Der laute Knall einer Feuerwerksrakete markiert den Startschuss für das jahrhundertealte San-Fermin-Fest in der nordspanischen Stadt Pamplona. An acht Tagen treiben jeden Morgen Tausende Läufer mehrere Kampfstiere durch enge Gassen der Altstadt bis zur Stierkampfarena.
Die Teilnehmer laufen am 7. Juli 2026 beim ersten Stierlauf des San-Fermin-Festes in Pamplona, Nordspanien, vor den Stieren der Stierzucht "Fuente Ymbro" her. Jedes Jahr besuchen Tausende von Menschen das einwöchige Fest und seine berühmten "Encierros" (Stierläufe), bei denen täglich um 8:00 Uhr morgens sechs Stiere freigelassen werden, um von ihrem Gehege durch die engen Gassen der Altstadt über eine Strecke von 850 Metern (Yards) zur Stierkampfarena zu laufen, während die vor ihnen herlaufenden Teilnehmer versuchen, dicht an den Stieren zu bleiben, ohne zu stürzen oder aufgespießt zu werden.
Bei der ersten Stierhatz des heurigen Festes wurden fünf Läufer verletzt, drei davon mussten ins Krankenhaus. Es ging relativ glimpflich aus - Verletzungen durch die spitzen Hörner der Bullen gab es diesmal nicht.
Für die Teilnehmer geht es um Mutproben, Gemeinschaftsgefühl und einen Adrenalinkick. Es sind mehrheitlich junge Männer, die auch aus dem Ausland anreisen und freiwillig ihr Leben riskieren. Die Tiere sind aber schlimmer dran: In der Arena erwartet die Bullen am Abend der Tod.
Tierschützer beklagen eine "mittelalterliche Tortur" und fordern eine "Fiesta ohne Folter". Filmregisseurin Eva Güimil sprach von "Tierfolter im Live-TV". Auch heuer wurde wieder kurz vor Festivalstart protestiert: Am Sonntag veranstalteten Aktivisten von AnimaNaturalis und PETA eine Performance auf dem Rathausplatz - mit aufgesetzten Hörnern, halb nackt und mit roter Farbe als Symbol für das Blut der getöteten Tiere.
Sie hielten Schilder mit Aufschriften wie "Stierkampf ist Sünde" und "Du sollst nicht töten" in mehreren Sprachen. Die Verehrung des katholischen Stadtheiligen San Fermin durch das Vergießen des Blutes von Gottes Geschöpfen widerspreche christlichen Werten, betonte PETA.
Am Abend finden die Stierkämpfe statt. Nach strenger Choreografie rammen zunächst Picadores auf gepanzerten Pferden eine Lanze in den Nacken der Tiere. Die Banderilleros stecken den Stieren bunte Holzstäbe mit Widerhaken in den Nacken. Am Ende macht der Matador dem Bullen mit einem Degenstich ins Herz den Garaus. Maultiere schleifen den toten Bullen aus der Arena - sein Fleisch kann man sich später in Restaurants servieren lassen.
Die Befürworter berufen sich auf die jahrhundertelange Tradition. Sie argumentieren auch, dass mit den Einnahmen aus den Ticketverkäufen das größte Altenheim der Stadt finanziert werde. Zudem würden die Kampfstiere vier bis fünf Jahre frei auf Weiden aufwachsen - im Vergleich zu Nutztieren in der Massenhaltung seien sie "extrem privilegiert".
Der Party tut der Protest keinen Abbruch: Das Spektakel, über das auch US-Schriftsteller Ernest Hemingway in seinem Roman "Fiesta" schrieb, bescherte Pamplona im vergangenen Jahr einen "finanziellen Gesamteffekt" von knapp 260 Millionen Euro.