Nach zwei Tagen in Dresden zieht Oberösterreichs Landeshauptmann Thomas Stelzer ein positives Resümee der Delegationsreise. Im Mittelpunkt standen Industrie, künstliche Intelligenz, Energieversorgung und die Zukunft der EU-Förderungen. Für Stelzer war die Reise weit mehr als ein offizieller Besuch - sie sei ein wichtiger Schulterschluss zweier starker Industrieregionen gewesen.
"Unsere beiden Regionen haben gleiche Herausforderungen. Wir sind zwei starke wirtschaftliche Motoren", sagte Stelzer nach dem Treffen mit Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer. Gerade deshalb sei der direkte Austausch wichtig. "Wenn man heute eine starke Industrieregion bleiben will, braucht es ständige Innovation bei gleichzeitigem Setzen auf die eigenen Stärken."
Besonders prägnant formulierte es der Landeshauptmann mit einem Satz: "Wir brauchen Hochofen und Hightech." Oberösterreich müsse industrielle Stärke und technologische Entwicklung gemeinsam denken. Genau darum habe sich auch die Reise gedreht.
Großen Eindruck hinterließen laut Stelzer die Besuche bei den Technologie- und Industrieprojekten in Dresden. Vor allem der Fokus auf künstliche Intelligenz sei für Oberösterreich entscheidend. "Das Wichtige ist, KI dort einzusetzen, wo man eigene Stärken hat", betonte er. Für Oberösterreich sei das vor allem die Industrieproduktion. "Wir müssen KI noch viel stärker in die industrielle Produktion hineinbringen."
Auch die Verbindung von KI und Medizin sieht Stelzer als Zukunftsmarkt. Deshalb stand unter anderem das Zentrum für Digitale Gesundheit auf dem Programm. Dort habe man gesehen, "welche spannenden Entwicklungsmöglichkeiten es in der Verknüpfung von Gesundheit, Medizin und KI gibt".
Ein weiterer Schwerpunkt war die Energieversorgung der Industrie. Beim Besuch von Siemens Energy verwies Stelzer auf die enorme Bedeutung der Stromnetze für die Energiewende. "Wenn wir die erneuerbaren Energien kräftig vorantreiben, dann braucht es noch mehr Netz und noch mehr Transformatoren", sagte er. Gleichzeitig habe man gesehen, "wie viel Hands-on-Arbeit trotz aller Digitalisierung noch dahinter steckt".
Beeindruckt zeigte sich der Landeshauptmann auch vom Besuch bei GlobalFoundries. Das riesige Chip-Werk habe verdeutlicht, wie abhängig Europa trotz eigener Produktion weiterhin von anderen Weltregionen sei. "Wie wichtig es ist, dass Europa als Standort stärker wird und dort kräftig hineingeht", sagte Stelzer. Dafür brauche es aber auch internationale Investoren. "Nur das gibt die Möglichkeit, in Summe entsprechend zu wachsen."
Wichtig war für Oberösterreich laut Stelzer auch die große Standortpräsentation in Dresden. Dabei seien zahlreiche Kontakte geknüpft worden - von Wissenschaftskooperationen bis hin zu möglichen Unternehmenspartnerschaften. "Es geht darum, uns präsent zu halten und Kontakte zu intensivieren", so Stelzer.
Politisch brisant wurde es beim Thema EU-Förderungen. Gemeinsam mit Kretschmer kämpft Stelzer gegen Pläne, Fördermittel künftig zentral über Wien beziehungsweise Berlin zu verteilen. Bislang erhalten Regionen wie Oberösterreich die Mittel direkt. "Wir sehen deutliche Schwächen gegenüber dem bisherigen System", warnte Stelzer.
Gerade Oberösterreich habe bewiesen, wie effizient regionale Förderungen eingesetzt werden können. "Wir haben aus diesen EU-Mitteln bisher viel gemacht, weil wir schneller sind und näher an den Dingen dran sind", sagte der Landeshauptmann. Deshalb wolle man "bis zum Schluss darum kämpfen", dass die Bundesländer weiterhin direkt mitentscheiden können.
Zum Abschluss wurde Stelzer auch persönlich. Mit Blick auf die Geschichte Dresdens erinnerte er an die Bedeutung der Europäischen Union als Friedensprojekt. "Dass wir uns nicht mit Krieg und dessen Folgen auseinandersetzen müssen, sondern in Frieden leben können, sollte man nie hintanstellen."