Kampf gegen Geburtenkrise

Singapur startet "Staats-Tinder" für mehr Babies

In Singapur soll ein Nobelpreis-Algorithmus Singles verkuppeln. Die Regierung will damit gegen die sinkende Geburtenrate vorgehen.
13.10.2026, 06:00
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Liebe auf Knopfdruck! Singapur greift im Kampf gegen die Geburtenkrise zu ungewöhnlichen Mitteln. Der südostasiatische Stadtstaat setzt jetzt auf eine staatliche Partnervermittlung. Ein Algorithmus, dessen Mitentwickler mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde, soll Singles zusammenbringen und langfristig für mehr Nachwuchs sorgen.

Der Hintergrund ist ernst: 2025 sank die Geburtenrate in Singapur auf einen historischen Tiefstand von nur 0,87 Kindern pro Frau. Um die Bevölkerungszahl langfristig ohne Zuwanderung stabil zu halten, wären rund 2,1 Kinder notwendig. Die Regierung des rund sechs Millionen Einwohner zählenden Stadtstaats will deshalb neue Wege gehen.

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Staat sucht jetzt den perfekten Partner

Das neue Dating-Angebot heißt "FirstDate" und befindet sich zunächst in einer Testphase. Teilnehmen dürfen vorerst ausschließlich unverheiratete Staatsbedienstete zwischen 21 und 35 Jahren.

Wer mitmachen will, muss einen ausführlichen Fragebogen ausfüllen. Dabei geht es unter anderem um persönliche Interessen, Hobbys und Wertvorstellungen. Anschließend übernimmt ein Algorithmus die Partnersuche.

Anders als bei herkömmlichen Dating-Apps gibt es kein endloses Durchklicken möglicher Partner. Stattdessen schlägt das System genau eine Person vor. Innerhalb von 72 Stunden müssen die Teilnehmer entscheiden, ob sie Kontakt aufnehmen möchten.

Nur wenn beide zustimmen, werden die Kontaktdaten ausgetauscht. Wer mit dem Vorschlag nicht zufrieden ist, muss mehrere Wochen auf die nächste Vermittlungsrunde warten.

Nobelpreis-Algorithmus soll Liebe bringen

Hinter dem ungewöhnlichen Konzept steckt der sogenannte Gale-Shapley-Algorithmus. Entwickelt wurde das mathematische Verfahren bereits 1962 von den US-Wissenschaftlern David Gale und Lloyd Shapley.

Das Verfahren soll anhand bestimmter Präferenzen möglichst stabile Zuordnungen zwischen zwei Gruppen finden. Lloyd Shapley erhielt 2012 gemeinsam mit Alvin Roth den Wirtschaftsnobelpreis für seine Arbeiten zu stabilen Zuordnungen und Marktdesign. Ob sich damit allerdings auch die große Liebe finden lässt, ist eine andere Frage.

Altersgrenze sorgt für Kritik

Das staatliche Verkupplungsprogramm kommt nicht bei allen gut an. Kritiker halten die Idee für befremdlich und fordern stattdessen mehr echte Begegnungsmöglichkeiten für Singles.

Besonders die Altersgrenze von 35 Jahren sorgt für Diskussionen. Der Regierung wird vorgeworfen, vor allem die Geburtenrate im Blick zu haben. Ältere Singles bleiben bei dem Projekt vorerst außen vor.

Familien sollen fast 49.000 Euro bekommen

"FirstDate" ist nur ein Teil der Maßnahmen, mit denen Singapur den Geburtenrückgang bekämpfen will. Premierminister Lawrence Wong kündigte im August weitere finanzielle Unterstützungen für Familien an.

Demnach sollen Eltern pro Kind bis zu dessen 17. Geburtstag Leistungen im Gesamtwert von knapp 70.000 Singapur-Dollar erhalten können. Das entspricht umgerechnet rund 49.000 Euro.

Mit einer staatlichen Dating-App steht Singapur übrigens nicht allein da. Auch die japanische Hauptstadt Tokio startete bereits 2024 eine KI-gestützte Partnersuche für unverheiratete Einwohner. Nach Angaben der Stadtregierung führte das Angebot bisher zu 265 Eheschließungen.

Ob Singapurs staatliche Partnersuche ebenfalls zu Hochzeiten und mehr Nachwuchs führt, muss sich erst zeigen. Denn selbst ein Nobelpreis-Algorithmus kann keine Schmetterlinge im Bauch garantieren.

NW, 13.10.2026, 06:00
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