Ausgabenfalle

"Ich gebe 70 Euro" – Expertin warnt bei Taschengeld

50 Euro oder doch 70? Beim Taschengeld gehen die Meinungen auseinander. Eine neue Studie zeigt, was Österreichs Kinder wirklich bekommen.
20.10.2026, 15:30
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Wie viel Taschengeld brauchen Kinder wirklich? 30, 50 oder sogar 70 Euro im Monat? Bei einem ORF-Lokalaugenschein gehen die Meinungen der Eltern deutlich auseinander. Während manche einen Betrag von 50 Euro für ausreichend halten, greifen andere tiefer in die Tasche. Eine neue österreichweite Studie zeigt nun, wie viel Geld Kinder tatsächlich bekommen – und warum Experten beim Bezahlen mit Karte zur Vorsicht raten.

"Die brauchen mindestens 60 Euro"

"Ich finde, bis zu 50 Euro ist es okay. Wichtig ist, dass die Kinder einen Umgang mit dem Geld lernen", erklärt eine befragte Person beim ORF-Lokalaugenschein. Eine andere sieht das völlig anders: "Viel zu wenig, die brauchen mindestens 60 Euro. Ich gebe 70."

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Die Aussagen zeigen, wie unterschiedlich Eltern das Thema Taschengeld handhaben. Was angemessen ist, hängt allerdings auch vom Alter der Kinder und davon ab, welche Ausgaben sie selbst übernehmen müssen.

So viel Taschengeld bekommen Kinder wirklich

Eine aktuelle Taschengeldstudie des Vergleichsportals durchblicker liefert konkrete Zahlen.

Demnach erhalten Kinder und Jugendliche in Österreich durchschnittlich 46 Euro Taschengeld pro Monat. Das sind rund fünf Euro beziehungsweise zwölf Prozent mehr als noch vor drei Jahren.

Allerdings gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Altersgruppen:

  • Bis neun Jahre: durchschnittlich 27 Euro monatlich
  • 10 bis 13 Jahre: durchschnittlich 38 Euro monatlich
  • Ab 14 Jahren: durchschnittlich 75 Euro monatlich

Die beim ORF genannten 70 Euro liegen damit deutlich über dem Gesamtdurchschnitt, aber etwas unter dem Durchschnitt für Jugendliche ab 14 Jahren. Für die Erhebung wurden zwischen 24. August und 4. September insgesamt 1.322 Eltern mit Kindern unter 18 Jahren in Österreich befragt. Insgesamt bekommen knapp sechs von zehn Kindern Taschengeld. Bei den mindestens Zehnjährigen sind es bereits 84 Prozent.

Expertin warnt vor digitalem Taschengeld

Doch nicht nur die Höhe des Taschengeldes beschäftigt Eltern, sondern auch die Frage, wie es ausgezahlt werden sollte. Immer häufiger landet das Geld direkt auf dem Konto. Laut Studie bekommt inzwischen fast jedes zweite Kind zumindest einen Teil des Taschengeldes überwiesen. Vor drei Jahren war es erst etwas mehr als jedes dritte Kind.

Bettina Fuhrmann, Professorin für Wirtschaftspädagogik an der Wirtschaftsuniversität Wien, sieht diese Entwicklung differenziert. Gegenüber Ö1 erklärt sie, dass Bargeld beim Erlernen des Umgangs mit Geld Vorteile haben könne. "Die Forschung hat eindeutig gezeigt, dass das Zahlen mit Bargeld weh tut und das im wahrsten Sinne des Wortes."

Bei bargeldlosen Zahlungsmitteln falle diese unmittelbare Wahrnehmung laut der Expertin hingegen schwächer aus. Für Kinder und Jugendliche sei es deshalb sinnvoll, zumindest einen Teil ihrer Ausgaben weiterhin mit Bargeld zu bezahlen. So könnten sie besser einschätzen lernen, wie viel Geld sie tatsächlich ausgeben.

Schon Kinder zahlen immer öfter mit Karte

Der Trend zum digitalen Bezahlen ist bei Österreichs Nachwuchs längst angekommen. Laut Studie verwenden bereits mehr als 60 Prozent der Kinder ab zehn Jahren aktiv eine Bankomat- oder Debitkarte. Bei Jugendlichen ab 14 Jahren gehören Kartenzahlungen sogar für rund drei Viertel zum Alltag.

Jeder fünfte Jugendliche dieser Altersgruppe nutzt bereits Handy oder Smartwatch zum Bezahlen. Bei jüngeren Kindern sieht die Situation noch anders aus. Drei Viertel der unter Zehnjährigen, die Taschengeld erhalten, bekommen es weiterhin in bar.

Sparen fällt Familien immer schwerer

Beim ORF-Lokalaugenschein ging es auch um die Frage, ob Kinder einen Teil ihres Taschengeldes für später zurücklegen sollten. Ein Elternteil hält es für wichtig, den Nachwuchs aktiv beim Sparen zu unterstützen: "Man muss sich widmen und das beibringen. Aber der Spargedanke ist sehr schwer vermittelbar, weil die Spanne, die die Leute wegsparen können, immer geringer wird. Aber probieren kann man es."

Tatsächlich spielt das Sparen laut der durchblicker-Erhebung weiterhin eine wichtige Rolle. 82 Prozent der befragten Eltern geben an, dass ihre Kinder einen Teil des Taschengeldes sparen. Besonders beliebt ist dabei das klassische Sparschwein, das von 61 Prozent genutzt wird. Dahinter folgen das Sparbuch mit 40 Prozent und Taschengeld- beziehungsweise Jugendkonten mit 34 Prozent.

Für 37 Prozent gibt es Geld nur unter Bedingungen

Ein weiterer Punkt, bei dem Familien unterschiedliche Vorstellungen haben, ist die Frage nach Gegenleistungen. Laut Studie knüpfen 37 Prozent der Eltern die Auszahlung des Taschengelds an bestimmte Bedingungen. Dazu zählen beispielsweise Mithilfe im Haushalt, ein aufgeräumtes Zimmer, gute Schulnoten oder das Einhalten vereinbarter Regeln.

Ausgegeben wird das Geld vor allem für Spiele und Bücher, Verpflegung in der Schule sowie Freizeitaktivitäten. Die Zahlen und die Aussagen der Eltern zeigen: Eine einheitliche Antwort auf die Frage nach dem richtigen Taschengeld gibt es nicht.

Entscheidend ist aus Sicht von Wirtschaftspädagogin Fuhrmann jedenfalls, dass Kinder den Umgang mit Geld lernen – und ein Gefühl dafür entwickeln, was sie sich leisten können.

red, 20.10.2026, 15:30
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