"Sie werden ausgehungert"

"Sind in der Hölle" – Geisel-Papa mit dringendem Appell

Seit über zwei Jahren wird der Sohn von Ilan Gilboa-Dalal von der Hamas als Geisel gehalten. Die Hoffnung auf eine baldige Freilassung lebt.
Michael Rauhofer-Redl
08.10.2025, 09:35
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Ilan Gilboa-Dalal durchleidet seit zwei Jahren unfassbare Qualen. Sein Sohn Guy wurde an jenem schicksalhaften 7. Oktober 2023 von Terroristen der Hamas gefangen genommen und befindet sich seither als Geisel in den Fängen der islamistischen Miliz. Am Dienstagabend wurde ein Interview zwischen ihm und ORF-Journalist Martin Thür in der "ZIB2" ausgestrahlt.

Weil sein Sohn noch nicht frei ist, handle es sich bei Gedanken an den 7. Oktober um "keine Erinnerung". Guy leide unheimliche Qualen und jeder Tag sei für die Familie "unglaublich schwierig". Den 7. Oktober schildert Gilboa-Dalal so: Man habe überall Sirenen gehört, ein Zeichen für Raketenangriffe aus dem Gazastreifen. Später habe er durch soziale Netzwerke von einem "Massaker im Süden" erfahren.

Guy Gilboa-Dalal (24), Geisel fleht vor der Kamera.
zVg

Bei Festival verschleppt

Guy, sein Sohn, habe damals zusammen mit Freundinnen und Freunden ein Musikfestival besucht. Er habe "keinerlei Kontakt" zu ihm gehabt. Gegen 11.30 Uhr habe die Hamas ein Video veröffentlicht, in dem man Guy und andere als Geiseln gesehen habe. Darauf sei er in einem dunklen Raum mit Handschellen gefesselt auf dem Boden liegend zu sehen gewesen, so der ZIB-Gast.

Thür spricht auch eine Szene an, in der die Hamas offen Propaganda mit der Geisel gemacht habe. Dalal war von den Terroristen vorgeführt worden, in dem er einer Geiselübergabe beiwohnen musste, ehe wieder zurück in die berüchtigten Tunnel verschleppt wurde. Wie erging es dem Vater, als er diese Bilder sehen musste? "Das ist sehr schwer", so Gilboa-Dalal, der "unglaubliche Angst vor psychischen Schäden" bei seinem Sohn hat.

Angesprochen auf die aktuell laufenden Verhandlungen zwischen Israel und der Hamas, sagt der Vater, dass er "große Hoffnungen" in einen Erfolg setze. Es sei anders als bei früheren Verhandlungen, denn dieses Mal habe US-Präsident Donald Trump einen Plan vorgelegt, der bereits von vielen Staaten – auch Israel – akzeptiert worden sei. Der wichtigste Schritt sei die Freilassung der Geiseln. Ohne diesen könne es keine weiteren Schritte geben.

2 Dinge sind notwendig

Große Hoffnungen setzt er dabei auf Washington. "Jeder muss dazu beitragen – die Palästinenser und die Israelis. Wir wollen diesen Krieg beenden, wir wollen die Geiseln wieder nach Israel bringen. Wir bauchen eine neue Zukunft in der Region. Wir brauchen und wir wollen Frieden", so sein Appell.

Dazu brauche es zwei Dinge. Neben der Freilassung der Geisel müsse gewährleistet sein, dass die Hamas die palästinensische Bevölkerung nicht weiter kontrollieren könne. Es handelt sich um eine Terror-Organisation. Sie terrorisiere nicht nur Israel sondern auch die eigene Bevölkerung. Es brauche eine Führung, die mit Israel koexistieren möchte. Denn die Hamas habe bis heute das Existenzrecht Israels nicht anerkannt. So gebe es keinen dauerhaften Frieden, so die Erkenntnis Gilboa-Dalals.

Das wichtigste sei aber freilich die Freilassung der Geiseln. Diese befänden sich "in der Hölle". "Sie werden ausgehungert, geschlagen missbraucht. Ich weiß nicht, wie lange sie das noch aushalten", so der besorgte Familienvater.

"...und alles ist gut"

Mit "seinem" Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu geht der Israeli nicht allzu hart ins Gericht. Auch wenn er manchmal nicht mit dessen Politik übereinstimme, betont er, dass die israelische Staatsführung die Sache in einem größeren Kontext betrachte. Es gehe um die Sicherheit um Süden Israels, wo sich die Bevölkerung nicht sicher fühle. "Man muss also viele Dinge berücksichtigen". Es gehe eben nicht nur um die Freilassung der Geiseln sondern auch um die Sicherheit Israels.

Zum Abschluss des Interviews wollte Thür wissen, was Gilboa-Dalal als erstes machen würde, wenn er seinen freigelassenen Sohn wieder sehen würde. Das sei etwas wovon er oft träume und diese Frage habe er sich auch schon oft gestellt. Er werde seinen Sohn in die Arme schließen und ihm sagen, dass dieser Albtraum vorbei ist. Von diesem Tag an werde er sich wieder um seinen Sohn kümmern "und alles ist gut".

{title && {title} } mrr, {title && {title} } Akt. 08.10.2025, 10:35, 08.10.2025, 09:35
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