Der Einkauf bei Temu, Shein und AliExpress verliert an Reiz. Seit die EU am 1. Juli einen Pauschalzoll von drei Euro auf Billigimporte aus Drittstaaten eingeführt hat, bestellen 49 Prozent der bisherigen Fernost-Kunden weniger. Das zeigt der neue "Consumer Check" des Handelsverbands, durchgeführt von Reppublika Research.
42 Prozent der Befragten haben ihr Bestellverhalten nicht verändert, vier Prozent bestellen sogar häufiger. Mehr als die Hälfte (53 Prozent) hat durch die neuen Regeln höhere Preise oder zusätzliche Kosten bemerkt.
"Der europaweite Pauschalzoll wirkt", freut sich Rainer Will, Geschäftsführer des unabhängigen Handelsverbands. "Wenn Billig-Importe aus Drittstaaten nicht mehr kostenfrei in den europäischen Markt geliefert werden können, verändert das auch das Bestellverhalten", so Will. Mehr Kostenwahrheit helfe somit auch dem heimischen Handel.
Insgesamt haben 40 Prozent der Österreicher in den vergangenen zwölf Monaten bei zumindest einer der abgefragten Fernost-Plattformen eingekauft. Temu liegt mit 30 Prozent klar vorn, gefolgt von Shein mit elf Prozent und Alibaba bzw. AliExpress mit neun Prozent. TikTok Shop kommt auf sechs Prozent.
Besonders häufig kaufen junge Menschen bei den Plattformen ein. Mehr als die Hälfte der Generation Z hat dort im vergangenen Jahr bestellt. Gleichzeitig geben 60 Prozent der jungen Fernost-Kunden an, seit Einführung des EU-Zolls weniger einzukaufen.
Auch zwischen Männern und Frauen zeigen sich Unterschiede: Während 58 Prozent der befragten Kundinnen ihre Bestellungen reduziert haben, sind es bei den Männern 40 Prozent.
Die Ergebnisse des Consumer Checks decken sich laut Handelsverband mit der Entwicklung der tatsächlichen Paketmengen im Land. Laut Infos der Post sei die Zahl der Fernost-Pakete im 3. Quartal um rund 30 Prozent eingebrochen. EU-weit sank die Zahl "niedrigwertiger Direktsendungen aus Drittstaaten" sogar um fast zwei Drittel.
Seit 1. November gilt zusätzlich eine EU-weite Bearbeitungsgebühr von zwei Euro pro Warenposition bei Onlineimporten aus Nicht-EU-Ländern. Diese "Union Handling Fee" soll insbesondere die Kosten der Zollbehörden abdecken.
Auch diese neuen Kosten könnten das Einkaufsverhalten weiter verändern. Laut Umfrage wollen 31 Prozent der Fernost-Kunden künftig weniger bei Temu und Co. bestellen. 28 Prozent planen, verstärkt bei österreichischen oder anderen europäischen Händlern einzukaufen. Nur 15 Prozent gehen davon aus, dass sich an ihrem Einkaufsverhalten nichts ändert.
Weniger zufrieden ist der Handelsverband mit der österreichischen Paketsteuer. Sie gilt seit 1. Oktober für große Versandhändler mit mehr als 100 Millionen Euro inländischem Versandhandelsumsatz und beträgt inklusive Umsatzsteuer 2,40 Euro pro Packerl.
Laut Handelsverband hat die Österreichische Post seit Einführung der nationalen Abgabe einen Rückgang des allgemeinen Paketvolumens um rund zehn Prozent festgestellt.
Dass deshalb mehr in heimischen Geschäften eingekauft wird, bezweifelt Geschäftsführer Rainer Will. "Die Online-Umsätze brechen nicht ein, nur die Bestellfrequenz geht deutlich zurück", sagt Will, da vier von zehn Kunden ihre Bestellungen nun bündeln würden.
Der Handelsverband bekräftigt deshalb einmal mehr die Forderung nach einer Rücknahme der österreichischen Paketsteuer. Es gebe keinen sachlichen Grund, zusätzlich zu 3-Euro-Pauschalzoll und der neuen 2-Euro-Paketgebühr eine standortschädliche nationale Paketsteuer einzuheben. Die treffe Tausende heimische Händler und Konsumenten und befeuere die Inflation.