Europa will seine Energie-Abhängigkeit von Russland beenden, doch ausgerechnet die Importe von russischem Flüssiggas sind zuletzt wieder gestiegen. Im Juni kauften die EU-Staaten einem Bericht zufolge deutlich mehr LNG aus Russland als noch vor einem Jahr.
Wie die "Welt am Sonntag" unter Berufung auf Daten des Forschungszentrums Centre for Research on Energy and Clean Air (CREA) berichtet, lagen die russischen LNG-Importe der EU im Juni um 14 Prozent über dem Wert des Vorjahres.
Auch die Einnahmen Russlands aus dem Verkauf des Rohstoffs legten demnach zu. Moskau nahm zuletzt 60 Millionen Euro pro Tag damit ein.
Unter den EU-Staaten importierte Frankreich dem Bericht zufolge die größte Menge an russischem Flüssiggas. Besonders deutlich zeigt sich der Anstieg im Hafen von Montoir in der Bretagne. Dort kam im Juni viermal so viel russisches LNG an wie noch im Mai.
Russisches Erdgas spielt damit weiterhin eine bedeutende Rolle bei der europäischen Energieversorgung. Nach Angaben der Denkfabrik Bruegel kamen im zweiten Quartal 13,4 Prozent der gesamten Gasimporte der EU aus Russland.
Nach Beginn der russischen Invasion in der Ukraine hatten westliche Staaten Sanktionen gegen Russland verhängt, die auch den Energiebereich betreffen. Dennoch gelangen weiterhin russisches Öl und Gas in die Europäische Union.
Bei LNG handelt es sich um verflüssigtes Erdgas. Durch die Verflüssigung kann es mit Schiffen transportiert werden. An europäischen Küsten wird es anschließend wieder in Gasform umgewandelt und in die Gasnetze eingespeist.
Die EU verfolgt das Ziel, ab 2027 vollständig auf russisches Flüssiggas zu verzichten.
Gleichzeitig hat sich die Situation auf dem internationalen Gasmarkt durch den Iran-Krieg verschärft. Teheran hat die Straße von Hormus gesperrt.
Durch die für den Welthandel wichtige Meerenge gelangt deshalb derzeit unter anderem kaum noch Flüssiggas. Die veränderte Lage trifft damit auf Europas Pläne, sich von russischen Energielieferungen unabhängig zu machen.