Nach dem deutlichen Gewinnrückgang in den ersten neun Monaten 2026 folgt die nächste schlechte Nachricht für die AUA. Die geplante Erneuerung der Langstreckenflotte wird vorerst nicht wie vorgesehen umgesetzt. Wie "Die Presse" am Dienstag berichtet, hat die AUA bestätigt, dass fünf fabrikneue Boeing 787 Dreamliner nun anderweitig im Lufthansa-Konzern eingesetzt werden.
Die Maschinen waren für den weiteren Austausch der betagten Langstreckenflotte vorgesehen. Stattdessen muss die AUA ihre fast 30 Jahre alten Boeing 777 zumindest bis Ende des Jahrzehnts weiter betreiben.
Hintergrund sind die hohen Kosten am Luftfahrtstandort Wien. Eine Studie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt zeigt, dass die staatlichen Kosten für den Flugverkehr in Österreich seit 2019 um 85 Prozent gestiegen sind. Im europäischen Durchschnitt betrug der Anstieg lediglich 47 Prozent.
Die Flughafenentgelte entwickelten sich dagegen vergleichsweise moderat. Sie stiegen in Österreich um 22 Prozent, europaweit um 27 Prozent.
Besonders umstritten ist die österreichische Flugabgabe von zwölf Euro je abfliegendem Passagier. Sie bringt dem Staat laut "Presse" jährlich rund 170 bis 180 Millionen Euro ein, etwa die Hälfte davon stammt von AUA-Passagieren.
Damit zahlt die Fluglinie allein für diese Abgabe jährlich ungefähr so viel, wie sie im gesamten Jahr 2025 an Betriebsgewinn erwirtschaftete. Dieser lag bei 84 Millionen Euro.
Die AUA drängt deshalb seit Längerem auf eine Senkung der Flugabgabe. Eine Reduktion von zwölf auf acht Euro je Ticket würde den Fluggesellschaften finanziell helfen, dem Staat allerdings jährlich rund 60 Millionen Euro an Einnahmen kosten.
Infrastrukturminister Peter Hanke (SPÖ) hat bereits ein Maßnahmenpaket für den Luftfahrtstandort angekündigt. Auch sieben Bundesländer forderten zuletzt die Abschaffung der Flugabgabe.
"Unternehmen investieren dort, wo die Rahmenbedingungen langfristig die besten Perspektiven bieten", sagte AUA-Chefin Annette Mann gegenüber der "Presse".
Der Wettbewerb um neue Flugzeuge ist innerhalb des Lufthansa-Konzerns groß. Wegen der Lieferverzögerungen bei Boeing und Airbus sind verfügbare Maschinen besonders begehrt. Investitionen fließen deshalb bevorzugt zu jenen Fluglinien, die langfristig die besten wirtschaftlichen Aussichten bieten.
Für AUA-Kunden bedeutet die Verzögerung, dass ältere Maschinen länger auf der Langstrecke eingesetzt werden. Neue technische Angebote wie schnelles Starlink-Internet dürften laut "Presse" aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr in die Boeing 777 eingebaut werden.
Die Entscheidung wirft zudem Fragen zur langfristigen Zukunft der AUA auf. Die Erneuerung der Langstreckenflotte galt als wichtiges Bekenntnis der deutschen Mutter zum Standort Wien.
Wie angespannt die wirtschaftliche Lage ist, zeigte die am Dienstag veröffentlichte AUA-Bilanz. Trotz eines starken Reisesommers mit 4,9 Millionen Passagieren sank der bereinigte Betriebsgewinn von Jänner bis September um 37 Prozent auf 48 Millionen Euro.
Die Gespräche zwischen der AUA und der Bundesregierung über bessere Standortbedingungen laufen weiter. Ob die Airline zu einem späteren Zeitpunkt doch noch zusätzliche neue Langstreckenflugzeuge erhält, bleibt offen.