle über Moldau.

Moldaus Sicherheitsberater Stanislav Secrieru wirft Russland vor, das Land "als Sprungbrett für feindselige Aktivitäten gegen die Ukraine sowie gegen ihren wichtigsten Verteidigungs- und Finanzpartner, die EU, nutzen" zu wollen.

"Aus diesen Gründen", sagte er, "hat Russland in den letzten Jahren beispiellose Ressourcen bereitgestellt."

Kreml weist Vorwürfe zurück

Russland bestreitet eine Einmischung in Moldau. Kremlsprecher Dmitri Peskow erklärte auf die Vorwürfe angesprochen: "Das sind alles unwahre Behauptungen, die jeglicher Grundlage entbehren."

{title && {title} } LH, {title && {title} } 14.08.2026, 21:49