Die Diskussion um die Öffnungszeiten im Einzelhandel ist wieder entflammt. Doch wie zufrieden sind die Österreicher mit den bestehenden Öffnungszeiten? Und was halten sie davon, wenn Geschäfte auch am Sonntag aufsperren? Das Institut für Handel, Absatz und Marketing (IHaM) an der JKU Linz hat dazu zwei bisher unveröffentlichte Umfragen aus November 2024 und Oktober 2026 ausgewertet.
Von Montag bis Freitag sind die meisten Österreicher mit den Öffnungszeiten zufrieden. Lediglich 17 Prozent der 16- bis 74-Jährigen wünschten sich laut der IHaM-Befragung vom November 2024 längere Öffnungszeiten im Lebensmittelhandel. 4 Prozent würden gerne früher einkaufen gehen, 13 Prozent noch länger am Abend.
Ähnlich sieht es im übrigen Einzelhandel aus, etwa bei Bekleidung, Elektronik oder Möbeln. Hier sprachen sich 16 Prozent für längere Öffnungszeiten aus. 5 Prozent wünschen sich ein früheres Aufsperren, 11 Prozent längere Öffnungszeiten am Abend.
Auch an Samstagen sehen Konsumenten laut der Umfrage nur teilweise Anpassungsbedarf. 19 Prozent würden im Food-Handel längere Öffnungszeiten wünschen – 5 Prozent am Morgen, 14 Prozent am Nachmittag bzw. Abend.
Im übrigen Einzelhandel sprachen sich 21 Prozent für längere Samstagsöffnungszeiten aus. 6 Prozent würden gerne früher einkaufen gehen, 15 Prozent länger am Nachmittag oder Abend.
Auch bei der Sonntagsöffnung hat sich die Meinung der Österreicher in den vergangenen zwei Jahren kaum verändert. Im November 2024 waren 64 Prozent gegen eine weitere Lockerung der bestehenden Ausnahmeregeln. Aktuell sind es 62 Prozent.
Dabei nimmt das Interesse am Einkaufen am Sonntag mit steigendem Alter deutlich ab. Wenn der Wunsch nach einer Sonntagsöffnung besteht, dann vor allem im Lebensmittelhandel.
In Wien fällt das Ergebnis allerdings anders aus. Während es in anderen Bundesländern beispielsweise Tourismuszonen mit besonderen Öffnungszeiten gibt, fehlen solche Zonen in der Bundeshauptstadt. Ausnahmen bestehen etwa an Bahnhöfen.
Anders als im übrigen Österreich befürwortet in Wien jedoch die Mehrheit der Befragten eine weitere Sonntagsöffnung im Einzelhandel. Im November 2024 waren es noch 50 Prozent, in der aktuellen Umfrage vom Oktober 2026 sind es bereits 55 Prozent.
Die meisten Befürworter wünschen sich eine vollständige Freigabe auf freiwilliger Basis. Nur wenige sprechen sich für eine zeitlich begrenzte Öffnung, etwa an vier bis acht Sonntagen im Jahr, oder für eine räumliche Beschränkung auf bestimmte Gebiete wie Tourismuszonen aus.
Auch wenn 62 Prozent der Österreicher gegen eine weitere Sonntagsöffnung sind, werden die bestehenden Einkaufsmöglichkeiten durchaus genutzt. Dazu zählen etwa Geschäfte in Tourismuszonen, an Bahnhöfen oder Tankstellen.
13 Prozent der Befragten kaufen zumindest einmal im Monat am Sonntag ein. Weitere 38 Prozent tun das gelegentlich, etwa ein- bis zweimal im Jahr.
Interessant: Von diesen insgesamt 51 Prozent, die zumindest gelegentlich sonntags einkaufen, lehnt wiederum etwa die Hälfte eine weitere Ausweitung der Öffnungszeiten ab.
Eine weitere Lockerung der Sonntagsöffnung könnte laut den Handelsforschern nicht nur die Einkaufswoche verlängern, sondern auch den Wettbewerb zwischen verschiedenen Einkaufsstandorten verändern.
Große, attraktive Einkaufsstandorte mit guter Verkehrsanbindung könnten stärker profitieren. Damit könnte sich etwa der Wettbewerb zwischen einzelnen Städten auf der Achse Linz–Wien oder Klagenfurt–Graz verschärfen. Auch zwischen Innenstädten, Einkaufsstraßen und Einkaufszentren könnte sich der Wettbewerb verändern, je nachdem, welche Geschäfte nach einer etwaigen Liberalisierung am Sonntag tatsächlich aufsperren.
Die Einkaufsströme könnten sich dadurch nicht nur auf andere Wochentage, sondern auch auf andere Standorte verlagern. Kleinere Einkaufsstandorte könnten dabei das Nachsehen haben.
Diese möglichen Auswirkungen ergeben sich aus Überlegungen der Handelsforschung. Sie wurden in den beiden Umfragen nicht direkt untersucht.
Gegen die Konkurrenz aus dem Internet ist eine Sonntagsöffnung hingegen kein automatisches Erfolgsrezept. Denn beim Online-Einkauf zählen vor allem Bequemlichkeit, große Auswahl und oft auch günstige Preise. Diese Vorteile kann der stationäre Handel nicht immer bieten.
Allerdings fließen laut IHaM nur rund 11 Prozent der gesamten Einzelhandelsausgaben in den Online-Handel. Geschäfte können dafür mit Einkaufserlebnissen, persönlicher Beratung, sofort verfügbarer Ware und der Aufenthaltsqualität punkten.
Online-Pakete werden in Ballungsräumen mittlerweile auch am Sonntag zugestellt. Diese Möglichkeit nutzen allerdings nur 8 Prozent der Online-Kunden zwischen 16 und 74 Jahren.
"Auch eine weitere Sonntagsöffnung findet österreichweit keine Mehrheit, wobei Wien eine bemerkenswerte Ausnahme bildet", fasst IHaM-Handelsforscher Ernst Gittenberger die Ergebnisse zusammen.
Institutsvorstand Christoph Teller warnt zugleich vor möglichen Veränderungen im Handel: "Mehr Öffnungszeiten bedeuten nicht automatisch mehr Konsum." Stattdessen könnten sich die Umsätze vor allem zeitlich und räumlich zugunsten besonders attraktiver Handelsstandorte verlagern.
Für die Analyse wurden im November 2024 insgesamt 1.005 und im Oktober 2026 weitere 1.072 Personen zwischen 16 und 74 Jahren online befragt. Beide Befragungen sind laut IHaM repräsentativ für die österreichische Bevölkerung dieser Altersgruppe.