Das Nordufer vom Ossiacher See in Kärnten gilt als eine der gefährlichsten Stellen für Radarkästen in ganz Österreich. In den letzten Jahren sind dort immer wieder Radargeräte zerstört worden – einmal mit Pyrotechnik in die Luft gesprengt, dann mit einer Pistole beschossen und zuletzt sogar umgefahren. Besonders im Sommer, wenn viele Einheimische und Urlauber am Weg zum See die Straße queren, fehlt das Gerät schmerzlich.
Wie die "Kleine Zeitung" berichtet, fordern viele jetzt dringend einen Ersatz. Der erste Angriff auf einen Radarkasten passierte 2021 in Annenheim, Gemeinde Treffen. Damals sprengten Unbekannte das Gerät an der Ossiacher Straße (B 94) mit Pyrotechnik. Nur ein Jahr später wurde beim Radarkasten im Bereich Sattendorf-Stöcklweingarten festgestellt, dass er mit einer Pistole beschossen worden war.
Offenbar sind die Radargeräte für manche ein echter Dorn im Auge. Während der Kasten in Annenheim ersetzt wurde, blieb das Gerät in Sattendorf trotz der Schüsse fast unbeschädigt und beide waren weiter im Einsatz. Heuer war dann aber Schluss: Am 10. Juli um 10.50 Uhr krachte ein Autofahrer – laut Landespolizeidirektion Kärnten blieb er dabei unverletzt – mit voller Wucht in den ohnehin schon "leidgeprüften" Radarkasten von Sattendorf. Seither steht dort nur mehr der Sockel.
Vor allem für Anrainer und Urlauber ist das ein großes Problem, weil viele am Weg zum See die vielbefahrene Straße überqueren müssen. "Seit dort der Radarkasten nicht mehr steht, rasen manche Autofahrer extrem schnell vorbei. Ich habe einmal ein Ehepaar beobachtet, das ewig warten musste und sich fast nicht traute, die Straße dort zu überqueren", erzählt Walter Papst. Er selbst muss die Straße dort zwar selten queren, setzt sich aber seit Jahren gemeinsam mit anderen Anrainern für mehr Verkehrssicherheit am Ossiacher See ein.
"Wir fordern schon lange, dass dort endlich eine 50er-Beschränkung statt der erlaubten 80 kommt. Dann könnte man auch einen Zebrastreifen machen", sagt Papst. Doch die Behörde habe das bisher abgelehnt, weil es kein Ortsgebiet und keinen besonderen Unfallschwerpunkt gebe. Dazu kommt, dass viele gegen eine Temporeduktion sind: Papst bekam in den letzten Jahren viele kritische bis bösartige Nachrichten und sogar anonyme Drohungen wegen seinem Einsatz, so die "Kleine Zeitung". "Aber es ist dort wirklich gefährlich, über die Straße zu gehen."
Und nur zwei Kilometer weiter, in St. Urban bei Bodensdorf, habe man es geschafft, auf derselben Straße außerhalb vom Ort eine 50er-Beschränkung einzuführen. Für die bisherigen Maßnahmen – wie Verkehrsinseln, Flüsterasphalt und den Radarkasten – zeigt sich Papst dankbar. Aber mit einer 50er-Beschränkung könnte man die Sicherheit im Tourismusgebiet noch weiter erhöhen und auch den Lärm senken, ist er überzeugt. Die Landesverkehrsabteilung der Polizei ist für das Radargerät zuständig, erklärt Polizeisprecher Matthias Kogelnig: "Der Radarkasten wird repariert. Allerdings handelt es sich um einen Versicherungsfall."