Psychiaterin packt aus

"Unglaublich feig" – Expertin erklärt Nagel-Süßigkeiten

Nägel in Halloween-Süßigkeiten schockieren Eltern. Gerichtspsychiaterin Adelheid Kastner analysiert, was in den Tätern wirklich vorgeht.
04.11.2026, 06:01
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Nägel in Süßigkeiten, manipulierte Lebensmittel und gefährliche Fallen: Die Vorfälle rund um Halloween sorgen für Entsetzen. Die Linzer Gerichtspsychiaterin Adelheid Kastner vermutet gegenüber dem ORF hinter den Taten gekränkte Menschen, die anonym Rache nehmen wollen. Auch eine gemeinsame Strategie über soziale Medien hält sie für möglich.

Die Halloween-Vorfälle mit Nägeln in Süßigkeiten haben in Österreich und Deutschland für Aufregung gesorgt. Für die Gerichtspsychiaterin und Buchautorin Adelheid Kastner steckt dahinter möglicherweise mehr als die Tat einzelner Menschen. Sie kann sich vorstellen, dass sich mehrere Täter über soziale Medien zusammengeschlossen haben, um gemeinsam gegen Dinge vorzugehen, über die sie sich schon länger ärgern, berichtet der ORF.

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Üblicherweise handle es sich bei solchen Menschen um Personen, die sich in ihren Rechten verletzt oder gekränkt fühlten. Sie hätten möglicherweise bereits erfolglos versucht, ihren Unmut auszudrücken, und würden irgendwann beschließen, sich auf eigene Weise zu rächen. Dass die Vorfälle geografisch so weit verstreut aufgetreten seien, findet Kastner allerdings bemerkenswert.

Sie geht nicht davon aus, dass überall dieselbe Person Nägel oder andere Metallgegenstände in Süßigkeiten gesteckt hat. Stattdessen könnte es mehrere Beteiligte geben, die sich gegenseitig bestärken. In einer solchen Gruppe könnten sich die Täter Anerkennung verschaffen und ihre Handlungen gegenseitig bestätigen. Gerade weil sie anonym bleiben, sei öffentliche Aufmerksamkeit für sie vermutlich weniger wichtig als die Anerkennung innerhalb ihres Netzwerks.

Kastner sieht Feigheit und Egozentrik

Besonders erschreckend sei, dass die Täter möglicherweise gar nicht darüber nachdenken, welche Folgen ihre Aktionen haben können. Es könne ihnen schlicht egal sein, was sie damit auslösen. Kastner bezeichnet das Vorgehen als "unglaublich feig". Wer sich über etwas ärgere, könne denjenigen direkt damit konfrontieren, den er für den Auslöser hält. Dann müsse man allerdings auch damit rechnen, eine unangenehme Reaktion zu bekommen. Stattdessen würden die Täter anonym handeln und damit auch mögliche Konsequenzen vermeiden.

Gerade bei Süßigkeiten für Kinder zeige sich laut Kastner eine große Egozentrik. Nägel oder andere gefährliche Gegenstände in Lebensmittel zu stecken, bedeute, das eigene Anliegen über die Sicherheit anderer zu stellen. Es fehle an Mitgefühl und an Rücksicht auf mögliche Folgen. Auch frühere Vorfälle in Österreich lassen den Eindruck entstehen, dass manipulierte Lebensmittel und gefährliche Fallen häufiger werden. Im Frühjahr sorgten manipulierte Hipp-Gläser für Aufsehen. In Traun wurde zudem gespannte Zahnseide zum Problem. Die aktuellen Fälle rund um Halloween seien allerdings ein neues Phänomen, sagt Kastner.

Kein Grund für übertriebene Angst

Die Vorfälle dürften nicht automatisch miteinander gleichgesetzt werden. Hinter den manipulierten Hipp-Gläsern habe ihres Wissens nach eine einzelne Person mit einem konkreten Motiv gestanden. Gespannte Gegenstände auf Wegen habe es hingegen schon öfter gegeben. Dass nun Süßigkeiten für Kinder manipuliert würden, sei eine andere Entwicklung. Trotz der beunruhigenden Nachrichten warnt Kastner davor, einzelne Ereignisse zu verallgemeinern.

Auch wenn gefährliche Gegenstände auf Radstrecken immer wieder vorkämen, seien solche Fälle kein häufiges Ereignis. Fahrradwege müsse man deshalb nicht vorsorglich abgehen. Bei Halloween-Süßigkeiten empfiehlt die Psychiaterin allerdings, im kommenden Jahr genauer hinzusehen. Eltern sollten kontrollieren, was ihre Kinder nach dem Sammeln mit nach Hause bringen. Eine übertriebene Sorge hält Kastner dennoch nicht für angebracht.

red, 04.11.2026, 06:01
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