Am 3. Mai 2007 verschwand die damals dreijährige Madeleine „Maddie“ McCann aus einer Ferienwohnung im portugiesischen Praia da Luz. Das britische Mädchen war mit ihrer Familie auf Urlaub. Bis heute ist das Schicksal von Maddie ungeklärt.
Scotland Yard arbeitet nun intensiv daran, den deutschen Verdächtigen Christian B. vor Gericht in London zu bringen. Ermittler planen, ihn wegen Entführung und Mordes anzuklagen, und streben an, das Verfahren noch vor dem 20. Jahrestag des Verschwindens im nächsten Jahr zu starten. Parallel wird eine umfangreiche Beweisakte für die Staatsanwaltschaft aufgebaut.
Wie "l'essentiel" unter Berufung auf den "Telegraph" berichtet, stellt das deutsche Grundgesetz jedoch ein Hindernis dar: Es verbietet die Auslieferung eigener Staatsbürger in Länder außerhalb der EU.
Sollte Deutschland eine Auslieferung ablehnen, könnte es zu politischen und juristischen Konflikten kommen. Die britischen Ermittler prüfen daher auch eine Anklage in Deutschland oder Portugal.
Die Polizei zeigt sich überzeugt, genügend Beweise sammeln zu können, um eine Anklage zu ermöglichen. Gleichzeitig bereitet sich die Behörde darauf vor, dass Berlin eine Übergabe verweigern könnte.
Ein Polizeivertreter betonte: „Nächstes Jahr jährt sich das Verschwinden von Madeleine McCann zum 20. Mal. Wenn die Beweise stark genug sind, um den Hauptverdächtigen ausliefern zu lassen und hier vor Gericht zu stellen, dann werden wir genau das anstreben.“
Brückner lebte 2007 nahe Praia da Luz. Später verbüßte er in Hannover eine Haftstrafe wegen Vergewaltigung. Während seiner Haft wurde er als Hauptverdächtiger im Fall Maddie genannt, eine Anklage blieb aber bislang aus.
Die Beweise bestehen vor allem aus Indizien: Mobilfunkdaten zeigen, dass sich Brückners Handy kurz vor Maddies Verschwinden in der Nähe befand. Zeugen berichten von Teilgeständnissen, und bei Durchsuchungen wurden kinderpornografisches Material sowie Notizen zu Entführungsfantasien gefunden. Brückner selbst bestreitet jede Beteiligung.
Die Eltern von Madeleine erinnerten am Wochenende an den 19. Jahrestag des Verschwindens ihrer Tochter. In einer Stellungnahme hieß es: „19 Jahre. Die Suche geht weiter, um unsere Madeleine zu finden, um etwas Gerechtigkeit zu erreichen und die Welt ein kleines Stück sicherer zu machen.“
Die Ermittlungen im Fall McCann zählen zu den aufwendigsten in der britischen Polizeigeschichte. Die Operation Grange läuft seit 2011 und wurde zwei Jahre später ausgeweitet. Die Kosten summieren sich mittlerweile auf über 13 Millionen Pfund.