Die internationale Hochbegabtenvereinigung Mensa feiert heuer ihren 80. Geburtstag. Am 1. Oktober 1946 wurde der Verein in Großbritannien gegründet. Acht Jahrzehnte später gibt es auch in Österreich rund 1.500 Mitglieder. Jetzt tut sich in Niederösterreich etwas: Am kommenden Dienstag, 27. Oktober, startet in St. Pölten ein neues Veranstaltungsangebot für Hochbegabte.
Einen eigenen Mensa-Stammtisch gibt es in der Landeshauptstadt bisher nicht. Mit der neuen "VernetzSIG" soll nun eine Plattform entstehen, bei der sich besonders intelligente Menschen aus dem niederösterreichischen Zentralraum regelmäßig austauschen und auf Augenhöhe quatschen können.
180.000 Hochbegabte in Österreich
Einer, der die Welt der Superhirne bestens kennt, ist Bernhard Weidinger (46). Er ist seit 2018 Mensa-Mitglied und räumt im "Heute"-Gespräch mit einigen Vorurteilen auf. "Es gibt nur 1.500 Mensa-Mitglieder in Österreich, dabei gibt es rund 180.000 Hochbegabte in Österreich – das sind zwei Prozent der Bevölkerung", erklärt er. Wer bei Mensa dabei sein möchte, muss bei einem anerkannten Intelligenztest einen IQ von mindestens 130 erreichen.
Doch wer glaubt, dass dort nur Wissenschafter und Spitzenmanager sitzen, irrt. "Ich kenne Mensa-Mitglieder in Führungspositionen, Taxifahrer, Manager und Menschen, die arbeitslos sind", erzählt Weidinger.
Auch mit dem Klischee vom weltfremden Genie kann der 46-Jährige wenig anfangen. "Wir fallen auf der Straße nicht auf und wir sind bei weitem nicht alle Autisten", stellt er klar.
Ein hoher IQ bedeutet außerdem nicht automatisch großes Selbstbewusstsein. "Hochbegabte tendieren eher dazu, mehr zu reflektieren, mehr mit dem Selbstwert zu kämpfen und sich mehr mit anderen zu vergleichen", sagt Weidinger. Er selbst sei – wie viele Hochbegabte auch – von seinem Testergebnis überrascht gewesen.
Ob Intelligenz glücklich macht, darum geht es beim Auftakt der neuen Mensa-Veranstaltungsreihe am Dienstag, 27. Oktober, um 18 Uhr im Café Wellenstein in St. Pölten. Als Vortragender kommt der Psychologe und Psychotherapeut Stefan Reichel. Unter dem Titel "Glück x Potential – Potentialentwicklung für das gelungene Leben" geht er der Frage nach, warum hohe Intelligenz nicht automatisch glücklich macht.
Künftig sind in Niederösterreich regelmäßige Vorträge, Diskussionen und gemeinsame Aktivitäten geplant. Auch ein Austausch über das Internet ist vorgesehen.
Ein besonderes Anliegen hat Weidinger zum 80. Geburtstag: Er möchte mehr Frauen für Mensa gewinnen. "Der Frauenanteil in der österreichischen Mensa liegt bei 35 Prozent, dabei gibt es gleich viele hochbegabte Männer wie Frauen", erklärt er. Viele Frauen würden ihre eigenen Fähigkeiten unterschätzen und sich darum nicht an einen IQ-Test herantrauen.
Wer seinen IQ testen lassen möchte, kann sich über die Mensa-Homepage anmelden. Ein Test dauert laut Weidinger rund zwei Stunden und kostet üblicherweise 40 Euro. Jeden Oktober gibt es eine besondere Aktion: Die Tests sind dann nämlich kostenlos. Der nächste Test am 31. Oktober ist schon ausgebucht, die nächste Testmöglichkeit für Niederösterreich ist am 21. November.
Während Mensa weltweit bereits seit 80 Jahren kluge Köpfe verbindet, soll nun auch in St. Pölten ein neues Kapitel beginnen.