Wer an Spitzenverdiener denkt, hat meist bestimmte Berufe im Kopf: Ärzte mit eigener Praxis, IT-Spezialisten, Unternehmensberater oder Manager in großen Konzernen. Doch ein Reddit-Nutzer wollte wissen, ob es auch abseits dieser bekannten Branchen Menschen gibt, die außergewöhnlich viel verdienen oder ein beachtliches Vermögen aufgebaut haben, wenn möglich auch ganz ohne Studium. Die Antworten zeigen eine erstaunliche Bandbreite – von einem Gärtner über einen Handyreparateur bis hin zu einem Verkäufer von Toilettensystemen für Flugzeuge. Besonders auffällig ist, dass einige der erfolgreichsten Geschichten nicht mit einem Studium oder einem klassischen Karriereplan begonnen haben.
Ein Nutzer berichtet etwa, dass er nach dem Abitur eine Ausbildung machte und anschließend in einem mittelständischen Unternehmen blieb. Dort arbeitete er sich vom Junior Consultant bis zum Geschäftsführer hoch. Die Unternehmensgruppe sei in dieser Zeit von rund 300 auf mehr als 1.600 Beschäftigte gewachsen. Er selbst beschreibt seinen Weg als den eines Migranten aus dem Ruhrgebiet, ohne finanzielle Starthilfe und ohne Aussicht auf ein Erbe. Ein akademischer Abschluss war dafür nicht notwendig.
Auch im Handwerk kann offenbar sehr viel Geld stecken. Ein selbstständiger Gärtner und Hausmeister erzählt, dass er mit Daueraufträgen seine laufenden Kosten deckt und mit zusätzlichen Arbeiten hohe Margen erzielt. Für einen Tag Außenpflege und das Fällen einer Thuja rechnet er beispielhaft vor: Rund 1.200 Euro stellt er in Rechnung, seine geschätzten Kosten liegen bei etwa 200 Euro. Was vor Steuern übrig bleibt, beziffert er mit rund 1.000 Euro. Gleichzeitig verschweigt er die Schattenseiten nicht: Als Chef arbeite er viele Stunden und kenne auch schlaflose Nächte. Trotzdem mache ihm die Arbeit meistens Spaß.
Ein anderer Nutzer startete 2014 mit einem Handyreparaturgeschäft. Im Laufe der Jahre kaufte er nach eigenen Angaben sieben Konkurrenten auf und schloss deren Geschäfte. Heute beschäftigt er elf hochqualifizierte Mitarbeiter. Entscheidend sei gewesen, das Angebot über die klassische Reparatur hinaus zu erweitern: Datenforensik, Fahrzeugsteuergeräte, Computer und Spezialausrüstung gehören mittlerweile ebenfalls zum Geschäft. Sein persönliches Bruttoeinkommen als Einzelunternehmer beziffert er auf rund 600.000 Euro im Jahr.
Auch ein eher unscheinbarer Markt kann sich offenbar lohnen. Ein Nutzer berichtet von einem Bekannten, der einen kleinen Laden für Bio-Hundesnacks von seiner Großmutter übernommen hat. Er baute das Geschäft über Instagram und einen Online-Shop aus, suchte weitere Lieferanten unter Biobauern in Deutschland und ließ die Produkte ansprechend verpacken. Mit dem Wachstum stieg zunächst auch der Aufwand. Später verlagerte er das Verpacken ins EU-Ausland und reduzierte dadurch die eigene Belegschaft auf drei Verwaltungsmitarbeiter. Heute soll der Unternehmer mit 15 bis 20 Wochenstunden auf einen jährlichen Nettogewinn zwischen 700.000 und einer Million Euro kommen.
Andere verdienen in Branchen, die selten mit Spitzengehältern in Verbindung gebracht werden. Ein Vertriebsleiter verkauft beispielsweise Toilettensysteme für Flugzeuge. Sein Fixgehalt liege bei 150.000 Euro, dazu komme ein Bonus ohne festgelegte Obergrenze. Im Schnitt komme er auf rund 230.000 Euro jährlich. Seine Erklärung für den Erfolg fällt trocken aus: Die Luftfahrt boome und Menschen müssten schließlich immer auf die Toilette.
Besonders viel Aufmerksamkeit bekommt der Bericht eines Nutzers über seine Schwester. Sie sei Influencerin und habe mit rund 60.000 Followern jährlich zwischen 150.000 und 210.000 Euro verdient. Das Beispiel zeigt, dass nicht zwingend Millionenpublikum nötig ist, um in sozialen Netzwerken hohe Einnahmen zu erzielen. Entscheidend können auch die Zielgruppe, die Vermarktung und die Zusammenarbeit mit Unternehmen sein. Wie sich die Einnahmen zusammensetzen, führt der Nutzer allerdings nicht näher aus. Ein anderer berichtet von seiner Freundin, die rund 850.000 Abonnenten habe. Schon bei etwa 130.000 Abonnenten habe sie monatlich 10.000 bis 12.000 Euro verdient.
