Nach Deutschland startet TikTok nun auch in Österreich mit einem eigenen Shopping-Angebot. Ab 15. Juni können Nutzer direkt über die Social-Media-App Produkte kaufen – mitten zwischen Videos im Feed.
Das bestätigte das Unternehmen gegenüber der "Presse". Laut TikTok nutzen derzeit rund 2,7 Millionen Menschen in Österreich die Plattform monatlich. "Darin sehen wir schon eine ganz gute Kundenbasis", sagte TikTok-Managerin Ningxin Wu.
Mit "TikTok Shop" tritt die Plattform als internationaler Online-Marktplatz auf. Händler aus aller Welt können dort ihre Produkte verkaufen. Österreichische Anbieter werden zum Start allerdings kaum vertreten sein. Laut Wu laufen Gespräche unter anderem mit Neoh und dem Tiroler Kosmetikgeschäft Judith Williams.
Die Produkte sollen direkt auf der sogenannten "For You Page" auftauchen – also zwischen Unterhaltungs-, Katzen- oder Make-up-Videos. Der Algorithmus zeigt Nutzern dabei gezielt Angebote an, oft passend zu Inhalten von Influencern, die Produkte empfehlen. Das Konzept nennt sich "Discovery Commerce": Nutzer suchen nicht aktiv nach Artikeln, sondern entdecken sie beim Scrollen durch Videos.
Genau dieses Modell sorgte in Deutschland zuletzt für Kritik von Konsumentenschützern. Die eingeblendeten Angebote könnten spontane Käufe fördern, weil Shopping und Unterhaltung direkt miteinander verschmelzen.
TikTok weist diese Kritik zurück. "Durch die unmittelbaren Produktbeschreibungen – ob im Video oder im Livestream – können sich User vor einem Kauf niederschwellig über das Produkt informieren", sagte Wu. Eine vergleichsweise niedrige Retourenquote spreche gegen leichtfertige Einkäufe.
Der Kauf soll laut TikTok mit nur zwei Klicks möglich sein. Offiziell richtet sich das Angebot in Österreich nur an Nutzer über 18 Jahre. Das Alter wird allerdings lediglich über die eigenen Angaben im Profil überprüft, eine zusätzliche Alterskontrolle gibt es nicht.
Voraussetzung für den Einkauf ist ein mit dem Account verbundenes Zahlungsmittel wie Kreditkarte, Apple Pay oder PayPal.
Der Marktstart fällt zeitlich mit der geplanten Paketabgabe der Bundesregierung zusammen. Große Onlinehändler sollen künftig zwei Euro pro Paket zahlen.
TikTok beobachte die neuen Regeln genau, erklärte Wu. Auch andere internationale Onlinehändler meldeten sich zuletzt zu Wort. Amazon sprach von einer "faktische Diskriminierung ausländischer Versandhändler", Zalando warnte vor einem "volkswirtschaftlichen Bumerang". eBay kündigte Gespräche über "EU-konforme nationale Alternativen" an.