Für Eltern ist die Wahl des richtigen Kindersitzes Vertrauenssache. Umso alarmierender fällt ein Teil des aktuellen ÖAMTC-Tests aus.
Zwei der insgesamt 15 untersuchten Modelle wurden mit "nicht genügend" bewertet. Beim Frontalaufprall zeigten sie schwere Sicherheitsmängel.
Getestet wurden Sitze verschiedener Größenklassen. Neben der Sicherheit flossen Bedienung, Ergonomie sowie Schad- und Umweltschadstoffe in die Bewertung ein.
Sieben Modelle erhielten ein "gut", vier ein "befriedigend". Zwei weitere kamen nicht über ein "genügend" hinaus.
"Immerhin sieben Modelle erreichten die Bewertung 'gut', vier weitere wurden mit 'befriedigend' beurteilt. Zwei Sitze erhielten lediglich ein 'genügend', zwei weitere fielen mit 'nicht genügend' durch", fasst ÖAMTC-Techniker Steffan Kerbl das Ergebnis zusammen.
Durchgefallen sind die Babyschale Britax Römer Baby-Safe Pro in Verbindung mit der Vario Base 5Z sowie der Kleinkindersitz Axkid Minikid Core. Beide Modelle versagten bei einem Frontalcrash mit 50 km/h.
Beim Britax-Römer-Modell öffnete sich das Gurtschloss des Hosenträgergurtes. Der Baby-Dummy wurde dadurch aus der Babyschale geschleudert. Beim Axkid-Sitz entriegelte sich der Stützfuß und fuhr ein.
Zusätzlich brach das Gurtschloss aus der Sitzschale, wodurch das Becken des Dummys nach oben geschleudert wurde.
"Beide Modelle zeigten erhebliche Schwächen beim Frontalaufprall, der sich hinsichtlich der Unfallschwere an aktuellen Euro NCAP-Crashtests orientieren. Das von diesen Modellen ausgehende Sicherheitsrisiko ist erheblich", warnt Kerbl.
Die Prüfungen des Mobilitätsclubs sind strenger als jene Tests, die für eine gesetzliche Zulassung notwendig sind. Viele andere Sitze halten diesen höheren Belastungen dennoch stand.
Axkid hat den Verkauf des Minikid Core inzwischen eingestellt. Betroffene Kunden können den Sitz gegen einen Minikid 4 Pro austauschen lassen.
Britax Römer hat eine Rückrufaktion gestartet. Betroffen sind Babyschalen, die zwischen dem 26. Dezember 2025 und dem 30. September 2026 hergestellt wurden. Besitzer sollten deshalb das Produktionsdatum ihres Sitzes kontrollieren und sich an den Hersteller oder Händler wenden.
Der Avionaut Aerofix Smart mit IQ Orbit und der Joie i-Provo erhielten jeweils nur ein "genügend". Beim Avionaut-Sitz wurden Umweltschadstoffe im Bezug festgestellt. Der Joie-Sitz zeigte Schwächen beim Seitenaufprall.
Zusätzlich untersuchte der ÖAMTC drei Kindersitze, die über Handelsplattformen mit Sitz außerhalb Europas gekauft wurden. Keines dieser Modelle erfüllte die Anforderungen des Verbraucherschutztests. Bei allen drei Crashversuchen bestand laut ÖAMTC ein hohes Verletzungsrisiko.
Zwei Produkte verfügten zudem über keine Zulassung nach UN-Regelung 129. Sie dürfen in Europa daher grundsätzlich nicht zur Sicherung von Kindern im Auto verwendet werden.
Eltern sollten beim Kauf nicht nur auf Preis oder Aussehen achten. Wichtig sind unabhängige Testergebnisse und die vorgeschriebene Zulassung. Der ÖAMTC rät außerdem, das eigene Auto und möglichst auch das Kind zum Fachhändler mitzunehmen. Nur so lässt sich prüfen, ob der Sitz zum Fahrzeug passt und sich korrekt einbauen lässt.
"Nach dem Kauf sollten unbedingt auch die Betriebsanleitungen von Kindersitz und Fahrzeug beachtet werden, da der korrekte Einbau entscheidend für die Schutzwirkung ist", betont Kerbl.