Der Wirbel um die geschlossene Tankstelle in Wöllersdorf (Bezirk Wiener Neustadt-Land) nimmt kein Ende! Hunderte Autofahrer erhielten nach kurzen Stopps auf dem Privatgrundstück Zahlungsaufforderungen über mehrere Hundert Euro – "Heute" berichtete ausführlich. Doch jetzt steht der Tankstellenbesitzer offenbar zunehmend alleine da: Erst beendete sein Anwalt die Zusammenarbeit, nun zieht sich auch das beauftragte Inkassobüro zurück.
Wie der "Standard" berichtet, bestätigte Rechtsanwalt Oliver Luesgens, dass er nicht mehr für den Tankstellenbesitzer tätig sei. Grund seien Unstimmigkeiten mit seinem bisherigen Mandanten gewesen, bei denen es um finanzielle Angelegenheiten gegangen sei. Die letzten offenen Fälle würden allerdings noch abgearbeitet.
Jetzt folgt für den Tankstellenbesitzer der nächste Rückschlag: Auch das Inkassobüro, welches im Auftrag des Besitzers Geldforderungen verschickte, steigt aus. Der Geschäftsführer bestätigte gegenüber dem "Standard", dass sein Unternehmen "die Zusammenarbeit gekündigt" habe.
Besonders brisant: Gegen das Inkassobüro läuft mittlerweile ein Gewerbeverfahren bei der Bezirkshauptmannschaft Mödling. Die Gemeinde Wöllersdorf-Steinabrückl wurde von der Behörde gebeten, Rechnungen betroffener Autofahrer zu sammeln.
Wie sich zeigt, ist der Andrang enorm: Innerhalb weniger Tage gingen bereits rund 100 E-Mails bei der Gemeinde ein. Bürgermeister Florian Pfaffelmaier erhält täglich zahlreiche Anrufe von Betroffenen.
Hinter dem Inkassobüro steht übrigens kein Unbekannter: Dem ursprünglichen Geschäftsmodell des Geschäftsführers – einer Abmahnfirma – setzte der Oberste Gerichtshof vor wenigen Jahren schon rechtliche Grenzen.
Wie unbegreiflich die Situation für Betroffene sein kann, zeigte der Fall von Pensionist Alois K. (84). Der Motorradfahrer hielt auf dem Tankstellengelände gerade einmal vier Minuten an, um mit seiner Frau zu telefonieren. Wenige Tage später flatterte eine Forderung über 374 Euro ins Haus. Die Schilder, welche auf den Privatplatz hinweisen, hat er in der kurzen Zeit gar nicht bemerkt.
Auch andere Autofahrer berichteten "Heute" von ähnlichen Erlebnissen. Teilweise folgten auf Anwaltsbriefe zusätzliche Inkassoforderungen. Laut "Standard" wurden zuletzt sogar knapp 360 Euro in einer letzten Mahnung verlangt – zusätzlich zu den rund 370 Euro Klagsdrohung durch den Anwalt.
Für den Tankstellenbesitzer reißen die schlechten Nachrichten gerade nicht ab. Erst vergangene Woche wies das Landesverwaltungsgericht seine Beschwerde gegen behördlich vorgeschriebene Sicherheitsmaßnahmen ab. Seit der Schließung der Tankstelle am 1. Juli hätte der Besitzer unter anderem die Zufahrten absichern und weitere Maßnahmen umsetzen müssen.
Bereits im September hatte das Land Niederösterreich 25 Betonleitwände aus Sicherheitsgründen vor der Tankstelle aufstellen lassen. Der Besitzer ließ diese aber kurzerhand wieder entfernen.
Für betroffene Autofahrer heißt das Aussteigen von Anwalt und Inkassobüro allerdings nicht automatisch, dass sämtliche Forderungen vom Tisch sind. ÖAMTC-Chefjurist Martin Hoffer rät laut "Standard", vorerst nichts zu bezahlen und rechtliche Beratung einzuholen. Seit Anfang 2026 sind die Verfahrenskosten bei unbestrittenen Kfz-Besitzstörungen deutlich reduziert.
Fest steht: Während Hunderte Autofahrer auf eine Lösung hoffen, verliert der Tankstellenbesitzer nun gleich zwei bisherige Partner. Die geschlossene Tankstelle sorgt damit weiterhin für reichlich Wirbel.