Aufregung nach Interview

"Russische Agentin" – NATO-Länder attackieren Merkel

Angela Merkel gibt Polen und dem Baltikum indirekt Mitschuld am Ukraine-Krieg. Dort reagiert man empört und attackiert die Ex-Kanzlerin scharf.
Nicolas Kubrak
07.10.2025, 22:50
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben

Aufregung um Angela Merkel. In einem jüngsten Interview mit dem ungarischen Medium "Partizan" sorgte sie mit Aussagen zum Ukraine-Krieg für Aufsehen. So sieht sie das Coronavirus als "Hauptgrund", warum sich Wladimir Putin derart radikalisiert und letztlich die Ukraine angegriffen habe – "Heute" berichtete.

Kritik an Polen und Baltikum

Aus Sicht der Ex-Kanzler würden auch Polen und die baltischen Staaten Mitschuld an der russischen Invasion tragen. Merkels Argumentation: Als sie im Sommer 2021 gemerkt habe, dass Putin das 2015 unterzeichnete Minsker Abkommen "nicht mehr ernst" nehmen würde, habe sie ein neues EU-Russland-Format ausverhandeln wollen. Das sei "von einigen nicht unterstützt" worden, beklagt sie und benennt eben die "baltischen Staaten" sowie Polen.

Diese vier Länder hätten laut Merkel "Angst" gehabt, "dass wir keine gemeinsame Politik gegenüber Russland haben". Die Sorge vor Putin war aber nicht unberechtigt: Noch 2021 legte Russland zwei Vertragsentwürfe vor, in denen man forderte, dass sich die NATO auf die Grenzen von 1997 zurückziehen solle – also alle Staaten, die nach 1997 beigetreten sind (darunter Polen und eben die baltischen Staaten) sollten keine NATO-Infrastruktur mehr beherbergen.

"Dumme und schädliche Äußerung"

Die Äußerungen Merkels stießen in Polen und im Baltikum auf scharfe Reaktionen. "Die Gründerin des Putin-Regimes beschuldigt Polen, sich am Angriff Russlands auf die Ukraine mitschuldig gemacht zu haben. Angela Merkel hat noch nie eine so unüberlegte, dumme und schädliche Äußerung gemacht", so Polens Ex-Verteidigungsminister Mariusz Błaszczak..

Auch der ehemalige Ministerpräsident Mateusz Morawiecki äußerte sich und erklärte, dass "Angela Merkels unüberlegtes Interview bewiesen hat, dass sie eine der für Europa schädlichsten deutschen Politikerinnen des letzten Jahrhunderts ist".

"Wie eine russische Propaganda-Agentin"

Estlands Außenminister Margus Tsahkna sieht nur einen einzigen Schuldigen: Wladimir Putin. Der Westen habe leider viel zu lange die Warnungen aus dem Baltikum ignoriert. Merkel habe sich bei der wirtschaftlichen Kooperation mit Putin verkalkuliert, so der Minister.

Für den ehemaligen lettischen Außen- und Verteidigungsminister Artis Pabriks klang die deutsche Politikerin, die von Medien während ihrer Amtszeit mehrmals zur mächtigsten Frau der Welt gekürt worden war, "wie eine russische Propaganda-Agentin".

Sprecherin: "Aussagen sind nicht neu"

Eine Sprecherin Merkels teilte am Montag auf Anfrage mit, die Aussagen der früheren Kanzlerin seien "nicht neu". Bei einer Veranstaltung im Juni 2022 habe sie sich bereits entsprechend zur Lage im Juni 2021 geäußert. Die Haltung der baltischen Staaten und Polen zu einem Dialog mit Putin erwähnte sie damals aber nicht.

{title && {title} } nico, {title && {title} } 07.10.2025, 22:50
Jetzt E-Paper lesen