"9 Monate Warten auf Termin"

Totales Chaos! Wirbel um digitalen Eltern-Kind-Pass

Der elektronische Eltern-Kind-Pass verzögert sich erneut und soll erst 2027 österreichweit funktionieren. Zusätzlich gibt es Streit um Hebammen.
André Wilding
15.09.2026, 07:00
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Der gelbe Eltern-Kind-Pass bleibt Österreich länger erhalten als geplant. Die österreichweite Einführung der elektronischen Variante verschiebt sich erneut. Statt im Oktober 2026 soll der digitale Pass nun erst ab 1. Oktober 2027 funktionieren – das berichtet die "Kronen Zeitung".

Grund dafür sind technische Schwierigkeiten. In mehreren Bundesländern konnte die notwendige Umstellung der Software nicht rechtzeitig abgeschlossen werden.

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Doch neben der Verzögerung sorgt ein weiterer Punkt für Diskussionen: Welche Rolle sollen Hebammen künftig beim elektronischen Eltern-Kind-Pass spielen?

Hebammen fehlen Schreibrechte

Hebammen dürfen Schwangere bei normal verlaufenden Schwangerschaften begleiten und Untersuchungen durchführen. Ihre dabei gewonnenen Ergebnisse können sie im elektronischen Eltern-Kind-Pass derzeit allerdings nicht ohne Weiteres dokumentieren.

"Wir sind uns des Problems bewusst", heißt es aus dem Staatssekretariat von Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) gegenüber der Tageszeitung. Hintergrund ist demnach der fehlende Zugriff der Hebammen auf ELGA. Damit fehlen ihnen auch die entsprechenden Schreibrechte für den elektronischen Pass. An einer Lösung werde gearbeitet.

Lisa Rakos, Präsidentin des Österreichischen Hebammengremiums, sieht darin ein Problem. "Wenn eine Hebamme eine Untersuchung fachgerecht durchführt, das Ergebnis aber nicht im eEKP eintragen darf, entsteht kein medizinischer Mehrwert", erklärt Rakos in der "Krone".

Aus ihrer Sicht entstehen dadurch zusätzliche Wege und Kosten. Gleichzeitig würden Arztpraxen zusätzlich belastet.

Auch bisher klare Grenzen

Allerdings dürfen Hebammen auch beim bisherigen Eltern-Kind-Pass die fünf vorgeschriebenen Schwangerschaftsuntersuchungen nicht anstelle eines Arztes durchführen. Vorgesehen ist derzeit vor allem eine freiwillige Hebammenberatung zwischen der 18. und 22. Schwangerschaftswoche, berichtet die "Krone".

Mit dem neuen Programm sollen zwei Hebammenberatungen sowie ein Gesundheitsgespräch hinzukommen. Verpflichtend sind diese Termine jedoch nicht und sie haben demnach auch keine Bedeutung für das Kinderbetreuungsgeld.

Hebammen können unter anderem Blutdruck, Gewicht und Harn kontrollieren, Lage und Wachstum des Kindes überprüfen sowie dessen Herztöne abhören. Genau diese Erkenntnisse können sie jedoch nicht selbst im elektronischen Pass eintragen.

"Unser Gesundheitssystem kann es sich nicht leisten, eine gesunde Schwangere in einer normalen Schwangerschaft zehn Mal zu Fachärzten zu schicken", sagt Rakos gegenüber der "Kronen Zeitung".

Das Hebammengremium fordert deshalb unter anderem Schreibrechte im elektronischen Eltern-Kind-Pass, die Anerkennung der Vorsorgeleistungen von Hebammen, eine verpflichtende Beratung und mehr Mitsprache bei der Umsetzung.

Schwangere sucht Kassenarzt

Wie schwierig die Suche nach einem Kassen-Frauenarzt sein kann, schildert in der "Kronen Zeitung" die 33-jährige Hebamme Miriam, die selbst ihr zweites Kind erwartet. Nach einem Umzug war ihre bisherige Ärztin rund eine Stunde entfernt. Deshalb suchte sie nach einer näheren Alternative.

"Ich habe alle Ärzte in meiner Umgebung von A bis Z durchtelefoniert", erzählt sie der "Krone". Einen zeitnahen Platz habe sie dabei nicht gefunden. Eine Ordination habe ihr erst in einem Dreivierteljahr einen Termin angeboten.

"Da wäre ich schon gar nicht mehr schwanger gewesen. Wer schwanger ist, braucht halt gleich einen Arzt", heißt es in dem Bericht weiter.

Auch eine Ambulanz eines nahe gelegenen Krankenhauses brachte für sie keine Lösung: "Ich habe dort zehn Mal angerufen und nie jemanden erreicht. Es kam auch keine Rückmeldung."

40 Minuten zum Arzt

Über einen Tipp fand Miriam schließlich einen Kassenarzt, der noch neue Patienten aufnahm. Für ihre Termine muss sie nun allerdings 40 Minuten fahren und dabei sogar die Landesgrenze ins Burgenland überqueren.

Einen Wahlarzt wollte sie bewusst vermeiden. "Ich möchte diese Zwei-Klassen-Medizin nicht unterstützen", sagt die 33-Jährige zur "Krone".

Während Hebammen mehr Kompetenzen beim elektronischen Eltern-Kind-Pass fordern, verzögert sich dessen österreichweiter Start nun ohnehin bis zum 1. Oktober 2027.

wil,15.09.2026, 07:00