Nach einem ukrainischen Drohnenangriff ist im Hafen von Noworossijsk am Schwarzen Meer ein Feuer ausgebrochen. Herabfallende Trümmer haben laut russischen Behörden am Samstag ein Öldepot und auch das Gelände des Kraftstoffterminals getroffen. Zwei Menschen wurden verletzt.
Die Zahl der Todesopfer nach einem Drohnenangriff auf ein Hochschulgebäude in der fast vollständig von Russland besetzten ostukrainischen Region Luhansk ist inzwischen auf 18 gestiegen. Die Ukraine hat zuletzt ihre Angriffe auf die russische Öl- und Energieinfrastruktur verstärkt. Der Hafen von Noworossijsk in der südrussischen Grenzregion Krasnodar ist der größte Exporthafen Russlands am Schwarzen Meer. Rund ein Fünftel der russischen Rohöllieferungen, die per Schiff transportiert werden, läuft dort über die Kaianlagen.
Das Verteidigungsministerium in Moskau gab am Samstag in der Früh bekannt, dass in der Nacht insgesamt 348 ukrainische Drohnen abgefangen und zerstört worden seien. Am Tag davor war bei einem mutmaßlichen ukrainischen Drohnenangriff ein Hochschulgebäude in Luhansk getroffen worden. Laut russischen Behördenangaben ist dabei ein fünfstöckiges Studentenheim in der Stadt Starobilsk eingestürzt.
Am Samstag wurde gemeldet, dass die Zahl der Toten auf 18 gestiegen ist. Weitere 42 Menschen wurden verletzt, wie das russische Katastrophenschutzministerium mitteilte. Ein von den Behörden veröffentlichtes Video zeigt dutzende Einsatzkräfte, die in den Trümmern des Gebäudes nach Überlebenden suchen.
"Die Region und das ganze Land teilt den Schmerz über das Schicksal dieser Menschen und ihrer Familien", erklärte der von Moskau eingesetzte örtliche Gouverneur Leonid Passetschnik. Laut seinen Angaben waren zum Zeitpunkt des Drohnenangriffs 86 Menschen in den Räumlichkeiten. Bei den Getöteten und Vermissten handelt es sich größtenteils um Studentinnen zwischen 18 und 23 Jahren.
Kiew betonte, dass der Angriff nicht gegen Zivilisten, sondern gegen ein Militärhauptquartier gerichtet war. "Das Quartier einer russischen Militäreinheit befindet sich im Gebiet der Stadt Starobilsk", erklärte der ukrainische Generalstab am Freitag. "Die Ukraine führt Angriffe gegen militärische Infrastrukturen und Einrichtungen durch, die für militärische Zwecke genutzt werden, und hält sich dabei strikt an die Vorgaben des humanitären Völkerrechts", so der Generalstab weiter.
Kreml-Chef Wladimir Putin sprach hingegen von einem "terroristischen Angriff" und forderte das russische Militär auf, Pläne für Vergeltungsmaßnahmen auszuarbeiten. Der Angriff sei "kein Zufall" gewesen und "in drei Wellen" erfolgt, "wobei 16 Drohnen denselben Ort ins Visier nahmen", sagte Putin.
In der Nähe habe sich "weder eine Einrichtung der Armee noch der Geheimdienste oder verwandter Dienste" befunden. Starobilsk liegt etwa 65 Kilometer von der Frontlinie in der Ostukraine entfernt. Die russische Armee hatte die Stadt bereits kurz nach Beginn ihres Angriffs im Februar 2022 eingenommen.
Russland fliegt seit mehr als vier Jahren Luftangriffe auf die Ukraine. Die Ukraine reagiert mit Gegenangriffen auf russisches Staatsgebiet, vor allem auf Ziele der Öl- und Energieinfrastruktur. Die Verhandlungen über ein Ende der Kämpfe liegen derzeit auf Eis.