Noch ungewöhnlicher ist die Geschichte eines Nutzers, der selbst Amateur-Pornos produziert und über verschiedene Plattformen sowie den direkten Verkauf vermarktet. Er gibt an, damit monatlich angeblich rund 125.000 Euro einzunehmen. Nach Abzug der Kosten blieben etwa 100.000 Euro übrig. Einen Großteil davon investiere er nach eigenen Angaben in Aktien und Bitcoin.
Mehrere Geschichten zeigen, wie aus handwerklichen Berufen große Unternehmen entstehen können. Ein Nutzer erzählt von einem Freund, der mit 16 Jahren als Maurer begann, später seinen Meister machte und ein eigenes Unternehmen gründete. Ab 2006 baute dieser Häuser. Während der Niedrigzinsphase konzentrierte er sich zunehmend auf Mehrfamilienhäuser für das eigene Portfolio. Dieses soll inzwischen knapp 50 Millionen Euro wert sein.
Ein anderer berichtet von einem Maurer, der über die Ausbildung zum Gesellen und Meister schließlich Geschäftsführer eines größeren mittelständischen Bauunternehmens wurde. Er sei heute angestellt und verdiene nach eigenen Angaben 280.000 Euro brutto zuzüglich Bonus. Auch in diesem Fall sei kein Hochschulstudium der Weg nach oben gewesen. Der Nutzer betont allerdings selbst, dass es sich um einen Ausnahmefall handle und auch Glück eine Rolle gespielt habe.
Nicht immer führt der Weg über die Selbstständigkeit. Ein Nutzer mit naturwissenschaftlichem Studium im Bereich Life Sciences wollte nach dem Master nicht im Labor arbeiten und wechselte in den Vertrieb von Medizintechnik und Labordiagnostik. Über verschiedene Vertriebspositionen und einen Abstecher ins Marketing kam er schließlich in eine Führungsposition. Als Sales Manager für den deutschsprachigen Raum nennt er ein mögliches Jahresgehalt von 200.000 Euro inklusive variabler Bestandteile. Er ist nach eigenen Angaben 34 Jahre alt.
Auch internationale Organisationen tauchen im Thread mehrfach auf. Ein Nutzer berichtet von einer Tätigkeit bei einer zwischenstaatlichen Organisation. Er verdiene 150.000 Euro fix, arbeite regulär acht Stunden am Tag und profitiere von einer eigenen Krankenversicherung für die ganze Familie sowie einer zusätzlichen Pension. Den Gesamtwert seines Pakets schätzt er auf rund 170.000 Euro. Ein anderer nennt eine Tätigkeit bei den Vereinten Nationen und gibt ein Einkommen von rund 140.000 Euro an, das nach seiner Darstellung steuerfrei sei. Ein weiterer Nutzer beziffert sein Einkommen bei der EU-Kommission mit 120.000 Euro netto.
Auch ein Hafenarbeiter nennt ein Jahresgehalt von 150.000 Euro. Ein anderer verdient sein Geld mit dem Vertrieb von Telefonbüchern und Online-Marketing. In den vergangenen zehn Jahren habe er zwischen 120.000 und 180.000 Euro jährlich verdient, im letzten Jahr seien es inklusive Firmenwagen 170.000 Euro gewesen.
Nicht jede Erfolgsgeschichte ist eine klassische Karriere. Ein Nutzer arbeitete zunächst als Lagerist, machte später den Lagermeister und wechselte in die Beratung. Nach einer Kündigung und einer Abfindung reiste er ursprünglich nach Thailand. Dort baute er nebenbei ein Airbnb-Geschäft auf. Mittlerweile besitze er nach eigenen Angaben mehrere Immobilien im zweistelligen Bereich. Die Verwaltung sei weitgehend automatisiert, sein täglicher Arbeitsaufwand liege bei ungefähr zwei Stunden. Eine geplante Stelle als SAP-Berater bei einem US-Unternehmen habe er schließlich nicht mehr angenommen.
Nicht alle Geschichten handeln von Unternehmern oder außergewöhnlichen Berufen. Ein Nutzer berichtet, dass er als Angestellter rund 95.000 Euro brutto im Jahr verdiene und in den vergangenen zehn Jahren ein größeres Aktienportfolio aufgebaut habe. In den letzten vier Jahren habe dieses im Schnitt 180.000 Euro jährlich erwirtschaftet. Er könne kaum glauben, was mit finanzieller Bildung und langfristigen Investments möglich sei, und denke inzwischen über Teilzeit nach. Dabei handelt es sich um die von ihm genannte Wertentwicklung seines Portfolios, nicht um ein garantiertes oder regelmäßiges Einkommen.
Der Thread zeigt damit nicht nur ungewöhnliche Berufe, sondern auch unterschiedliche Wege zu Wohlstand: hohe Gehälter, unternehmerisches Risiko, Immobilien, Beteiligungen oder Kapitalanlagen. Gemeinsam ist vielen Geschichten, dass sie nicht unbedingt dem klassischen Bild einer steilen Karriere folgen.