Für René Benko (49) geht es am Mittwoch erneut um seine Zukunft. Der gefallene Signa-Gründer, der seit Mitte Oktober mit einer Fußfessel im Hausarrest lebt, muss sich wieder vor Gericht verantworten. Im Mittelpunkt stehen diesmal eine Millionengarantie für die Stiftung seines früheren Geschäftspartners Hans Peter Haselsteiner (82) und ein besonders wertvolles Jagdgewehr.
Der Prozess beginnt am Mittwoch um 8.45 Uhr am Landesgericht Innsbruck. Zwei Verhandlungstage sind vorgesehen. Die Vorwürfe wiegen schwer: Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) wirft Benko schweren Betrug und betrügerische Krida vor. Im Fall einer Verurteilung drohen ihm bis zu zehn Jahre Gefängnis.
Im Zentrum der Betrugsvorwürfe steht ein Geschäft aus dem Jahr 2022. Damals erwarb die Haselsteiner Familien-Privatstiftung Aktien der Signa Development um fünf Millionen Euro. Ursprünglich war geplant, den Kaufpreis mit Dividendenansprüchen der Stiftung gegenzurechnen.
Doch laut Anklage kam es anders. Benko soll seinen langjährigen Weggefährten Haselsteiner gebeten haben, das Geld doch bereitzustellen. Im Gegenzug habe der Signa-Gründer persönlich zugesichert, für die Rückzahlung einzustehen, sollten die Dividenden nicht ausreichen.
Haselsteiner und Benko verband damals weit mehr als eine geschäftliche Beziehung. Der frühere Strabag-Chef und der Immobilienunternehmer galten auch als enge Freunde.
Bei seiner späteren Einvernahme erklärte Haselsteiner, man habe sich "auf Benko verlassen". Auch dem "Gesamtkunstwerk Benko" habe man vertraut.
Auf Grundlage der persönlichen Zusicherung soll die Stiftung schließlich 3,3 Millionen Euro an Signa überwiesen haben. Gleichzeitig verzichtete sie laut Anklage darauf, weitere 1,7 Millionen Euro zurückzufordern.
Die WKStA beziffert den dadurch entstandenen Schaden auf insgesamt fünf Millionen Euro. Aus Sicht der Ankläger war Benkos persönliche Garantie "wahrheitswidrig".
Die Ermittler gehen davon aus, dass der Unternehmer zum Zeitpunkt seiner Zusicherung bereits seit mehreren Monaten zahlungsunfähig gewesen sein soll.
Spätestens am 30. Juni 2024 hätte die Stiftung laut Anklage ihr Geld zurückerhalten sollen. Tatsächlich kam es nicht dazu. Bereits Ende November 2023 musste die Signa Holding Insolvenz anmelden.
Benko bestreitet, einen Betrug begangen zu haben. Seine Verteidiger argumentieren, dass der Haselsteiner-Stiftung gar kein Schaden entstanden sei. Schließlich habe diese lediglich eine bereits fällige Zahlungsverpflichtung erfüllt.
Besonders brisant: Haselsteiner soll am Mittwoch selbst im Zeugenstand Platz nehmen. Für den 82-Jährigen ist es die erste Aussage als Zeuge in einem Strafverfahren rund um die Signa-Pleite. Neben ihm sind zwölf weitere Zeugen geladen.
Doch vor Gericht geht es nicht nur um Millionen. Ein weiterer Anklagepunkt betrifft eine kostbare Jagdwaffe mit aufwendigen Goldverzierungen.
Das Gewehr soll einen Wert von rund 80.000 Euro haben. Laut Staatsanwaltschaft habe Benko die Waffe vor dem Insolvenzverwalter und seinen Gläubigern verborgen, um zu verhindern, dass sie zur Begleichung seiner Schulden verkauft wird.
Darin sieht die WKStA den Verdacht der betrügerischen Krida. Auch diese Anschuldigung weist der 49-Jährige zurück.
Für Benko steht damit bei seinem nächsten Gerichtstermin viel auf dem Spiel. Ob sich die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft bestätigen, muss nun das Gericht klären. Bei einer Verurteilung sieht der Strafrahmen bis zu zehn Jahre Haft vor.